Calendar Spreads verwalten: Short Calendar VIII
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 22. Oktober 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
und wieder einmal herzlich Willkommen zu den Optionsstrategien! Wir beschäftigen uns nach wie vor mit dem Short Calendar und haben uns in der letzten Ausgabe angesehen, wie sich die Veränderung der verschiedenen Parameter (Zeit, Aktienkurs, implizite Volatilität) auf die Gesamtposition oder besser das Ergebnis für unseren Trader auswirkt.
Genauer: in der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir uns die beiden Best Case Szenarien angesehen. Noch einmal zur Erinnerung: das beste realistische Ergebnis kann unser Trader dann erzielen, wenn die implizite Volatilität der Short-Option fällt, während die implizite Volatilität der Long-Option unverändert bleibt bzw. nicht fällt und der Aktienkurs fällt. Das zweitbeste realistische Ergebnis kann unser Trader dann erzielen, wenn die implizite Volatilität der Long-Option steigt, während die implizite Volatilität der Short-Option unverändert bleibt bzw. nicht steigt und der Aktienkurs fällt.
Natürlich wäre theoretisch auch ein Rückgang der impliziten Volatilität der Short-Option, bei gleichzeitigem Anstieg der impliziten Volatilität der Long-Option als Best Case Szenario denkbar. Dieses Szenario würde tatsächlich das denkbar positivste Ergebnis für unseren Trader bedeuten.
In der Praxis wäre dieses Szenario allerdings sehr ungewöhnlich und dürfte nur selten, wenn überhaupt, vorkommen - dennoch wollen wir uns heute noch kurz ergänzend mit diesem Szenario beschäftigen, bevor wir uns am nächsten Mittwoch noch, wie versprochen, die Worst Case Szenarien ansehen.
Sehen wir uns zunächst, wie immer, noch einmal unsere Beispielposition an:
Kauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 20 Tagen (Oktober-Call; Long-Call)
(implizite Volatilität bei 35%) zu 2.180,98 Euro
Verkauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 80 Tagen (Dezember-Call; Short-Call)
(impliziter Volatilität bei 40%) zu 6.946,13 Euro
Aktie X notiert bei 58 Euro!
1 Option repräsentiert 100 Aktien
Wert der Gesamtposition: 4.765,15 Euro
| Delta | - 2,21 |
| Gamma | + 1,21 |
| Vega | - 1,15 |
| Theta | - 0,35 |
Die Veränderungen
Nun gehen wir, wie in den letzten Ausgaben, davon aus, dass inzwischen 10 Tage vergangen sind. Die Restlaufzeit der beiden Optionen beträgt also nur noch 10 und 70 Tage.
-
Szenario
Nun gehen wir also davon aus, dass die implizite Volatilität der kurzen Long-Option auf 40% steigt, während gleichzeitig die implizite Volatilität der langen Short-Option auf 35% fällt.
Nun sehen wir uns an, wie sich die Gesamtposition verändert, bei entsprechenden Aktienkursveränderungen:
| Wert des Short Call | Wert des Long Call | Gewinn/Verlust auf die Gesamtposition bei Verkauf | |
| Aktienkurs 54 Euro | 2.542,57 Euro | 178,70 Euro | 2.401,28 Euro |
| Aktienkurs 56 Euro | 3.790, 47 Euro | 589,66 Euro | 1.564,34 Euro |
| Aktienkurs 58 Euro | 5.383,62 Euro | 1.515,74 Euro | 897,27 Euro |
| Aktienkurs 60 Euro | 7.330,56 Euro | 3.168,82 Euro | 603,41 Euro |
| Aktienkurs 62 Euro | 9.622,67 Euro | 5.608,54 Euro | 751,02 Euro |
Sie sehen, auch hier bleibt natürlich die generelle Tendenz erhalten: ein Aktienkursrückgang bewirkt steigende Gewinne für unseren Trader. Ein deutlicher Anstieg des Aktienkurses wirkt sich positiver auf das Ergebnis aus, als ein nur geringer Aktienkursanstieg.
Wenn Sie nun mit der 1.Tabelle aus der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch vergleichen, erkennen Sie, dass das heutige Szenario tatsächlich noch weitaus bessere Ergebnisse liefert, als das allerdings realistischere Best Case Szenario aus der letzten Ausgabe.
Dennoch (dies wird zwar auch schon anhand der 2.Tabelle in der letzten Ausgabe deutlich) birgt diese Position natürlich auch deutliche Risiken, welche zu Worst Case Szenarien führen. Mit diesen wollen wir uns dann, wie gesagt, am kommenden Mittwoch beschäftigen.
Damit verabschiede ich mich für heute, liebe Leser und wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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