Cash Flow: Einer der beste Wege um den Wert einer Aktie zu analysieren
Marc Lichtenfeld (US-Korrespondent) in Investoren Wissen zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 13. Juli 2010, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
wie analysiert man am besten die Aktie eines Unternehmens?
Am einfachsten ist es, auf die Gewinne eines Unternehmens zu schauen. Wenn nämlich die Gewinne beständig wachsen, steigt auch der Aktienkurs.
Aber ich bevorzuge eine andere, genauere Messung, um ein Unternehmen zu bewerten: Den Cash Flow.
Der Cash Flow misst die Menge an liquiden Mitteln, welche ein Unternehmen nach Beendigung aller Geschäftsvorfälle erwirtschaftet hat.
Der Unterschied zwischen Gewinn und Cash Flow lässt sich vergleichen mit den Einkünften, welche Sie dem Finanzamt melden und dem tatsächlichen Betrag, den Sie während des Jahres verdienen.
Sie müssen nur auf die Unternehmenspleite von Enron schauen, um zu verstehen, warum es wichtig ist, auf den Cash Flow zu achten.
Warum der Cash Flow äußerst wichtig ist
Der frühere Enron CEO Jeffrey Skilling hat Berichten zufolge angeblich gefragt: „Wie hoch müssen unsere Gewinne ausfallen, damit die Aktien ihr Niveau halten?“ Er hat dann genau diese Zahlen für den Quartalsbericht "generiert" oder sie sogar noch geschlagen.
Wie Sie wissen, hat Enron seine Gewinne manipuliert, damit der Aktienkurs nicht fiel. Das kam dadurch zu Stande, da man die Quartalsberichte manipulieren kann. Aber am Cash Flow herumzubasteln ist viel schwieriger,
In einem im Jahr 2001 erschienenem Fortune Magazine Artikel hat Bethany McLean den Enron Skandal entblößt, indem sie einen „unregelmäßigen Cash Flow“ entdeckte, obwohl das Unternehmen angeblich hervorragende Gewinne auswies.
Tatsächlich hatte Enron ab Juni 1997 positive Ergebnisse in 15 von 16 Quartalen vermeldet, obwohl der Cash Flow nur in 3 Quartalen positiv war.
Wenn der Gewinn hoch und der Cash Flow niedrig ist, dann ist das oftmals ein Warnzeichen dafür, dass es Probleme gibt.
Es gibt einige verschiedene Arten von Cash Flow, welche Sie kennen sollten...
Operativer Cash Flow:
Dies entspricht dem Nettoeinkommen plus Wertverzehr und Abschreibungen minus den Kapitalaufwendungen und Dividenden. Wertverzehr und Abschreibungen werden zu den Gewinnen gesteckt, da sie nicht zur Liquidität gehören. Um die genaue Menge an Cash, welches ein Unternehmen generiert zu ermitteln, müssen der Wertverzehr und die Abschreibungen mit dem Nettoeinkommen verrechnet werden.
Auch der Unterschied in den noch ausstehenden Forderungen in zwei aufeinanderfolgenden Perioden wird beachtet. Wenn sich der Forderungsbestand verkleinert hat, bedeutet dies, das Cash in das Unternehmen fließt (wahrscheinlich von Verkäufen, welche in einer früheren Periode verbucht wurden). Dagegen bedeutet ein Ansteigen des Forderungsbestandes, dass, obwohl das Unternehmen in der Berichtsperiode Verkäufe als Umsatz gebucht hat, noch kein Geld dafür empfangen wurde.
Frei verfügbarer Cash Flow:
Operativer Cash Flow minus Kapitalaufwendungen.
Falls Sie auf ein Unternehmen mit positiven Gewinnen und einen negativen Cash Flow stoßen, bedeutet das nicht immer, dass etwas faul ist. Aber Sie sollten einen genauen Blick darauf werfen und schauen, warum der Cash Flow negativ ist.
Wenn es sich beispielsweise um einen einmaligen großen Verkauf handelt, welcher in den Büchern des Unternehmens vermerkt ist, aber für welchen das Unternehmen bisher noch kein Geld gesehen hat (also eine ausstehende Forderung), dann ist das wahrscheinlich nicht bedenkenswert. Aber wenn Sie auf regelmäßige Unterschiede in der Entwicklung von Gewinnen und dem Cash Flow von Unternehmen stoßen, dann sollten Sie noch einmal darüber nachdenken, ob Sie die Aktie wirklich halten wollen.
(Teil 2 folgt morgen an dieser Stelle hier bei Investoren Wissen)