Carry-Trades: Die Fieberkurve der Märkte

in zum Thema Aktien
vom


kaum hatte Kollege Klaus Buhl gestern über die hundertste Bankenpleite des Jahres in den USA geschrieben, zollten die Märkte ihm auch schon Aufmerksamkeit und fanden den Weg in die Tiefe. Wir konnten es wieder einmal verfolgen, dass der US-Dollar derzeit so ziemlich die wichtigste Triebfeder für Bewegungen an den Märkten ist. Kaum dreht er die Richtung, folgen ihm Aktien und Rohstoffe ziemlich einträchtig. Das liegt daran, dass erneut größere Summen spekulativen Geldes unterwegs sind, die ihre Liquidität aus Carry-Trades speisen. Während dazu in den vergangenen Jahren meist der japanische Yen genutzt wurde, ist es jetzt der US-Dollar, in dem Kredite aufgenommen werden. Diese Gelder werden dann in höher verzinslichen Währungen, Rohstoffen oder auch Aktien angelegt. Das funktioniert wunderbar und wirft eine prächtige Rendite ab, solange der US-Dollar brav weiter fällt bzw. die anderen Märkte steigen.


Mit Carry-Trades entlang der "Mauer der Angst"

Sobald es in diesem Gefüge aber Störungen gibt, stellen die Profis schlagartig erste Positionen glatt, wie wir es gestern beobachten konnten. Denn die mit den Carry-Trades erzielbaren hohen Gewinne schmelzen rapide in der Sonne, sobald sich die Verhältnisse umkehren. Dass diese Verkäufe so schnell und stark einsetzten, ist ein gutes Zeichen dafür, dass sich die Märkte immer noch an der "Mauer der Angst" entlang nach oben hangeln. So lange diese "wall of worry" die Anleger beherrscht, brauchen wir uns jedoch noch keine großen Sorgen zu machen, dass der Tanz auf dem Vulkan der Liquidität für längere Zeit vorüber ist. Denn wer so "ängstlich" (bzw. vorsichtig) ist, dass er immer wieder bei kleinen Störungen Positionen glattstellt oder gar Shortpositionen aufbaut, ist kaum wirklich irgendwann voll investiert. Er muss bei neuerlichen Anstiegen immer wieder den Kursen hinterher laufen und treibt somit die Rallye jedes Mal aufs Neue an, sobald der Markt gedreht hat.

von
Daniela Knauer
Daniela Knauer

Daniela Knauer, Jahrgang 1962 aus Stuttgart, studierte Medienberatung und Wissenschaftsjournalismus in Berlin. Ab Mitte der 1990er Jahre spezialisierte sie sich auf den Börsenhandel als freie Traderin.


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