China und Afrika, Teil 2
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 01. Februar 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Unser Korrespondent Brian Durrant greift auch heute wieder das Thema “China und Afrika” auf – das nehme ich zum Anlass, auch selbst dazu etwas zu schreiben. (Gefällt mir nämlich, das Thema).
Dazu zunächst ein Zitat einer deutschen parlamentarischen Staatssekretärin zu diesem Thema: „Unsere afrikanischen Partner sollten wirklich aufpassen, dass sie sich nicht mit einem neuen Prozess der Kolonialisierung konfrontiert sehen.“ Und auch der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki äußerte sich ähnlich: Er sehe die potenzielle Gefahr „ungleicher Beziehungen“, ähnlich wie früher zwischen afrikanischen Kolonien und Mutterländern.
Wieso solche Äußerungen? Will China Afrika kolonisieren?
Natürlich nicht. Ich finde, das „Kolonialismus-Argument“ greift nicht. Denn die Chinesen haben sich bis jetzt nicht in die Innenpolitik der afrikanischen Staaten eingemischt. Meiner Ansicht nach wollen sie das auch gar nicht…denn alles, um was es ihnen geht, sind: ROHSTOFFE.
China hat Afrika aus genau diesem Grund im Fokus, keine Frage. Gerade erst hat Hu Jintao acht afrikanische Länder besucht (Sudan, Südafrika, Sambia, Namibia, Liberia, Kaermun, Mosambik und die Seychellen).
Und die Chinesen gehen es richtig an: Sie bieten einen von der Handelsbilanz her ausgeglichenen Austausch an. Also afrikanische Rohstoffe gegen chinesische Billigwaren. Die haben in Afrika einen Markt, denn bekanntlich fehlt die Kaufkraft für teurere westliche Produkte. Gleichzeitig hält sich China aus der Innenpolitik heraus.
Damit lässt sich die chinesische Strategie gegenüber Afrika auf den Punkt bringen.
Und so einfach diese Herangehensweise ist, so erfolgreich ist sie. Keine andere Macht kann da mithalten.
Mit der Folge, dass sich der Handel China-Afrika zwischen 1995 und 2005 verzehnfacht hat (von 4 Mrd. Dollar auf 40 Mrd. Dollar, Quelle: die südafrikanische Fin24). Und in den nächsten 3 Jahren soll sich der Wert laut Hu Jintao nochmal verdoppeln. Wird auch so sein, da bin ich sicher (Jintao unter- als übertreibt auch normalerweise).
Dieser starke Boom wird – wie gesagt – nicht dadurch getrübt, dass China sich in die Innenpolitik einmischt. Deshalb gibt es auch keine Probleme im Handel Chinas mit z.B. Simbabwe. Während westliche Staaten Simbabwe wegen seines Präsidenten Robert Mugabe mehr oder weniger boykottieren, freut sich China. Denn dadurch hat es praktisch ohne Konkurrenz auf die zweitgrößten Platin-Vorkommen DER WELT. (Nach Südafrika).
Es geht nicht nur um Platin. In Sambia (auch da war Hu Jintao gerade) hat China stark in Kupferminen investiert (Quelle: Sapa–dpa). Und in Südafrika hat China eben mal 2 Mrd. Dollar für neue Minen locker gemacht (das wird praktisch aus der Portokasse bezahlt: Ich hatte Ihnen ja mitgeteilt, dass China mitterweile 1000 Milliarden Dollar = 1 Billion Dollar Devisenreserven hat!).
Und so weiter, und so fort. Still und heimlich hat sich China Afrika als wichtigen Rohstoff-Lieferanten erschlossen. Und da hat es aus zwei Gründen eine sehr starke Position: 1. Ausgeglichener Handel, d.h. keine Ungleichgewichte (Rohstoffe gegen Billigwaren). 2. Keinerlei Einmischung in die Innenpolitik. Mögliche Handelskonkurrenten können da nicht mithalten.
Mein Fazit: Wieder mal ein Beispiel dafür, dass wir es bei China mit einer zukünftigen Weltmacht zu tun haben. Von deren unglaublichen wirtschaftlichem Aufstieg wir profitieren können!
Beste Grüße,
Michael Vaupel
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