China, der einzige Emerging Market, der einen Blick wert ist
Von Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen zum Thema Global Anlegen
vom 20. Juni 2006 16:00 Uhr
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Heute lesen Sie den zweiten Teil meines Interviews mit dem Rohstoffexperten Jim Rogers.
Mark Skousen (MS): Was ist zur Zeit besser: Internationale Aktien, Emerging Markets oder Rohstoffe?
Jim Rogers (JM): Also, ich bin inzwischen so gut wie nicht mehr in Emerging Markets investiert. Einzige Ausnahme ist China. Da habe ich in den letzten Monten Positionen aufgebaut.
MS: Wenn Sie die drei großen Märkte Russland, Indien und China ansehen, welches Land ist für Sie das attraktivste?
JR: China ist der einzige Markt, den ich mir ansehe. Bei Indien sagen viele, dass sich dort riesige Chancen bieten würden. Ich bin skeptisch. Russland ist für mich sogar ein regelrechtes Desaster.
Die Russen schlachten ihr Land aus
Das Land schlachtet seine ganzen Vermögenswerte aus. Das ist ein Grund, warum ich bullish für Rohstoffe bin. Die Russen investieren dabei ihre Erlöse nicht in Russland selbst. Stattdessen versilbern sie alles was geht und legen das Geld wo anders an. Gehen Sie nach Liechtenstein, nach Südfrankreich, Panama, England oder in die Schweiz. Überall dort finden Sie Russen.
Deshalb würde ich keinen Cent auf Russland setzen. Auch nicht auf Indien. Meine kleine Tochter lernt Chinesisch, nicht Hindu.
MS: Es gibt aber kritische Stimmen zu China. Das Land ist kommunistisch.
JR: Sie nennen sich selber zwar Kommunisten. Aber tatsächlich zählen sie zu den besten Kapitalisten, die es gibt. Ihr Land öffnet sich. Es gibt immer mehr Rechte. Die Kirchen, Moscheen und Tempel sind gerammelt voll mit Menschen. Für ein kommunistisches bzw. atheistisches Land gibt es in China schon reichlich Religion. Inzwischen gibt es in China auch jede Menge Demonstrationen über alle möglichen Themen.
MS: Im vergangenen Jahr waren es 75.000...
JR: Vor 40 oder 30 Jahren wäre so etwas unmöglich gewesen.
Vor 125 Jahren gab es beispielsweise in den USA keine Menschenrechte und nur wenige Leute hatten das Wahlrecht. Asiaten durften kein Land besitzen. Man konnte Kongressabgeordnete einfach so kaufen. Und damals waren sie obendrein noch ziemlich billig. Es gab nicht allzu viele Gesetze. Es gab einen schrecklichen Bürgerkrieg. In Europa machten sich damals viele Menschen Sorgen um die Entwicklung in den Staaten.
All das hat sich aber geändert. Und genau so gibt es zur Zeit einen Wandel in China.
Bernanke und die Politik der Notenbank
MS: Wie wir wissen, erhöht die Notenbank die Zinsen. Welche Rolle spielt die Fed?
JR: Die Fed wird meiner Meinung nach überbewertet. Es gab in den USA zwei Notenbanken, die scheiterten. Bei dieser wird es genau so kommen. Und Bernanke läutet möglicherweise schon die Totenglocke dafür.
MS: Starker Tobak, den Sie da vorhersagen.
JR: Ich bin bullish für Rohstoffe wegen der Angebots- und Nachfragestruktur. Krieg setzt dem ganzen die Krone auf. Ebenso die Gelddruckmaschine. Und wenn Sie mich fragen, dann wird die Fed Geld drucken. Zur Zeit verlangsamen sie zwar den Prozess etwas. Aber Bernanke hat gesagt, dass er nicht völlig damit aufhören wird. Wenn die Dinge schlecht laufen, dann will er mit dem Hubschrauber umherfliegen und Geld abwerfen. Das hat er auf jeden Fall einmal gesagt.
Bernanke übersieht dabei ein paar Dinge. Zum Beispiel, dass die USA zu den größten Schuldenmachern der Welt zählt. Wenn die Notenbank anfängt Geld zu drucken, dann wird der Dollar zusammenbrechen.
Wir werden wahrscheinlich im nächsten Jahr eine Rezession in den USA bekommen. Auf jeden Fall ist eine überfällig. Aber auch das wird die Hausse bei Rohstoffen nicht beenden. In den 70er Jahren gab es riesige wirtschaftliche Probleme auf der ganzen Welt. Trotzdem gab es damals einen der größten Bullenmärkten für Rohstoffe.
Eine der fünf größten Volkswirtschaften ging in den 70er Jahren pleite. Nämlich Großbritannien. Trotzdem ging der Bullenmarkt weiter. Auch wenn schon bald wieder eine der großen Volkswirtschaften pleite gehen sollte: Der Boom bei Rohstoffen wird auch diesmal nicht zu Ende sein. Es wird eine Konsolidierung geben. Ich habe vorhin gesagt, dass Gold beispielsweise in den 70er Jahren zwischenzeitlich um 50 Prozent fiel. So funktioniert der Markt eben.
Damals hatten wir aber keine drei Milliarden Menschen in Asien, die sich der globalen Wirtschaft öffneten.
MS: Wie hoch soll der Anteil von Rohstoffen am Portfolio sein?
JR: Also zuerst einmal sollten die Leute nur in solche Sachen investieren, von denen sie viel wissen. Viele Leute können das Wort „Rohstoffe“ nicht einmal richtig buchstabieren. Sie sollten deshalb auch nicht in Rohstoffe investieren. Allerdings konnten die Leute 1980 auch „Dachfonds“ nicht buchstabieren. Die meisten Leute in Europa wussten nicht einmal, dass es dort Aktienmärkte gab. Sie lernten aber...
1982 hätte ich Ihnen geraten alles Geld in den S&P 500 zu stecken. Sie hätten mir nicht geglaubt.
Wenn Sie 1989 gekommen wären, hätte ich gesagt: „Stecken Sie alles Geld in den S&P 500.“ Sie hätten gesagt: „Jim, der Index hat sich in den letzten sieben Jahren verdreifacht!“ Sie wissen, was passiert ist: Der S&P stieg danach noch einmal um 700 Prozent.
Ich werde jetzt nicht sagen, dass Sie Ihr ganzes Geld in Rohstoffe stecken sollen. Sie würden eh nicht zuhören. Genau so wenig, wie 1998 oder 1999. Ich würde aber sagen, den einzige Bullenmarkt, den ich kenne, haben wir bei physischen Gütern, bei Rohstoffen und Bodenschätzen.
Das Leben ist die beste Lehre
MS: Im Vergleich zu anderen Menschen haben Sie ein sehr ungewöhnliches Leben geführt. Was ist für Sie die wichtigste Lektion, die Sie dabei gelernt haben?
JR: Ich habe mein Buch „Hot Commodities“ meiner Tochter gewidmet. Ich sagte: „Ich hoffe, dass Du immer alles hinterfragen wirst und skeptisch bist.“ Nur so erkennt man, was wirklich läuft. Nur so kann man wirklich erfolgreich sein. Mit Allgemeinwissen schafft man es nie ganz nach oben.