China: Von der Werkbank zur Müllhalde der Welt
Volkmar Michler in Profit Radar zum Thema Global Anlegen
vom 16. April 2010, 19:00 Uhr
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Der Besuch in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen in der Nähe von Hongkong, einem der reichsten Provinzen Chinas, beginnt für mich mit einer kleinen Überraschung: In dem 5-Sterne-Luxus-Hotel mitten im Stadtzentrum soll man sich die Zähne nur mit extra bereit gestelltem Mineralwasser putzen. Das Leitungswasser ist dafür nicht geeignet.
Ich frage bei meiner chinesischen Dolmetscherin nach, die mich zu den Gesprächsterminen begleitet (englisch selbst bei Führungskräften ist eher die Ausnahme). Natürlich nehme sie das Leitungswasser der Millionen-Metropole Shenzhen für ihre Familie auch zum Trinken und Zähneputzen, versichert mir die junge Chinesin selbstbewusst.
Aber warum dann die Vorsichtsmaßnahme im Hotel? Ich frage noch einmal nach, und siehe da. Auf einmal gibt sie zu, dass sie das Wasser für sich und ihre Familie doch abkocht, weil es eben zu gefährlich ist.
Das ist eine bittere Erkenntnis: Eine der wohlhabendsten Provinzen Chinas, die noch immer stolz darauf ist, Vorzeigeprovinz mit Pilotfunktion zu sein, die in den letzten Jahren konsequent die umweltbelastende Schwerindustrie in die Nachbarprovinzen verdrängt hat, zugunsten von Hightech und Dienstleistung, selbst diese wohlhabende Vorzeige-Metropole leistet sich eine miese Trinkwasser-Qualität.
Leider ist Shenzhen kein Einfall, das Trinkwasser-Problem hat System. Nach chinesischen Angaben sind rund 90% der Flüsse, die Städte durchqueren verschmutzt. Ein Drittel der Städte leidet unter starker Luftverschmutzung. Hinzu kommt die fortschreitende Wüstenbildung, der immer mehr Ackerfläche zum Opfer fällt.