Calendar Spreads verwalten: Rolling VII
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 4. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr, Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns nach wie vor mit dem Rolling eines Calendar Spreads.
In den letzten Ausgaben haben wir uns den Rollvorgang anhand eines Beispiels angesehen. Zur Vereinfachung bin ich bei diesem Beispiel von jeweils unveränderlichen Parametern ausgegangen. Das heißt, der Aktienkurs blieb unverändert bei 60 Euro und auch die implizite Volatilität blieb unverändert bei 19%.
Dies ist so natürlich nur in der Theorie möglich. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass eine Aktie sich über 5-6 Monate absolut nicht bewegt. Selbst wenn der Aktienkurs zum Zeitpunkt des Rollens immer bei 60 Euro notiert, so müsste es dennoch einige Schwankungen geben, die dann auch die Volatilitäts-Kennziffer beeinflussen.
Hedging
In der Realität ist dieses Vorgehen also eher eine wahre Zitterpartie, als ein gemütliches zurücklehnen und Tee trinken. Zumeist dürfte sich in der Realität das theoretische Best Case Szenario an irgendeinem Punkt verabschieden und der Trade Verluste einfahren. Ein Long Calendar ist ein typischer Gamma/Theta-Trade. Das positive Theta generiert Gewinne, das negative Gamma führt zu Verlusten. Wenn dies geschieht bleibt unserem Trader in diesem Fall auch nicht mehr viel anderes übrig, als schließlich doch noch zum Hedging zu greifen, in dem er Aktien verkauft oder kauft. So wie wir es während der ersten Management-Strategie für einen Calendar Spread besprochen haben, wird der Trader hier also mittels Scalping versuchen seine Verluste abzusichern. Wenn seine Optionsposition ein negatives Delta kreiert, dann kauft er dagegen das Underlying, um sich delta-neutral zu stellen. Wenn seine Optionsposition ein positives Delta kreiert, dann verkauft er das Underlying, um sich delta-neutral zu stellen.
Best Case
In der Realität dürfte das Best Case Szenario tatsächlich darin bestehen, dass der Trade solange funktioniert, bis der Trader zumindest mehr verdient hat, als er für die Prämie des Long-Calls eingesetzt hat. In unserem Beispiel geschah dies, nachdem der Oktober-Call verfallen war. Nehmen wir an, dies ist nun tatsächlich geschehen: unser Trader hat seine Short-Calls fleißig gerollt und nach Verfall des Oktober-Calls genug eingenommen um einen Gewinn aus der Gesamtposition zu ziehen.
Wie verfährt er nun weiter?
Hierfür gibt es 3 Möglichkeiten, die jeweils von der Erwartungshaltung abhängen:
-
Erwartungshaltung neutral
Dies wäre natürlich das Best Case Szenario! Geht der Trader davon aus, dass Aktie X weiter bei 60 Euro notiert, wird er seine Rollvorgänge einfach fortsetzen, so wie wir es uns im Beispiel angesehen haben.
-
Erwartungshaltung: Aktienkurs fällt
Dies wäre dann das schlechteste Szenario! In diesem Fall wäre es das beste, wenn unser Trader die Position nun auflöst und seinen Gewinn mit nach Hause nimmt. Denn wenn der Aktienkurs fällt, verliert der Long-Call schnell an Wert.
-
Erwartungshaltung: Aktienkurs steigt
Dies wäre das zweite Best Case Szenario! In diesem Fall hält der Trader einfach seine Long-Position weiter. (er verkauft also keine Calls mehr, sondern hält nur noch den Januar-Long-Call). Denn wenn der Aktienkurs steigt, dann gewinnt der Long-Call natürlich an Wert.
So viel einmal dazu! In der kommenden Ausgabe am nächsten Freitag wollen wir uns noch einmal anhand unseres Beispiels ansehen, wie sich die Gesamtposition verändert, wenn der Aktienkurs nicht so stetig bleibt, wie in unserem Beispiel.
Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen, sonnigen Tag!
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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