China „rettet“
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Global Anlegen
vom 13. September 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
der deutsche Aktienmarkt ging am Montag schwach, aber immerhin erholt von den Tagestiefs aus dem Handel. Die Angst vor einer drohenden Insolvenz Griechenlands griff weiter um sich. So sprach mit Philipp Rösler der erste Politiker im Ministerrang am Wochenende von der realistischen Möglichkeit einer Insolvenz Griechenlands. Auch die Furcht vor einer Abstufung französischer Banken durch die Ratingagentur Moody`s setzte den Markt massiv unter Druck. Finanztitel gehörten deshalb erneut zu den größten Tagesverlierern. Am Nachmittag brachte die Meldung über eine Explosion in einem französischen Atomkraftwerk, die die deutschen Börsen in anderen Zeiten wohl kalt gelassen hätte, zusätzliche Unruhe.
Im späten Handel konnten sich die Kurse wieder etwas erholen. Als Grund wird ein Bericht der "Financial Times" herumgereicht, wonach China sich in Gesprächen mit Italien über einen Kauf von Staatsanleihen des Landes in bedeutendem Umfang befindet. Wer allerdings China kennt, der weiß, dass es dabei nicht um eine selbstlose Hilfe für den angeschlagenen italienischen Staat geht, sondern einzig und allein um die Wahrung chinesischer Interessen.
Abgesehen davon halte ich es für ziemlich sinnlos, für jede Kursregung irgendwelche rationalen Begründungen finden zu wollen. Die Börse ist verrückt, das war sie schon immer. Man könnte es auch einfach „Massenpsychologie" nennen. Derzeit verselbständigt sich die europäische Schuldenkrise. Sie gerät allmählich außer Kontrolle, weil die bisherigen „Rettungsmaßnahmen" unserer ach so kompetenten Politiker, die nicht sehr innovativ waren, schlichtweg versagt haben. Wie das Ergebnis dieses Scheiterns aussehen wird, wissen wir noch nicht. Aber eines lässt sich sagen: diese Unsicherheit schlägt den Börsen gewaltig auf den Magen. Und das dürfte auch der Hauptgrund dafür sein, warum der DAX so schwach ist. Diese negative Psychologie dürfte uns solange erhalten bleiben, bis sich eine radikale Wende in der Staatsschuldenkrise abzeichnet. Momentan ist eine solche Wende aber weder in den Chartverläufen noch in den Tagesereignissen absehbar.
Jetzt DAX Profits zum absoluten Vorzugspreis testen!
ähnliche Beiträge:
- China ist wieder in einer Boom-Phase
- China: Nummer 1 im Lebensmittelmarkt
- China-Small Caps weiterhin sehr günstig bewertet
- Ein weiterer Blick auf die kritische Situation in China
- China: Düngemittel-Aktie kann sich verzehnfachen
- Wir steigen langsam wieder in China ein
- China zwischen Revolution und Wirtschaftsboom
- Druck auf China auch aus Europa?
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (13.09. 2011 10:46 Uhr):
Das Ergebnis der Euro-Verschwörung lässt sich sehr wohl vorhersagen: Es sind bereits hunderte Milliarden zu den PIIGS verschoben worden, weitere werden folgen. Das Ganze wird durch inflationsträchtiges Gelddrucken der EZB und Erhöhung der Staatsschulden der noch zahlungsfähigen Länder finanziert. Die europäischen und besonders deutschen Sparer und Geldwertbesitzer, also auch die Rentner, werden davon sehr "erleichtert" sein. Die öffentlichen Leistungen werden weiter eingeschränkt und/oder privatisiert . Die Schulden-Rezession ist bereits auf dem Weg, was weitere schwere Einschränkungen bewirken wird. Aber unser Finanzminister preist ja den "nach innen und außen stabilen" Euro und sieht auch keine Rezession. Also ist wohl doch alles in Butter, und nur Miesmacher unken.
Antworten - Kommentar von Ernst Merk (13.09. 2011 11:34 Uhr):
Danke für den Bericht! Die Chinesen stellen sich damit absichernd unter den irrsinnigen Rettungsschirm der Europäer. Das Risiko wird von den USA auf die Europäischen Steuerzahler verlagert. Ist doch ein gutes Geschäft! Für die Chinesen!
Antworten - Kommentar von Albert Karl (13.09. 2011 12:50 Uhr):
Wer glaubte, man könne nach der Finanzkrise in 2009 zur Normalität übergehen, wurde eines Besseren belehrt. Die Aktienkurse brechen weltweit ein, der Euro wird schwächer, die Finanzmärkte sind so hypernervös wie schon lange nicht mehr. Zum Teil ist dies aber auch eine notwendige Korrektur: Die Lage ist eben noch lange nicht so gut, wie die Spekulanten dachten. Vor allem aber ist der Kursverfall Ausdruck der grassierenden Furcht - wie oben von Herrn Voigt treffend beschrieben - vor einer globalen Krise der Staatsfinanzen. Auch geht es ja längst nicht mehr nur um Griechenland. Die Finanzkrise hat in vielen Ländern aus dem privaten ein staatliches Schuldenproblem gemacht. Und alles hängt jetzt weiter davon ab, wie die Regierungen, mit welcher konzeptionellen Kraft und fiskalischen Phantasie damit umgehen. Leider hat die griechische Regierung schon vor der Krise eine unsolide Haushaltspolitik betrieben und zu allem Überfluss noch die Öffentlichkeit angelogen. Das rächt sich jetzt. "Wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer ohne Badehose geschwommen ist" sagte irgendwann der Investor Barren Buffet. Die Griechenlandkakophonie ist jetzt der entscheidende Bewährungstest für den Euro. Kann ein Währungsraum mit zentraler Geldpolitik, aber dezentraler Finanzpolitik auch in Krisenzeiten für Disziplin sorgen? - frage ich mich! Gegenwärtig stehen die Chancen schlecht, dass der Test bestanden wird. Und die Lage bleibt gefährlich. Es kann sehr schnell um Sein oder Nichtsein des Euro gehen. Langfristig heisst das Thema für mich aber Amerika. Die Zukunft der Weltwirtschaft hängt davon ab, ob die USA ihre Staatsfinanzen in Ordnung bringen. Washington zeigt immer mehr Symptome der griechischen Krankheit. Der Bundeshaushalt weist das höchste Defizit in Friedenszeiten aus, aber der Kongress scheint nicht in der Lage zu sein, in richtiger, dem Volke dienenden Weise, darauf zu reagieren. Die Ausgaben für Gesundheit, Soziales und Militär sind ausser Kontrolle, aber niemand kann offenbar dem Marsch in die Pleite Einhalt gebieten. Im Interesse der Weltwirtschaft ist auch hier zu hoffen, dass die US-Politiker die Realität schneller wahrnehmen als die Finanzmärkte.
Antworten