Chartanalyse: Entscheidungen durch das langfristige Bild
Tom Firley in Investors Daily
vom 12. September 2008, 18:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
Wenn Sie sich mit Hilfe der Chartanalyse ein Bild von einem Index, einer Aktie - oder egal welchem Anlage-Gegenstand auch immer - machen wollen, dann gehen Sie in der Regel vom großen zum kleinen Bild.
Sie betrachten also zunächst einen längerfristigen Chart (10 Jahre oder länger, je nach Verfügbarkeit) und erkennen so in der Regel, wo markante Hoch- und Tiefstände des Wertes in der Vergangenheit lagen. Auf diese Weise erkennen Sie, wo ihr Wert gerade liegt, welches Potenzial er zum Perioden-Hoch hat und welche Risiken bis zum Perioden-Tief bestehen. Ein Beispiel:
Im 15-Jahres-Chart von intel sehen Sie oben grün markiert das 10-Jahres-Hoch und links unten rot entsprechenden das Perioden-Tief. In diesem Chartbild macht es dann auch schon durchaus Sinn, den 256-Tage-GD (orange Kurve) zu betrachten, um mögliche Trendphasen in der Vergangenheit bzw. die aktuelle Phase zu beurteilen.
Auch die Einzeichnung der offensichtlichen Trendlinien (schwarz) ist für die Gewinnung eines ersten Eindrucks sinnvoll.
Was halten Sie nun also von intel aus dieser Sichtweise?
Falls Sie mich fragen: Aus dem großen Chartbild erkenne ich im Wesentlichen folgendes:
Charttechnik: Auf den ersten Blick
Intel bewegte sich Mitte der 90er bis 2000 in einem massiven Aufwärtstrend, danach in einem starken Abwärtstrend (na ja, das sieht ja auch wohl jedes Kind). Auf was es ankommt:
Seit Mitte 2003 bewegt sich die intel-Aktie recht trendlos. Sie erkennen dies am immer „flacher" werdenden 256-Tage-GD (der aktuell fast waagerecht erscheint) oder - ganz simpel - am Auf und Ab der Kurse. Daneben zeigen Ihnen die beiden schwarzen Linien klare Begrenzungen.
Was nicht funktioniert
Was könnte mir dieses Wissen bringen? Ganz einfach: Ich weiß jetzt, dass eine Buy-and-Hold-Strategie für intel in den letzten Jahren nicht funktioniert hätte. Egal zu welchem Zeitpunkt ich in den letzten Jahren gekauft hätte, die durchschnittliche Jahresrendite wäre per heute nicht gerade prickelnd gewesen. Selbst ein Einstieg beim Tiefpunkt im Oktober 2002 hätte nur eine durchschnittliche Jahresrendite von etwa 7% gebracht.
Und nu? Ebenso einfach: Da ich weiß, dass sich die intel-Aktie nicht gerade wie ein Trendfolger verhält, kann ich ein Langfrist-Investment vorerst ausschließen. Wohlgemerkt: Vorerst. Falls ich mich in Zukunft allerdings für intel interessieren sollte, wüsste ich schon jetzt, wie ich vorgehen würde - sogar ohne den kurzfristigen Chart zu betrachten...
Was funktionieren könnte
Falls der intel-Kurs zum Beispiel die untere Markierung durchbricht, könnte ich bei einem möglichen Rückgewinn dieser Marke mit einem engen Stopp long gehen bzw. Aktien kaufen und / oder mir im Vorfeld eine Teil-Gewinnmitnahme überlegen - eben weil dieser Wert so volatil ist. Genauso könnte ich bei einem Bruch über die 256-Tage-Linie verfahren.
Klare Chartanalyse - keine Enttäuschung
Sie sehen: Manchmal ist es gut zu wissen, was eine Aktie nicht ist. Im intel-Fall ist die Aktie wie gesagt aktuell kein Trendfolger. Daher könnte ich bei einem möglichen Engagement auch nicht enttäuscht sein, wenn Sie mir langfristig keine herausragende Performance bringt.
Und so können Sie ganz einfach beurteilen, für was Sie diese Art Aktie nutzen können: Für eher kurze Trades.
„Vorteil" der Abgeltungssteuer
Gerade im Hinblick auf das nächste Jahr sollten Sie sich mit dem Gedanken anfreunden auch einmal ein paar kurze Trades mit schnellen Gewinn-Mitnahmen durchzuführen. Dank Abgeltungsteuer ist es ja ab dem 1.1.2009 egal, ob Sie die Aktie 2 Tage, 2 Monate oder ein Jahr halten werden...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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