China: Auch für Bier ein Mega-Wachstumsmarkt!

in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
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von Michael Vaupel

Heute mal wieder zu einem Lieblingsthema von mir: Den chinesischen Brauereiaktien. Sie erinnern sich sicher daran, dass ich Ihnen Ende März eine der größten chinesischen Brauereien vorgestellt habe: Die Tsingtao Brewery, die eine ihrer Biersorten nach dem ehemaligen Waldhof Mannheim-Trainer Klaus Schlappner benannt hat.


Der Aktienkurs dieses überzeugenden Unternehmens befand sich monatelang in einer ziemlich engen Trading-Range (0,90 Euro bis 1,00 Euro), die sich relativ leicht ausnutzen ließ: Am unteren Rand einsteigen, am oberen Rand verkaufen und rund 10 % Plus pro Trade einstecken.

Damit ist es jetzt vorbei: Der Kurs ist unter die untere Begrenzung der Trading-Range gefallen und steht derzeit bei 0,85 zu 0,87 Euro (Geld-/Briefkurs, d.h.: Zu erstem Kurs können Sie verkaufen, zu zweitem kaufen). Meine kurzfristige Einschätzung: Das Spiel "bei 0,90 kaufen und bei 1,00 verkaufen" lässt sich vorerst nicht mehr spielen – warten Sie jetzt ab, wo sich der Kurs nun einpendelt!

Warum der Titel jetzt zurückgekommen ist? Nun, zunächst einmal aus einem guten Grund: Tsingtao Brewery hat Anfang des Monats eine Dividende ausgeschüttet, die bei immerhin knapp 3 % lag. Wie üblich wird eine Aktie am Tag der Dividendenausschüttung "ex Dividende" gehandelt, d.h. die Bardividende wird vom Kurs abgezogen (sonst wäre es ein leichtes, einen Tag vor der Ausschüttung einzusteigen und sichere Gewinne einzufahren). Das erklärt einen Teil des Kursverlustes.

Dann kamen einige Meldungen zur Tsingtao Brewery über den Ticker, die von den Anlegern negativ aufgefasst wurden: In China explodieren die Preise für Gerste (einem der wichtigsten Rohstoffe für die Tsingtao Brewery)! In China explodieren eigentlich die Preise für alle Rohstoffe und landwirtschaftlichen Produkte. Aber beim Gerstepreis war es besonders drastisch: Der Preis hat sich in den letzten 12 Monaten glatt verdoppelt.

Natürlich drückt das auf die Gewinnmarge – und das war der Grund, warum einige Investoren erst einmal ausgestiegen sind. Ich habe die Auswirkungen dieser Preissteigerungen auf die chinesischen Brauereien genau angesehen, mit diesem Ergebnis:

Bei der Tsingtao Brewery machen die Gerste-Einkäufe deutlich weniger als 5 % der Gesamtkosten aus. Da relativiert sich der 100 %ige Preisanstieg schon ein wenig. Außerdem haben die kleineren chinesischen Brauereien viel geringere Gewinnmargen. Die können einen solchen Preisanstieg viel schlechter verkraften und müssen deshalb sofort die Preise erhöhen. Die Tsingtao Brewery mit ihrem wachsenden Absatz kann die erhöhten Kosten mit dem zusätzlichen Wachstum auffangen und deshalb die Preise stabil halten – was Schlappner Beer & Co. gegenüber den kleineren lokalen Biersorten attraktiver macht. Das wird dadurch verstärkt, dass alle Tsingtao-Biersorten in China das Image eines "Premium-Biers" haben. Im Endeffekt kann Tsingtao deshalb sogar weitere Marktanteile (von den kleineren Brauereien) gewinnen.

Kein Wunder, dass da die Zeichen bei Tsingtao voll auf Wachstum stehen. Unternehmenschef Li Guirong hat betont, dass in diesem Jahr 300 Millionen Yuan (rund 30 Millionen Euro) in die Verbesserung der Produktion fließen sollen, er hält außerdem 500 Millionen Yuan für mögliche Übernahmen bereit. In diesem Jahr wird in der Provinz Hunan eine weitere Brauerei in Betrieb gehen.

Das in der Vergangenheit erzielte Gewinnwachstum von mindestens 15 % dürfte auf Jahre hinaus gesichert sein.

Ich weiß: Das ist keine exorbitante Wachstumsstory, mit jährlichen Umsatzverdopplungen. Dafür handelt es sich aber um ein grundsolides Unternehmen, das sich in einem riesigen Wachstumsmarkt (weit über 1 Milliarde (!) Chinesen trinken noch kaum Bier ...) befindet und dort sehr gut positioniert ist.

Das Unternehmen gefällt mir sehr gut – aber wie sieht es mit dem Aktienkurs aus? Denn bei der Fundamental-Analyse halte ich es mit Warren Buffett: Auch ein fundamental sehr gut dastehendes Unternehmen ist nur dann ein Kauf, wenn man günstig einsteigen kann.

Nun, "günstig" einsteigen kann man nicht mehr – das konnte man damals, als ich den Titel vor über einem Jahr auf meine Watchlist nahm. Seitdem hat die Aktie deutlich zugelegt. Nun, wenn der Titel jetzt nach dem Verlassen der Trading-Range noch einmal deutlicher zurückkommen sollte, dann würde mich das sehr freuen. Denn das wäre dann wieder eine gute Einstiegsmöglichkeit. Dazu möchte ich aber Kurse von maximal 0,80 Euro sehen!

Beste Grüße,

Michael Vaupel

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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.


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