Chinas Wachstum
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 13. Mai 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Einer der Gründe, warum die Leute glauben, dass das Schlimmste bereits hinter uns liegt, ist der, dass die chinesische Wirtschaft wieder zu wachsen scheint.
Das Folgende stammt aus der Financial Times.
Vielleicht mehr als in irgendeiner anderen großen Wirtschaft zeigen sich in China die ersten Anzeichen einer Verbesserung, schreibt Geoff Dyer. Die Anzeichen legen nahe, dass die Wirtschaft im März angefangen hat, sich zu erholen, wobei die industrielle Produktion um 8,3% gegenüber den 2,8% im Januar und Februar gestiegen ist."
Falsche Hoffnungen?
Doch könnte es sich dabei um eine falsche Hoffnung handeln? Könnte es sein, dass wir ein vorübergehendes, stimulierendes wirtschaftliches Stärkungsmittel fälschlich für eine tragbare Erholung halten?
China sagt, die Wirtschaft würde wachsen. Wenn sie aber wirklich wachsen würde, dann würde diese Wirtschaft auch mehr Treibstoffe und mehr Strom verbrauchen müssen. Doch die industrielle Nachfrage nach den Brennstoffen, die von den Fabriken und den kommerziellen Anlagen verwendet werden, ist im ersten Quartal um 12,6% gefallen
Mein alter Freund Sean Corrigan weist außerdem darauf hin, dass die Stromerzeugung auch gefallen ist. In den vergangenen sieben Monaten lag die Produktion um 8,5% unter den Werten des Vorjahrs.
Ein anderer alter Freund, Jim Rogers, glaubt immer noch an China - und dazu an die Rohstoffe. Er geht davon aus, dass dort der beste Ort für Ihr Geld ist. Vielleicht hat er recht. Aber ich spreche nicht Chinesisch... und ich fürchte, dass der chinesische Markt ein Opfer von weit mehr Risikofaktoren werden könnte, als man allgemein glaubt.
Risikofaktor Zentralplanung
Einer der Risikofaktoren, der in Bezug auf China ganz besonders unterbewertet wird, ist das Risiko der Zentralplanung. Investoren schätzen China mehr als z.B. Indien, weil sie denken, dass die chinesische Regierung - selbst wenn sie in den Händen der Kommunisten ist - in der Lage sein wird, die Wirtschaft zum Wohlstand zu führen. Aber die Zentralplanung ist immer ein Fehler, soweit ich es sagen kann. Es ist nur dann kein Problem, wenn sie so ungeschickt ausgeführt wird, dass sie wirkungslos wird.
Chinas oberste Bosse werben mit einer rosigeren Zukunft für die Wirtschaft des Roten Drachen als möglich zu sein scheint", schreibt Rob Parenteau. Mehr als 15.000 Fabriken in den chinesischen Provinzen Shenzhen, Guangzhou und Dongguan haben bereits den Betrieb eingestellt... und bei vielen weiteren steht in den nächsten Monaten eine Schließung ins Haus."
Es ist eine Epidemie, die sich über ganz Asien verbreitet, auch wenn man in den Abendnachrichten vielleicht noch nicht vom vollen Ausmaß der Krise erfährt."
Die Hälfte der chinesischen Spielzeugfabriken hat den Betrieb eingestellt. Es haben insgesamt in den letzten sechs Monaten des Jahres 2008 sogar 67.000 Fabriken den Betrieb eingestellt."
27 Millionen Chinesen haben bereits ihre Arbeitsplätze verloren - und 20 Millionen von ihnen strömen aus den Städten zurück auf ihre verlassenen Höfe in den ländlichen Regionen Chinas."
Erinnern Sie sich noch an die Achtziger? Auch damals waren die Investoren bereit, eine Prämie für Zentralplanung zu zahlen. Damals war Japan das Land, das die Planung durchführte. Die Anleger haben ihre amerikanischen Aktien verkauft - aufgrund einer Theorie, die besagte, dass die Vereinigten Staaten nicht die Kurve kriegen würden - und kauften stattdessen japanische Aktien, weil MITI, die japanische Bürokratie, die für die Wirtschaftsplanung zuständig war, ihre Aufgabe, die Wirtschaft in den ewigen Erfolg zu führen, angeblich so gut machen sollte. Es schien sie nicht zu interessieren, dass eben diese Behörde den japanischen Automobilherstellern geraten hatte, in der Heimat zu bleiben und sich nicht in den amerikanischen Automarkt zu wagen.
Doch dann sind der japanische Markt... und seine Wirtschaft... eingebrochen. Und daran anschließend haben die Japaner ihre Fähigkeiten der Zentralplanung der Aufgabe gewidmet, die Form der kreativen Zerstörung zu verhindern, die der Kapitalismus für sie bereithielt. Damit waren sie erfolgreicher - sie verhinderten die notwendige Umstrukturierung in den nächsten 20 Jahren.
Hirntote Banken wurden am Leben gehalten. Zombie-Unternehmern blieben im Geschäft. Und ein Betrag, der dem gesamten japanischen Output eines Jahres entspricht, wurde für vergebliche Stimulierungsversuche aufgewendet. Heute werden die japanischen Aktien immer noch für 75% weniger gehandelt, als im Jahr 1989. Japanische Immobilien sind heute immer noch nur ein Viertel dessen wert, was sie zum Gipfel des Booms wert waren.
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