Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate
vom
Hallo liebe Leser,
und wieder einmal freue ich mich, Sie recht herzlich zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns nach wie vor mit dem Short Calendar Spread. Genauer gesagt: nachdem wir uns in den letzten Ausgaben angesehen haben, wie sich die Veränderung einzelner Parameter auf die Gewinn/Verlust-Situation auswirkt, haben wir uns, anhand unserer Praxis-Beispiels, mit den Best - und hernach mit den Worst-Case-Szenarien beschäftigt.
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir uns die in der Praxis eher häufigeren Worst-Case-Szenarien angesehen. Denkbar sind allerdings noch weitere Szenarien, mit denen wir uns heute beschäftigen wollen.
Sehen wir uns zunächst, wie immer, noch einmal unsere Beispielposition an:
Kauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 20 Tagen (Oktober-Call; Long-Call)
(implizite Volatilität bei 35%) zu 2.180,98 Euro
Verkauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 80 Tagen (Dezember-Call; Short-Call)
(impliziter Volatilität bei 40%) zu 6.946,13 Euro
Aktie X notiert bei 58 Euro!
1 Option repräsentiert 100 Aktien
Wert der Gesamtposition: 4.765,15 Euro
| Delta | - 2,21 |
| Gamma | + 1,21 |
| Vega | - 1,15 |
| Theta | - 0,35 |
Nun gehen wir, wie in den letzten Ausgaben, davon aus, dass inzwischen 10 Tage vergangen sind. Die Restlaufzeit der beiden Optionen beträgt also nur noch 10 und 70 Tage.
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Szenario Nummer 1
Gehen wir nun von einem weiteren unschönen, aber dennoch möglichen Szenario aus: vom Anstieg beider impliziter Volatilitäten. Also: iV Short-Call 45% und iV Long-Call 40%
Nun sehen wir uns an, wie sich die Gesamtposition verändert, bei entsprechenden Aktienkursveränderungen:
| Wert des Short Call | Wert des Long Call | Gewinn/Verlust auf die Gesamtposition bei Verkauf | |
| Aktienkurs 54 Euro | 4.191,81 Euro | 178,70 Euro | 752,04 Euro |
| Aktienkurs 56 Euro | 5.655,32 Euro | 589,66 Euro | - 300,51Euro |
| Aktienkurs 58 Euro | 7.398,26 Euro | 1.515,74 Euro | - 1.117,37 Euro |
| Aktienkurs 60 Euro | 9.418,99 Euro | 3.168,82 Euro | - 1.485,02 Euro |
| Aktienkurs 62 Euro | 11.707,78 Euro | 5.608,54 Euro | - 1.334,09 Euro |
Wenn Sie diese Tabelle nun mit der Tabelle aus der letzten Ausgabe vergleichen, sehen Sie, dass unser Trader in diesem Szenario zwar etwas weniger verliert, als beim realistischen Worst Case Szenario aus der letzten Ausgabe. Dennoch: wenn der Aktienkurs nicht deutlich fällt, dann hat unser Trader auch im vorliegenden Fall deutlicher Verluste zu verbuchen. Ansonsten bleibt die Tendenz wie bei allen Szenarien die gleiche: ein deutlicher Aktienkursrückgang führt wenigstens in die Gewinnzone, ein unveränderter Aktienkurs oder nur leichte Aktienkursveränderungen belasten das Ergebnis für unseren Trader, ein deutlich steigender Aktienkurs mindert die Verluste wieder ein wenig.
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Szenario Nummer 2
In der Praxis zwar glücklicherweise eher selten, aber dennoch theoretisch denkbar ist auch folgendes Szenario: die impliziten Volatilitäten beider Optionen driften noch weiter auseinander. Also iV Long-Call 30% und iV Short-Call 45%
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| Wert des Short Call | Wert des Long Call | Gewinn/Verlust auf die Gesamtposition bei Verkauf |
| Aktienkurs 54 Euro | 4.191,81 Euro | 34,41 Euro | 607,75 Euro |
| Aktienkurs 56 Euro | 5.655,32 Euro | 216,01 Euro | - 674,16 Euro |
| Aktienkurs 58 Euro | 7.398,26 Euro | 861,69 Euro | - 1.771,42 Euro |
| Aktienkurs 60 Euro | 9.418,99 Euro | 2.376,96 Euro | - 2.276,88 Euro |
| Aktienkurs 62 Euro | 11.707,78 Euro | 4.924,94 Euro | - 2.017,69 Euro |
Wie Sie sehen können, wenn Sie mit den übrigen Tabellen aus der letzten Ausgabe vergleichen, haben wir hier tatsächlich das denkbar schlechteste Szenario für unseren Trader. Wie gesagt, dürfte dieses in der Praxis aber eher selten auftreten.
So viel für heute einmal, liebe Leser. In der kommenden Ausgabe am nächsten Mittwoch werden wir uns noch einmal zusammenfassend mit den wichtigsten Eckpunkten der einfachen Calendar Spread Strategien beschäftigen, bevor wir schließlich zu den Double Calendar Spreads übergehen.
Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch ein schönes (evtl. verlängertes [Feiertag: Allerheiligen am Montag]) Wochenende.
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus