China und Japan haben US-Staatsanleihen verkauft!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 8. Juli 2009, 12:00 Uhr
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*** Weltweit werden bekanntlich milliardenschwere staatliche Ausgabenprogramme beschlossen.
Wenn früher, in guten Zeiten, mal ein paar Staatsschulden netto getilgt worden wären, wäre es durchaus sinnvoll, in schlechten Zeiten „deficit spending" zu betreiben, also Staatsausgaben auf Pump, bis die Krise vorbei ist.
Tja, war natürlich nicht so. Auch in guten Zeiten haben sich die westlichen Industrienationen weiter verschuldet. (Letzte Ausnahme waren die USA unter Bill Clinton, da gab es Haushaltsüberschüsse, und Deutschland im Jahr 2000. Damals wurden die UMTS-Lizenzen versteigert, das gab einen einmaligen Geldregen für den Bund.)
„Bezahlt" (Euphemismus) werden die heutigen Ausgabenprogramme mit neuen Schulden.
Diese sind nicht nur „an sich" (wieder Kant) ein Problem, sondern auch ihr Zustandekommen wird zunehmend kritisch. Denn wenn weltweit die Staaten immer mehr Anleihen herausgeben - wer soll die alle kaufen??
Vielleicht haben deshalb einige Zentralbanken angefangen, die Staatsanleihen ihrer Staaten aufzukaufen. (Völliger „bullshit", wird aber mit Begriffen wie „quantitative easing" schön geredet.)
Jedenfalls beobachte ich gerade im Fall der USA ein interessantes Phänomen:
Die US-Regierung gibt immer mehr neue Staatsanleihen heraus - doch „die Ausländer" kaufen tendenziell weniger.
Dazu konkrete Zahlen:
Im April haben Ausländer für 11,2 Mrd. Dollar US-Staatsanleihen gekauft.
Das klingt nicht gerade wenig...doch wenn Sie bedenken, dass der Wert im März noch bei 55,4 Mrd. Dollar lag, dann ist dies durchaus ein deutlicher Rückgang!
*** Und nicht nur, dass „die Ausländer" weniger neue US-Staatsanleihen kaufen.
Einige ausländische Adressen verkaufen sogar schon, ihre vorhandenen US-Staatsanleihen.
Hier gibt es zwei besonders sensible Adressen:
China und Japan.
Die USA sind in der derzeitigen Lage davon abhängig, dass diese beiden Staaten weiter auf US-Staatsanleihen setzen.
Doch was ist das?
Im April haben diese beiden Staaten nicht nur aufgehört, neue Papiere zu kaufen (netto). Sie haben sogar bestehende Positionen verkauft.
Im Fall von China bedeutet das: Ein Rückgang des Volumens der gehaltenen US-Staatsanleihen von 767,9 Mrd. Dollar auf 763,5 Mrd. Dollar.
Und bei Japan gab es einen Rückgang von 686,7 Mrd. Dollar auf 685,9 Mrd. Dollar.
*** Ein einmaliger „Ausrutscher", oder ein neuer Trend?
Wenn letzteres der Fall wäre, dann würde der Dollar sehr viel schneller als allgemein erwartet ein Problem bekommen (sprich: er würde deutlich fallen).
Auf jeden Fall keine Fakten, die mich an meiner Einschätzung (Dollar-Bär!) rütteln lassen.
Mein Rat: US-Staatsanleihen auf jeden Fall meiden. Und auch bei Dollar-Anlagen generell vorsichtig sein.
(Ausnahme natürlich Edelmetalle, welche in Dollar notieren - aber einen Verfall des Dollars durch einen Anstieg des nominalen Preises ausgleichen sollten.)
Bleiben Sie wachsam.
Ihr
Michael Vaupel
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