Chinas BIP-Wachstum: zunehmende Abkopplung vom Export
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 20. Oktober 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
die neusten Wirtschaftsdaten aus China wurden veröffentlicht. Und tatsächlich: auch Chinas Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt. Und zwar auf 9 %. Lassen Sie sich diese Zahl auf der Zunge zergehen: 9 %. Jeder andere Staat auf dieser Erde würde sich gegenwärtig wohl - metaphorisch gesprochen - alle 10 Finger nach so einer Wachstumsrate lecken.
Aber immerhin: 9% Wachstum im dritten Quartal, das bedeutet einen Rückgang von 1,1 Prozentpunkten gegenüber dem zweiten Quartal dieses Jahres.
Manche reagierten schockiert, sahen gleich die Rezession auf China zukommen (Überschrift einer Internetpublikation). Auch wenn diese Aussage angesichts eines Wirtschaftswachstums von 9 % grundlegend den Meisten lächerlich erscheinen muss, zumal im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften, deren Wachstum knapp über 0 liegt (die UK BIP-Daten werden beispielsweise für Donnerstag erwarte; hier besteht die Möglichkeit, dass das Q2 BIP von 0 nach unten revidiert wird und damit UK sich bereits in einer Rezession befindet), werfen wir heute trotzdem doch einmal einen näheren Blick auf Chinas Wirtschaftsdaten.
Chinesisches Exportwachstum rückläufig
Es gibt gegenwärtig zwei Faktoren die für das rückläufige Wachstum ausschlaggebend sind. Neben den Auswirkungen der Olympischen Spiele (das Q3 Wachstum wurde vor allem aufgrund der Olympischen Spiele beeinträchtigt, da für die Zeit der Spiele viele Fabriken still gelegt worden waren; das industrielle Wachstum läuft nun erst wieder an: im September verzeichnete die industrielle Produktion ein Wachstum von 11,4 % gegenüber dem Vorjahr) ist das aufgrund der weltweiten Finanzkrise rückläufige Exportwachstum einer dieser Faktoren.
In den ersten drei Quartalen dieses Jahres stehen Chinas Nettoexporte für 12,5 % am chinesischen Bruttoinlandsprodukt. Das entspricht einem Rückgang von 8,9 Prozentpunkten gegenüber der Vorjahresperiode.
Manche Unternehmen leiden natürlich aufgrund des Exportrückgangs und so mussten bereits einige ihre Tore schließen. Mittlerweile kristallisiert sich ein Trend heraus nachdem Arbeiter und Angestellte aus den stark exportorientierten Regionen zum Teil zurück aufs Land ziehen wo die Lebensmittelpreise geringer sind, respektive in die großen Boom-Städte im Landesinneren wo zum größeren Teil die Industrie welchen den heimischen Absatzmarkt bedient angesiedelt ist.
Hier wird bereits eines deutlich: trotz eines starken Rückgangs im Exportwachstum hält sich das BIP-Wachstum vergleichsweise stabil, aufgrund eines nach wie vor stark wachsenden Binnenmarktes.
Chinas Regierung greift ein mit Exportsteuererleichterungen
Obwohl ich persönlich die zunehmende Abkopplung des chinesischen Wirtschaftswachstums vom Exportmarkt hin zum Binnenmarkt langfristig nur deutlich begrüßen kann ( und ich schätze, die chinesische Staatsregierung dürfte dies auch begrüßen), empfinde ich dennoch die Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Unterstützung der Exportwirtschaft hoch interessant.
Chinas Regierung wird nun gerade die beschäftigungsintensiven, exportorientierten Industrien mit Steuererleichterungen auf die Exportsteuer unterstützen.
Dies dürfte Chinas Exportartikel noch wettbewerbsfähiger in den Absatzmärkten USA und Europa machen. Zumal im Hinblick darauf, dass Chinas Regierung bereits seit Mitte Juni stärker im Devisenmarkt interveniert hat um die Aufwertung der chinesischen Währung zu verlangsamen. ( :-) Amüsant in diesem Zusammenhang ist in meinen Augen folgendes: vor der Krise verging fast keine Woche in der die USA China nicht aufgefordert hätten ihre Währung schneller aufzuwerten. Seit Beginn der Krise, oder sagen wir besser, seitdem Henry noch stärker auf die Chinesen als Käufer von US-Schatzanleihen angewiesen ist, hört man keinerlei Kritik an Chinas Währungspolitik von Seiten der USA mehr. :-) )
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