China und Afrika
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 30. September 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Gerade habe ich eine Studie der GTZ zum Thema China und Afrika durchgearbeitet.
(Genauer Titel der Studie: „Chinas Engagement in Afrika - Chancen und Risiken für Entwicklung". Bereich Afrika, Bereichsökonomie. Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH.)
Fand ich höchst interessant, und da dieses Thema von den breiten Finanzmedien noch nicht so aufgegriffen worden ist, tue ich dies hiermit.
China setzt ganz massiv auf Afrika, wenn es um Rohstoffe geht. Interessant, dass chinesische Unternehmen laut der Studie selten Zugang zu den größten und prestigeträchtigsten Ölfeldern erhalten. Bei denen der zweiten und dritten Reihe, die nicht so in der Öffentlichkeit stehen, sind chinesische Staatsfirmen dafür aber ganz vorne mit dabei. Und zwar in „praktisch allen wichtigen Erdölländern Afrikas". (Zitate stammen aus der Studie.)
Inzwischen bezieht China bereits ein Drittel seines Erdöls aus Afrika.
Gleichzeitig engagiert sich die chinesische Textil- und Bekleidungsindustrie sehr stark in Afrika. Und China hat mit inzwischen 41 afrikanischen Staaten Meistbegünstigungsklauseln im Handel vereinbart. Wir reden hier von Wachstumsraten im Handel zwischen 20% und 50% - PRO JAHR. Es geht hier um eine gewaltige Dynamik.
Die afrikanischen Staaten erzielen dabei übrigens interessanterweise einen Handelsbilanzüberschuss. Zuletzt lag dieser im Bereich Mrd. Dollar.
Mit anderen Worten: China importiert viel mehr aus Afrika (Rohöl, Kupfer, weitere Rohstoffe) als es dorthin exportiert (Kleidung, billige Schuhe etc.).
Ist klar: In erster Linie geht es China darum, seine benötigten Rohstoffe aus Afrika zu beziehen. Die werden in chinesischen Fabriken weiterverarbeitet, dann an Europa und die USA verkauft. Und da fallen dann die schönen Gewinne = Außenhandelsbilanzüberschüsse an.
*** Macht „China" schon richtig so, aus Sicht der eigenen Interessen. Und Devisenreserven von mittlerweile rund 2.000.000.000.000 Dollar (ja, 2 Billionen Dollar!) sind doch eine feine Sache, oder? Wer hätte die nicht gerne als Staatsschatz.
Mein Fazit: Die massiven Investitionen Chinas in Afrika sind Tatsache. China setzt auf Afrika als Lieferant von Rohstoffen, und macht hier schier unglaubliche Fortschritte. Auch deshalb natürlich, weil die Chinesen keine Fragen wegen Menschenrechten etc. stellen. Es geht hier ums Geschäft, nicht mehr und nicht weniger.
Ich finde: Ändern können wir dies nicht, zur Kenntnis nehmen sollten wir es. Und wenn wir von dieser gewaltigen weltwirtschaftlichen Entwicklung finanziell profitieren können - warum nicht?
Interessant sein kann das Setzen auf die Rohstoff-Preise, um welche es geht. Andere Marktteilnehmer preisen den Faktor China nicht immer richtig ein, das eröffnet Chancen. Dann gibt es noch die Möglichkeit, direkt in afrikanische Gesellschaften wie Kupferminen zu investieren (natürlich nicht in solche, welche keine ökologische oder soziale Verantwortung zeigen). Die Chinesen sind an Übernahmen interessiert, das lässt die Preise steigen.
Allerdings: Erstens habe ich die Devise „Märkte statt Einzeltitel". Und zweitens möchte ich nicht in kleine Unternehmen investieren, welche ich mir nicht persönlich angesehen habe. Ein, zwei Titel habe ich auf meiner „Watchlist" - mal sehen, ob ich es zeitlich schaffe, die mir mal vor Ort anzuschauen.
Was ich hier im Trader´s Daily möchte: Sie als Teil der Gemeinde auf dieses interessante Thema hinweisen. Vielleicht haben Sie ja selber Lust, in dieser Richtung etwas weiter zu recherchieren. Könnte sich lohnen, so mein Eindruck.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von weha (30.09. 2009 12:59 Uhr):
... und wo bekommt man diese GTZ-Studie, zu welchem Preis - und wieviel Seiten ist der Schinken dick ??
Antworten - Kommentar von Otto Schröder (30.09. 2009 15:21 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, danke für den guten Bericht. Trotzdem frage ich mich, ob sich die afrikanischen Ländern mit dem "Hereinholen" der Chinesen wirklich einen Gefallen tun. Wenn die Chinesen kommen und eine Mine übernehmen, kommen sie mit Mann und Maus (eigenen Leuten, sogar Strafgefangenen) und fangen an, zu prodozieren, d. h. die Rohwaren werden sofort auf chinesischen Schiffen - ohne jegliche Weiterverarbeitung vor Ort - verschifft. Teilweise trifft es auch nicht zu, dass die Chinesen dafür harte (weiche?) Dollars bezahlen , sondern sie zahlen in den versprochenen Ausbau der Infrastruktur (wieder mit eigenen Leuten bzw. Strafgefangenen) und eigenen aus China importierten Materielien. Die Chinesen sind sehr genügsam, sagte Victor Kasongo, stellvertretender Bergbauminister des Congo (DRC)!- sie benötigen nur eine Handvoll Reis am Tag! (sehr verächtlich finde ich) Es würde bestimmt mehr Investoren aus Europa oder USA geben, ja - wenn die Länderrisikoabschläge bei den Bewertungen nicht wären. Die USA und auch Kanada fördern dadurch das chinesische Engagement, das doch auch was für die Europäer wäre oder? Oder handelt es sich gar um eine andere Form des Protektionismus? Gruss Otto Schröder
Antworten