Chile: Das sind die Folgen des Bebens
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. März 2010, 17:00 Uhr
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Mit einer Stärke von 8,8 war das Beben in Chile eines der schwersten der vergangenen Jahrzehnte. Obwohl es damit auch deutlich dasjenige auf Haiti übertraf, werden die Schäden jedoch wesentlich geringer ausfallen. Denn Chile ist gut auf besonders schwere Beben vorbereitet. Hier schiebt sich die pazifische Platte unter die südamerikanische und faltet dabei die Anden auf. Ähnlich wie in Asien vor einigen Jahren entstehen dabei gewaltige Erdbeben mit Tsunamis, wenn eine der Platten abrutscht bzw. empor gehoben wird. So gab es fast an derselben Stelle bereits 1960 mit einer Stärke von 9,5 eines der schwersten Erdbeben, die je registriert wurden.
Doch gerade die Lage auf dem so genannten Ring of Fire", wo die Erde besonders aktiv ist, macht Chile auch zu einem der rohstoffreichsten Länder von Südamerika. Hier finden Sie die wichtigsten und größten Vorkommen von Industriemetallen weltweit. Natürlich wissen die großen Minenunternehmen von den Gefahren, die ihren Bergwerken (und damit den Arbeitern) drohen.
Entsprechend hoch sind auch die entsprechenden Sicherungsvorkehrungen. So hat es erfreulicher Weise nach bisher bekannten Berichten auch keine menschlichen Opfer und schweren Schäden in den wichtigen Minenanlagen gegeben. Diese liegen zudem wesentlich nördlicher als das Zentrum des Bebens. Nach Angaben von Reuters wurde jedoch die Bergbaukapazität Chiles vorübergehend um ein Fünftel verringert. Inzwischen melden bereits die ersten Minen, dass sie wieder in Produktion gehen können, weil die Stromversorgung durch Notanlagen wieder in Betrieb genommen werden konnte.
Die Logistik ist das Problem
Doch ein anderes Problem trieb zusätzlich die Kupfer-Preise kurzfristig nach oben: Bei Erdbeben bricht nicht nur die Stromversorgung zusammen, sondern Straßen werden zerstört, Brücken brechen zusammen, Hafenanlagen werden vom Tsunami schwer beschädigt. Und das ist eine Schwierigkeit, welche noch über Wochen und Monate die Lieferungen von Kupfer aus Chile beeinträchtigen könnte, selbst wenn die Bergwerke bereits wieder produzieren. Denn Infrastruktur ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine reibungslose Versorgung. Gerade in einem Land mit so riesigen Entfernungen wie in Chile kann die Produktion nicht einfach über andere Wege umgeleitet werden. Lieferungen erreichen daher ihr Ziel möglicherweise längere Zeit nicht mehr.
Werden auch andere Rohstoffe betroffen sein?
So sieht Bart Melek, Rohstoffstratege von BMO Capital Markets, Probleme auf dem Kupfermarkt, sollte es noch zu weiteren Problemen kommen. Zwar werden nur etwa 50.000 t der jährlichen Kupferproduktion ausfallen. Angesichts von 15,7 Mio. t weltweiter Jahresproduktion ist das nur ein verschwindend geringer Anteil. Doch bei einem von BMO prognostizierten Überschuss des Angebots über die Nachfrage von lediglich 110.000 t für 2010 kann es schnell eng werden. Für 2011 sieht das Prognose-Unternehmen sogar ein Defizit von 200.000 t Kupfer auf den Markt zukommen.
Aktuell sind zwar die Lagerbestände weltweit so hoch, dass dies in jüngster Zeit den Kupferpreis sogar etwas unter Druck gebracht hatte. Doch wenn sich abzeichnet, dass es zu dem prognostizierten Defizit kommen könnte, steigen die Preise bereits, bevor die Lager leer sind. Dann ist es eine gute Entscheidung, wenn Sie die eine oder andere Kupfermine in Ihrem Portfolio haben, die von den Lieferproblemen in Chile nicht betroffen ist. Ebenso sieht es mit weiteren, heute hier nicht erwähnten Rohstoffen aus, z.B. dem in Chile produzierten Lithium, für das es noch weniger Ersatz geben würde.
Damit muss ich schließen, denn mir läuft mal wieder die Zeit davon. Bis Freitag.
Herzliche Grüße,
Ihre Daniela Knauer
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