Chinesische H-Aktien explodieren
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 24. März 2004 12:00 Uhr
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Heute Morgen habe ich mir – wie üblich – zunächst einmal angesehen, was die asiatischen Börsen gemacht haben. Wenn Sie mich kennen, dann wissen Sie, dass ich ein Anhänger des Megatrends "China" bin. Und aktuell geht dort richtig die Post ab! Man muss allerdings wissen, wo genau. Denn es gibt zahlreiche verschiedene Börsenplätze und Indizes, wenn es um China geht. Wenn ich zu diesem Thema befragt werde, dann empfehle ich immer ein Investment in den sogenannten H-Aktien, die in Hongkong gehandelt werden. Nicht ohne Grund steigt der betreffende Index derzeit wirklich in den Himmel. Gestern konnte er gut 70 Punkte auf knapp 4.800 zulegen, ein Plus von ordentlichen 1,5 %. Heute ging es munter weiter: Plus 105 Punkte oder +2,2 % auf rund 4.900 Zähler. Seit Ende 2002 geht das so, zu Jahresbeginn haben wir zum Glück eine kleinere Korrektur gesehen. Mir wäre es zwar lieber gewesen, diese wäre noch etwas weiter gegangen – aber jetzt sieht es ganz so aus, als ob der Index der H-Aktien wieder Fahrt aufnimmt!
Wer auf den entsprechenden Index kein Zertifikat im Depot hat, ist selber Schuld. Neben 1:1 Index-Zertifikaten gibt es auch ein sehr schönes China Hedgefonds-Zertifikat, das ich bei meinem Börsenbrief bereits seit Juli 2003 im Depot habe. Hier ist praktisch jeder Tag ein Kauftag!
Also, um was geht es bei dieser Investment-Story – was hat es mit diesen "H-Aktien" auf sich? Ich erkläre es Ihnen: In China gibt es A-, B- und H-Aktien.
Zunächst konnten die Chinesen selbst nur A-Aktien kaufen, Papiere der Kategorie B und H blieben den Ausländern vorbehalten. Und da in China die Sparquoten sehr hoch sind und dieses Geld angelegt werden will, haben die Chinesen mit ihren Käufen die Kurse der A-Aktien drastisch nach oben getrieben. Mangels Alternativen, denn andere Aktien durften sie nicht kaufen! Deshalb stiegen in diesem Sektor die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf Werte über 40.
Währenddessen blieben die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Aktien aus den Kategorien B und H deutlich darunter, durchschnittlich bei maximal der Hälfte dieser Bewertung. Obwohl die Unternehmen durchaus vergleichbar waren und sind: Denn bei allen drei Kategorien handelt es sich um Unternehmen, die ihr Geschäftsfeld in "Rotchina" (also dem Festland, nicht z.B. in Hongkong) haben.
Das änderte sich schlagartig, als die Chinesen plötzlich auch Aktien der Kategorie B kaufen durften. Rums – es kam zu einer gewaltigen Kauforgie, die die Kurse dieser Werte um 100 % explodieren ließ. Denn damit glich sich das Bewertungsniveau der B- und A- Aktien nur an.
Die H-Aktien hingegen sind weiterhin nur für Ausländer handelbar. Und hier sind die Bewertungen weiterhin sehr günstig: Meine Lieblingsaktien in dieser Kategorie haben sogar nur einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse.
Meine Einschätzung: Wenn die Chinesen irgendwann auch einmal H-Aktien kaufen dürfen, dann wird es hier genauso wie zuvor bei den B-Aktien zu einem gewaltigen Kurssprung kommen. Die Investoren, die frühzeitig B-Aktien gekauft hatten, haben ihr Kapital locker verdoppelt. Das ist auch bei den H-Aktien drin.
Allerdings weiß niemand – ich auch nicht! –, wann es den Chinesen erlaubt wird, H-Aktien zu kaufen. Das kann Morgen, nächste Woche, in einem Monat oder erst in einem Jahr der Fall sein. Vielleicht sogar nie, auch wenn ich das nicht glaube. Aber Sie wissen: Es ist ja gerade die Phantasie, die die Kurse macht! Auch wenn der Kauf für die Chinesen noch nicht freigegeben worden ist – es ist gerade die Spekulation darauf, die jetzt schon die Kurse steigen lässt. Alte Börsenhasen handeln ohnehin nach dem Motto "Kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachricht!"
Meine Schlussfolgerung: Investments auf den Index der H-Aktien sind einfach ein Muss. Ganz Mutige wagen sich auch an Einzeltitel heran – aber das ist für Sie als Privatanleger sehr riskant, da Sie nur sehr schwer an wichtige Informationen herankommen können. Ich will Ihnen einmal ein Beispiel für eine H-Aktie nennen:
Eine relativ solide H-Aktie ist der Wert "Tsingtao Brewery". Diese Aktie ist auf keinen Fall einer der wirklich heißen Titel unter den H-Aktien, sondern eher ein solider Wert. Dennoch ist der 5-Jahres-Chart beeindruckend: Zu Beginn stand der Titel bei 0,09 Euro (deutscher Handel), aktuell bei rund 0,90 Euro. Vor einem Jahr waren es etwa 0,60 Euro. Im November 2003 stand der Kurs auch schon mal bei 1,15 Euro, danach gab es eine Konsolidierung. Und seitdem pendelt die Notierung in einer relativ engen Range von 0,90 bis 1,00 Euro.
Ich covere diesen Titel seit rund 2 Jahren. Mittlerweile hat der Titel ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 und gehört damit nicht mehr ganz billig. Zum Hintergrund:
Es handelt sich um eine der ganz großen chinesischen Brauereien. Die Geschichte dieser Brauerei ist übrigens sehr interessant: 1898 wurde es deutsches Pachtgebiet. Ähnlich wie die Briten den Chinesen Hongkong abpressten, so schloss damals das Deutsche Reich mit China einen Pachtvertrag über das 550 Quadratkilometer große Tsingtau-Gebiet ab, für 99 Jahre. Wenn der Erste Weltkrieg nicht dazwischen gekommen wäre, dann hätte es dort bis 1997 ein deutsches Hongkong gegeben.
Und was machten die Deutschen mit ihrem chinesischen Pachtgebiet? Es wurde sehr gut erschlossen, und natürlich wurde dort auch eine Brauerei gegründet. Aus dieser Brauerei entstand dann die Tsingtao Brewery. Heute kann man dort vor Ort übrigens unter anderem das "Schlappner"-Beer genießen. Benannt nach dem ehemaligen Trainer der chinesischen Nationalmannschaft, der fast wie ein Heiliger verehrt wird. Na dann Prost!
Beste Grüße,
Michael Vaupel