Charts, nein danke?
Axel Retz in DAX Daily
vom 06. November 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Teilnehmer eines Experiments. Mit einigen anderen Versuchspersonen befinden Sie sich, völlig abgeschottet von allen Aktienkursen, Charts und Börsenkommentaren, seit drei Jahren innerhalb einer Versuchsanordnung.
Zu Fernsehen, Radio und Zeitungen haben Sie ansonsten freien Zugang, auch zu allen Informationen zu Wirtschaftsdaten und zu allen Kursen (eben mit Ausnahme von Aktienkursen und -indizes).
Ihre Aufgabe besteht nun darin, anhand der Ihnen zur Verfügung stehenden Informationen den Chartverlauf des Dow Jones weiterzuzeichnen und dementsprechend in Calls oder Puts zu investieren.
Einmal abends setzen Sie sich bei einigen Fläschchen Rotwein für eine Stunde zusammen, diskutieren die Ihnen verfügbaren Informationen und schließen daraus, was der Wall-Street Leitindex daraus gemacht hat.
Was Sie mitbekommen haben, sind 17 Zinserhöhungen der US-Notenbank, eine Verdreifachung der Ölpreise und eine Explosion der Rohstoffkosten insgesamt, ferner die Inflationsentwicklung, sämtliche US-Konjunkturdaten, Gewinnausweise der Unternehmen etc. etc.
Heute endet das dreijährige Experiment. Und Sie können Ihre Einschätzung des Dow Jones mit seinem tatsächlichen Stand vergleichen. Was glauben Sie, wie dicht Sie an der Realität wären?
Das Einzige, was Ihnen während des Experiments fehlte, waren die Kursinformationen, also die Charts. Die allermeisten Anleger lächeln auch heute noch über diese Analysemethode. Hätten sie sie gehabt (und vielleicht sogar ausschließlich sie!), sähe die Bilanz Ihrer Anlagen vermutlich ganz anders aus als das von Ihnen erzielte Ergebnis Ihrer Call- und Putkäufe…