CESIG: Der Markt wird anfälliger für negative Überraschungen
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily
vom 31. Januar 2012, 17:00 Uhr
ENL5454
heute muss ich mich recht kurz fassen, da mich sowohl ein Computerschaden als auch ein Zahnarzttermin ziemlich in Atem halten. Ich will Ihnen zwei Charts zeigen: Der Erste ist nicht so wirklich erfreulich, während der Zweite ein sehr positives Bild zeichnet.
Fangen wir mit dem Chart an, der mich zumindest kurzfristig bezüglich der breiten Märkte etwas vorsichtig werden lässt:
Citigroup Economic Surprise Index über fünf Jahre, Quelle: Bloomberg
Der Citigroup Economic Surprise Index (CESIG) zeigt die Abweichungen zwischen wirtschaftlichen Datenveröffentlichungen der G-10-Staaten und dem Median der Bloomberg-Schätzungen. Sie können darin erkennen, wie die Stimmung am Markt ist: Relativ hohe Indexstände korrespondieren mit einer (zu) positiven Einschätzung der Analysten, sehr tiefe Stände zeigen eine (zu) negative Sicht des Marktes.
Während zu Zeiten der ersten Finanzkrise wirklich alles nur noch schwarz gesehen wurde, wies der Index bereits relativ früh darauf hin, dass sich die Stimmung wieder verbesserte, also der Boden für eine positivere Sicht gelegt wurde, die sich dann in der enormen Erholung der Märkte im Jahr 2009 widerspiegelte. Auch der Augustcrash des Jahres 2011 wurde bereits durch immer negativere Überraschungen der Konjunkturdaten (bzw. zu hohe Vorabschätzungen) im Vorfeld angekündigt. Seit September 2011 drehte jedoch die Stimmung und hat inzwischen ein Niveau erreicht, auf dem es in der Vergangenheit schwierig wurde, die Erwartungen der Marktteilnehmer noch zu übertreffen.
Negative Überraschungen sorgen schneller für Rücksetzer
Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass die Akteure nun anfälliger werden für negative Überraschungen. Deutlich zeigte sich das gestern, als die durch Fitch vorgenommenen Ratingabstufungen des Wochenendes eingepreist werden mussten. Das erwischte die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß ebenso wie der neue Geldbedarf der Banken und die sich weiter zuspitzenden Probleme Portugals als nächstem Pleitekandidaten. Positiv sehe ich allerdings die Wende des gestrigen Abends, als der Rücksetzer vor allem in den USA gekauft wurde.
Der CESIG zeigt uns also ein weiteres Puzzleteil für einen relativ überkauften Markt, wie es Ihnen Herr Buhl gestern bereits mit seinen Charts des Inneren Marktes dargestellt hatte. Es handelt sich wie dort nicht um ein Trendwendesignal, sondern mehr um ein Ausrufezeichen am Horizont, dass der weitere Ritt der Märkte nun etwas holpriger werden könnte.