China: der größte Energieverbraucher der Welt
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 20. Juli 2010, 20:00 Uhr
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Nun ist es also offiziell: China hat bereits im letzten Jahr die USA als größten Energieverbraucher der Welt überholt. Das sagt zumindest die Internationale Energieagentur in ihrer neuesten Statistik!
Die chinesische Energiebehörde dagegen zieht die Ergebnisse der IEA-Statistik ein wenig in Zweifel, hält die Angaben für etwas überhöht. Vor allem im Hinblick auf die Statistik zur Treibhausgasemission. Schließlich hat China sich die Erneuerbaren Energien auf die Fahne geschrieben, will Weltmarktführer im Bereich der grünen Energien werden. Und tatsächlich bekräftigt die IEA auch, dass China mittlerweile eine Führungsrolle zukommt, vor allem im Bereich Solar- und Windkraft, zudem wird der Bau von Atomkraftwerken stark voran getrieben (worüber man in Deutschland, wie wir alle wissen, geteilter Meinung sein darf, was aber weltweit die Staaten nicht daran hindert, stärker auf diese günstige und CO2-Emmissionsarme Form der Energiegewinnung zurück zu greifen).
Doch zurück zum Punkt: laut IEA hat China im vergangenen Jahr rund 2.252 Tonnen Öläquivalent verbraucht - das liegt rund 4% über dem Verbrauch der USA im vergangenen Jahr.
Doch der Pro-Kopf-Verbrauch ist in den USA immer noch deutlich höher
Sehen wir uns folgende Grafik der IEA an:
Quelle: Internationale Energieagentur
Der rote Balken zeigt den gesamten Energieverbrauch Chinas über die Jahre, der blaue Balken den gesamten Energieverbrauch der USA. Eine beachtliche Entwicklung, die China da allein in den letzten 10 Jahren vollbracht hat. Und die natürlich dem starken Wachstum geschuldet ist. Sehen Sie sich aber nun die unterbrochenen Linien an. In blau haben wir hier den Pro-Kopf-Energieverbrauch der USA, der mehr als 4 mal so hoch ist wie der Chinas. In rot sehen wir den Pro-Kopf-Energieverbrauch Chinas, der trotz allem nur rund ein Drittel des Pro-Kopf-Verbrauchs der OECD-Staaten beträgt, aber immerhin langsam den weltweiten Durchschnitt (in schwarz) erreicht.
Was sagt uns das?
China, obwohl mittlerweile der größte Energieverbraucher der Welt, weist noch immer ein enormes Wachstumspotenzial auf, was den Bedarf angeht. Fatih Bristol, Vorsitzender der IEA geht davon aus, dass China in den nächsten 20 Jahren mindestens 4 Milliarden US-Dollar in die Energieentwicklung investieren muss, damit das starke Wirtschaftswachstum nicht zu einer Energieknappheit führt. Ferner geht er davon aus, dass China in den nächsten 15 Jahren mindestens 100 Gigawatt mehr an Strom produzieren kann.
Die Frage ist, woher der Strom kommen wird
Nun, wir sehen natürlich die enormen Bestrebungen Chinas in die Erneuerbaren Energien und die Atomkraft zu diversifizieren. Schon jetzt dominiert China weltweit den Solarmarkt - Wind und Wasserkraft wachsen und an den AKWs wird fleißig gebaut. Das ist die Zukunft - oder zumindest ein Teil davon.
Denn ein Blick auf die Gegenwart verrät uns, dass es vor allem der massive Kohleverbrauch ist, der Chinas gesamten Energieverbrauch so massiv in die Höhe treibt. China, das 3 Mal so viel Kohle verbraucht wie die USA, gewinnt rund 70% seiner Energie aus eben diesem Rohstoff.
Auch wenn der Anteil Erneuerbarer Energien und der Atomkraft in China über die kommenden Jahre mit Sicherheit stetig und deutlich wachsen wird (wie im übrigen wohl auch der Ölverbrauch), wird es wohl noch sehr lange dauern, bis sich die Abhängigkeit des rasanten, chinesischen Wirtschaftswachstums vom Antriebsmotor Kohle relativiert. (In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auch auf den zweiten Teil des heutigen Dailys aufmerksam machen, wo mein Kollege Andreas Lambrou noch einmal näher auf den Kohlemarkt eingeht.)
Und wie sieht's beim Öl aus?
Nun, die Ölpreise stemmen sich aktuell, dank der erfrischenden Neuigkeiten bezüglich Chinas Energieverbrauch, erfolgreich gegen die schwächere Stimmung von Seiten der Aktienmärkte.
WTI zur Lieferung im September notiert schon wieder fröhlich über der 77 USD-Marke:
Quelle: CFX-Trader
Aber, hat das eigentlich auch Hand und Fuß? Nun ja, Tatsache ist, dass Chinas Ölverbrauch den USA nach wie vor deutlich hinterherhinkt. Tatsächlich verbrauchen die USA noch immer etwa doppelt so viel Rohöl wie China.
Sicher, China holt deutlich auf und fröhliche China-Energieverbrauchs-Nachrichten sind schon dazu angetan, den Ölpreis zu stützen. Realistisch betrachtet bleibt allerdings, zumindest vorerst, die Nachfrageentwicklung in den USA wichtigster Indikator für die Ölpreisentwicklung. Und hier sieht es ja nach wie vor nicht so überragend aus. Zwar wird wieder ein Rückgang der US-Rohölbestände erwartet, allerdings sollen dafür auch wieder die Benzinvorräte steigen. Die breite Range zwischen 70 und 80 US-Dollar dürfte uns daher erstmal weiter erhalten bleiben.
So long liebe Leser...morgen geht es dann wieder weiter mit unserer wirtschaftstheoretischen Reihe und zwar mit dem Monetarismus in der Praxis bzw. den Fehlern der Politik, bei der - wohl nie - ganz korrekten Umsetzung einer Wirtschaftstheorie....ich verabschiede mich damit für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen, erholsamen Sommerabend...im 2.Teil finden Sie - wie angekündigt - einen interessanten Gastbeitrag meines Kollegen Andreas Lambrou zum Thema Kohle...Viel Spaß beim Lesen!....bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Friedrich (26.07. 2010 12:42 Uhr):
Liebe Frau Kraus, mit den Milliarden und Billionen kommt man seit der Finanzkrise leicht durcheinander. China muss in den nächsten 20 Jahren 4 Billionen US-Dollar in den Ausbau der Energiewirtschaft investieren. Das entspricht 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr (entspricht ca. 50 Atomkraftwerke). Mit energetischen Grüßen
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