Chinas Infrastruktur als Chance und als Risiko
Martin Hutchinson (aus dem Amerikanischen übersetzt Silke Roth) in Investoren Wissen zum Thema Global Anlegen
vom 25. November 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Es gibt keinen Zweifel daran: China braucht Infrastruktur. Die nun weltweit viert größte Wirtschaft China ist so schnell gewachsen, dass die Infrastruktur extrem überlastet ist. Aber weiß die Regierung, welche Infrastruktur benötigt wird und kann sie ohne Korruption errichtet werden?
So wurde z. B. der Drei-Schluchten Damm schon zu einem globalen Unwort für Verschwendung und die Zerstörung der Umwelt, während die modernen kostenpflichtigen Straßen zwischen den großen Städten sehr wenig genutzt werden, weil nur die Reichen die Maut zahlen können. Im Ankurbelungspaket von 585 Milliarden Dollar sind mehr als 100 Milliarden für Eisenbahnen vorgesehen, eine Politik, die aus dem 19. Jahrhundert zustammen scheint am Beginn des 21. Jahrhunderts.
General Electric Co. (NYSE: GE) gibt an, dass es von einer Verdopplung seiner Geschäftszahlen in China von $10 Milliarden bis zum Jahr 2010 ausgeht - ein Hauptfaktor in der Strategie des strauchelnden U.S.-Riesen. GE will den Schwierigkeiten auf dem U.S.-Markt entgehen, um in schneller wachsenden Märkten Fuß zu fassen. GE verkündete vor kurzem, dass es 300 seiner modernsten Lokomotiven bis 2010 nach China liefern wird.
Chinas Finanzpaket
Ein Jahrzehnt erlebte China ein extremes Wachstum und führte durch hohe Sparraten zum Aufbau von Chinas Reserven in fremden Währungen von mehr als $1.9 Billionen - die größte in der Welt.
Um die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen und das Wachstum zu erhalten, muss China den Konsum im eigenen Land erhöhen. Während Steuervergünstigungen im Stil von Bush nur den sogenannten "Chuppies" - Chinas neuer Yuppie-Klasse - nutzen würde, gibt es andere Steuern, die schwer auf der Wirtschaft lasten und gekürzt werden sollten.
Die Steuer auf Ackerlandnutzung ist z.B. von 13.6 Cents auf $1.36 pro Quadratmeter 1987 gestiegen und wurde letztes Jahr noch einmal um 68 Cents erhöht auf $3.40 - eine extreme Belastung für die ohnehin schon armen Bauern, die kaum über die Subsistenz hinauskommen und noch durch mehr Steuern gebeutelt werden.
Hätte die chinesische Regierung wirklich die Interessen der eigenen Bürger im Sinn, würde sie die Steuern kürzen, statt große Infrastrukturprojekte zu finanzieren.
Es besteht eine erhebliche Gefahr, dass diese massiven Programme zu Inflation führen könnten. Nehmen wir an, China nutzt seine $585 Milliarden aus der Fremdwährungsreserve und erhöht damit die heimische Menge des Renminbi, würde das seine M2 Geldmenge um fast 10% erhöhen.
Dahingegen schreibt The People's Daily , dass dieses massive Finanzpaket einen positiven Effekt auf Zement, Eisen -und Stahlproduzenten hätte. Von diesem Kapitaleinsatz würden auch die drei größten Handelspartner Chinas profitieren - Japan, Süd Korea und Taiwan - da sie Komponenten herstellen, die in China zum Export in den Westen zusammengesetzt werden oder indem sie Waren liefern, die vom erhöhten Konsum gerne aufgenommen würden.
Auch Rohstofflieferanten - die ohnehin ihre Gewinne steigern konnten durch den Boom in China - würden weiterhin profitieren.
Fünf Gewinnmöglichkeiten
Anhui Conch Cement (Pink Sheets: AHCHF) ist Chinas größter Zementhersteller - und wird sicher von den großen Infrastrukturprogrammen profitierend. Seien Sei vorsichtig, denn das Unternehmen ist nur auf "Pink Sheets" gelistet und entspricht somit nicht den Mindestanforderungen der SEC und wird zum 17 fachen seiner Gewinne gehandelt.
- China Railway Construction (Pink Sheets: CWYCF) ist Chinas größtes Bauunternehmen und spezialisiert auf Eisenbahnen. Auch hier handelt es sich wieder um ein Pink Sheets Unternehmen und wird zum 31fachen seiner Gewinne gehandelt.
- Yanzhou Coal Mining Co. Ltd. (ADR: YZC) ist ein Energielieferant, der von dem Investment in zusätzliche Infrastruktur profitieren könnte. Es steht wesentlich besser da als die beiden oben genannten und wird nur mit dem dreifachen seiner Gewinne gehandelt und schüttet 4.3% Dividendenertrag aus.
- Huaneng Power International Inc. (ADR: HNP) ist der chinesische Energieproduzent, der Verluste wegen der hohen Kohlepreise einstecken musste Aber es ist wahrscheinlich, dass die Gewinne mit der ökonomischen Expansion wieder steigen werden und 9.3% Diividende ist nicht verachten.
Aber der große Gewinner vom chinesischen Infrastruktur-Boom ist sicherlich der brasilianische Eisenerzproduzent (allein $100 Milliarden sind für das Schienennetz vorgesehen) Vale (ADR: RIO), der schon zweimal in China 2008 die Preise erhöht hat. China ist ein massiver Importeur von Eisenerz und seine Importe werden sich noch erhöhen durch das Infrastrukturinvestment und Vale ist der größte Lieferant weltweit. Aber das Beste kommt noch: Mit einem KGV von 4.3 und einer Dividende von 4.2%, sind Vales Aktien nicht teuer.
Ob Chinas Programm dem chinesischen Durchschnittsbürger hilft oder nicht, sie können auf jeden Fall davon profitieren mit wenigen Investments.
Viel Erfolg,
Martin