Chinas Geldpolitik
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Global Anlegen
vom 16. November 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
einer der Belastungsfaktoren für die Weltbörsen (oder sollte ich besser sagen: einer der Anlässe für Gewinnmitnahmen) ist derzeit die Straffung der chinesischen Geldpolitik, die in der vergangenen Woche in eine neue Runde ging. China mausert sich ja zusammen mit anderen (mehr oder weniger ehemaligen) Emerging Markets immer mehr zur Weltkonjunkturlokomotive, nachdem die USA diese Rolle nicht mehr erfüllen können. Und so verwundert es nicht, dass bei einer Straffung der monetären Zügel in China Befürchtungen aufkommen, dass das weltweite Wachstum darunter leiden könnte.
Dabei wird allerdings vergessen, dass China derzeit aus einer Position der Stärke heraus agiert. Die Chinesen können sich höhere Zinsen mit diesen Wachstumsraten durchaus leisten, ohne ihre Konjunktur gleich auf`s Spiel zu setzen. Die Wachstumsraten befinden sich immerhin im zweistelligen Bereich. Eine leichte Abkühlung würde also lediglich einer Überhitzung vorbeugen und die Lebensdauer des Wachstumszyklus` verlängern. Zudem steht die chinesische Zentralbank erst am Beginn eines Zinserhöhungszyklus`. Erst am Ende eines solchen ist mit einem Abwürgen der Konjunktur durch Überhitzen einerseits oder durch zu hohe Zinsen andererseits zu rechnen.
Ein wichtiger Grund für die Straffung der chinesischen Geldpolitik ist die dortige Überhitzung der Immobilienpreise. Vor einigen Wochen hatte ich Ihnen einen Chart dazu mitgebracht, den ich Ihnen heute erneut zeigen möchte. Was hat sich seitdem getan?
Preisentwicklung im chinesischen Immobiliensektor
Ich hatte damals gesagt: Ein deutlicher Anstieg des TAO-Index über die rote Widerstandslinie macht den Weg frei für enorme weitere Preissteigerungen und ruft die chinesische Zentralbank auf den Plan. Fazit: Eingetreten. Der Preisanstieg verläuft allerdings bis jetzt recht geordnet und die Notenbank schreitet früh ein. Von einer extremen Überhitzung mit exponentiellen Anstiegen bisher keine Spur. Und damit auch (noch) keine Gefahr für die Konjunktur dort oder sonst auf der Welt. Das kann sich noch ändern und so werde ich diesen Sektor weiter beobachten. Bisher geht jedoch keine akute Gefahr davon aus. Da ist die amerikanische Notenbankpolitik mit ihrer Geldschwemme eine wesentlich größere Bedrohung für die Stabilität der Weltkonjunktur.
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