Chinas 12. 5-Jahres-Plan
Miriam Kraus in Nebenwerte Daily zum Thema Global Anlegen
vom 18. Februar 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
In der vergangenen Woche hatte ich Ihnen versprochen, dass wir uns, nach Abschluss der Reihe über die Metalle der Seltenen Erden, anschließend noch einmal mit dem neuen 5-Jahres-Plan der chinesischen Regierung befassen wollen.
Seit 1953 arbeitet Chinas Regierung mit den so genannten 5-Jahres-Plänen. Hierbei gibt die Regierung die strategischen Vorgaben jeweils für die kommende halbe Dekade vor. Spätestens seit Chinas Wachstum das Land im vergangenen Jahr auf Platz 2 der größten Volkswirtschaften der Welt katapultiert hat, ist es unabdingbar geworden, den Fokus auf die künftige strategische Ausrichtung des Landes zu lenken. Und mehr als jedem anderen 5-Jahres-Plan, kommt dem aktuellen 12. Plan, dessen erste Details Ende des vergangenen Jahres publik wurden, enorme Bedeutung zu.
China positioniert sich für nachhaltiges Wachstum
China hat in den letzten 10 Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 10% erreicht. Dies war lange Jahre vor allem auf die starke Export-Orientierung und das arbeitsintensive Wirtschaftsmodell zurück zu führen. Doch während noch unter dem letzten, also dem 11. 5-Jahres-Plan der Fokus der Regierung vor allem auf der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts lag, wurden soziale und auch andere Ziele vernachlässigt. Die Folge: das extrem wachstumsorientierte Wirtschaftsmodell führte zu einer Überbeanspruchung der Ressourcen, zu Umweltschäden und forcierte wirtschaftliche und soziale Ungleichgewichte zwischen den einzelnen chinesischen Provinzen.
Aus diesen Gründen geht China nun mit dem neuen 12. 5-Jahres-Plan einen anderen Weg. Der Fokus ruht nun nicht mehr ausschließlich auf einem hohen Wachstum, sondern auf einem ausgeglichenen und nachhaltigen Wachstum, sowie auf sozialen Zielen. Diese Neuausrichtung wird China noch stärker, noch weniger abhängig von seinen Exportmärkten und noch wesentlich wettbewerbsfähiger im internationalen Umfeld machen und das Land auf dem Weg zur Nummer 1 der größten Volkswirtschaften der Welt unterstützen.
China strukturiert sich selbst um
Spätestens die Finanzkrise vor 2 Jahren hat den chinesischen Offiziellen umso deutlicher vor Augen geführt, wie wichtig es ist, ein Wachstumsmodell zu kreieren, welches die Abhängigkeit von Anlageinvestitionen und Export reduziert und stattdessen auf die Binnennachfrage ausgerichtet ist. Während der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt zwar mittlerweile rückläufig ist, sind gerade die wachsenden Anlageinvestitionen mit ein Faktor für die aktuell wachsende Teuerung und steigende Immobilienpreise in einigen Regionen Chinas. Zwar hält China bereits mit Zinsanhebungen dagegen, doch der aktuelle 5-Jahres-Plan bietet eine wesentlich bessere und vor allem nachhaltige Alternative: den strikten Fokus auf den Binnenkonsum. Ein prozentualer Anstieg des Binnenkonsums als Anteil vom gesamten Bruttoinlandsprodukt senkt nicht nur die Abhängigkeit von Anlageinvestitionen, sondern auch die Abhängigkeit vom Export.
Aus diesem Grund ist es der Regierung vor allem auch ein Anliegen das verfügbare Einkommen der chinesischen Haushalte anzuheben. Dies soll hauptsächlich durch steigende Mindestlöhne und den Ausbau des sozialen Netzwerks, sowie des Gesundheitssystems geschehen. Besonders wichtig ist es für Peking, die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen den ärmeren Westprovinzen und den reichen Ostküstenprovinzen auszugleichen. Dieser Prozess hat bereits begonnen und die Regierung wird die Subventionen für Betriebe, die sich in den Westprovinzen niederlassen, ausweiten.
Schlüsselindustrien
Noch wichtiger aber wird es, den Fokus auf die Schlüsselindustrien zu lenken, welche Peking wesentlich unterstützen will. Hierzu gehören vor allem solche Industriesektoren, in denen sich China über die Zeit zu einem Weltmarktführer entwickeln kann und (auch dies ist ganz besonders wichtig) in denen China von der quantitativen Werkbank zum qualitativen High-End-Hersteller werden kann. Auch die Dienstleistungsbereiche gehören zu den Schlüsselsektoren, die in China noch viel Wachstumspotenzial besitzen. Denn, will China den Binnenmarkt stärken, dann muss es auch den tertiären Sektor stärken, der zum einen arbeitsintensiv ist und neue Arbeitsplätze schafft, zum anderen aber auch zum wachsenden Wohlstand beiträgt.
Wie China das alles mit dem neuen 5-Jahres-Plan gelingen will und auf welchen Schlüsselindustrien der Fokus Pekings ruht, wollen wir uns dann in der kommenden Ausgabe am nächsten Dienstag ansehen.
Im 2.Teil habe ich stattdessen noch zwei Fotos für Sie, zum endgültigen Abschluss der Reihe zu den Metallen der Seltenen Erden...