Chinesische Straßennamen in Afrika?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 3. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Jetzt wäre ich beinahe nachträglich „in den April geschickt worden".
Konnte Ihnen noch gerade eine Fehlinformation und mir Schimpf und Schande ersparen. Um was es geht:
Ich war gerade zwei Tage in Namibia unterwegs, und wie so oft nehme ich meine Reisen zum Anlass für eine Schilderung derselben hier im Trader´s Daily, den man als Initiierter schließlich abonniert hat.
(In der Hoffnung, dass es außerhalb von Familie und wenigen Freunden weitere Mitglieder der „Gemeinde" interessiert.)
Am 1. April wurde mir kurz nach einem Interview (Areva) mitgeteilt, dass in der namibischen Hauptstadt Windhoek neue Straßenschilder installiert werden.
In Namibia (bekanntlich bis Anno 1918 eine deutsche Kolonie) gab es vor ein paar Jahren einen „Straßen-Streit". So wurde in der namibischen Stadt Swakopmund die „Kaiser-Wilhelm-Str." in „Sam Nujoma Avenue" umbenannt, und auch „Brückenstrasse" gibt es nicht mehr. (Ja, bis vor ein paar Jahren gab es solche Straßennamen 8.000 km entfernt von Mitteleuropa.)
Nun also neue Straßenschilder. Zurück zu deutschen Namen? Bestimmt nicht.
Mir wurde mitgeteilt, dass stattdessen nun in Windhoek Straßenschilder auf Chinesisch angebracht werden!
Ich war wirklich überrascht, auch skeptisch - vergaß jedoch völlig, dass es der 1. April war. Als ich eine Quelle für den Straßennamen-Plan suchte, wurde mir die namibische „Allgemeine Zeitung" gereicht. Und da stand diese Aussage schwarz auf weiß bestätigt: In Windhoek soll es zweisprachige Straßenschilder geben, auf Englisch und Chinesisch.
Begründung dem Artikel zufolge: Eine „Geste des guten Willens" gegenüber der Volksrepublik.
Und ich legte los, wollte einen Beitrag dafür schrieben, wie sich der Einfluss Chinas in Afrika an solchen „Gesten des guten Willens" kontinuierlich ausweitet.
Das tat ich dann auch - und diesen Beitrag konnte ich dann eben in die Tonne treten.
Denn:
Ich erinnerte mich an den „Salesianischen Ehrenkodex für Journalisten", der in Deutschland ausgedruckt neben meinem Schreibtisch hängt, und daran, dass eine Zeitungsnachricht nicht zwangsläufig eine ausreichende Quelle ist.
Ich wollte also direkt bei der Stadtverwaltung Windhoek nachfragen und weitere Details erfragen. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen (Schuppen von den Augen? Was ist das eigentlich für eine Formulierung!):
Ich war in den April geschickt worden. Sowohl die Aussage als auch der Bericht in der Zeitung waren ein „Fake", es war der 1. April.
(Interner Gedankengang dazu in etwa: „O Vaupel, alter Skat- und `Axxis & Allies´-Spieler, das ist ja gerade nochmal gut gegangen. Sei froh darüber. Sei wahrhaftig. Enttäusche die Gemeinde nicht.")
*** Dies von Ihrem „nüchternen Beobachter", derzeit im südlichen Afrika.
Von dort sendet er Ihnen herzliche Grüße, alles Gute!
Ihr
Michael Vaupel