Calendar Spreads verwalten: Rolling VI
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 30. Juli 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
und wieder einmal freue ich mich sehr, Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns nach wie vor mit dem Rolling eines Calendar Spreads.
Sehen wir uns noch einmal unsere Ausgangsdaten an:
Verkauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X (August ~ Restlaufzeit 30 Tage)
Kauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X (Januar ~ Restlaufzeit 180 Tage)
Jede Option repräsentiert 100 Aktien; der Aktienkurs notiert atm bei 60 Euro; die implizite Volatilität liegt bei 19%;
Die Short-Call-Position bringt unter diesen Bedingungen 2.607,38 Euro!
Die Long-Call-Position kostet unter diesen Bedingungen 6.382,82 Euro!
Unser Trader setzt also 3.775,44 Euro ein für seine Gesamtposition.
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir uns anhand einer Tabelle angesehen, wie der Rollvorgang funktioniert. Unser Trader hat jeweils nach Verfall des Short-Calls, den nächsten Short-Call mit Restlaufzeit 30 Tagen verkauft und zugleich den Long-Call weiter gehalten. Dabei habe ich es unserem Trader allerdings recht einfach gemacht, denn ich bin zur Vereinfachung des Beispiels von unveränderten Parametern ausgegangen. D.h. Aktie X notiert die ganze Zeit über unverändert bei 60 Euro und auch die implizite Volatilität bleibt gleich. Wie sich die Position verändert, wenn sich die Parameter verändern werden wir uns im folgenden noch ansehen.
Heute wollen wir uns dagegen zunächst ansehen, wie sich das Gesamtbild bereits verändert, wenn unser Trader nicht bis zum Verfall des jeweiligen Short-Calls wartet, sondern diesen vor Verfall schließt, also vor dem Rolling zurückkauft.
Zu diesem Zweck habe ich noch eine weitere Tabelle erstellt (Aktie X unverändetr bei 60 Euro; iV unverändert bei 19%):
|
| Ursprüng-liche Position (August-Call wird verkauft) | Nach 29 Tagen (der August-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der September-Call [31 Tage Restlaufzeit]wird verkauft ) | Nach 59 Tagen (der September-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der Oktober-Call [31 Tage Restlaufzeit]wird verkauft) | Nach 89 Tagen (der Oktober-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der November-Call [31 Tage Restlaufzeit]wird verkauft) | Nach 119 Tagen (der November-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der Dezember-Call [31 Tage Laufzeit]wird verkauft) | Nach 149 Tagen (der Dezember-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der Januar-Call [31 Tage Restlaufzeit] würde verkauft) |
| Wert des jeweiligen Short Calls der neu verkauft wird (31 Tage Restlaufzeit) | 2.607,38 Euro | 2.650,48 Euro | 2.650,48 Euro | 2.650,48 Euro | 2.650,48 Euro | 2.650,48 Euro |
| Wert des jeweiligen Short-Calls der zurückgekauft werden muss (1 Tag Restlaufzeit) |
| 476,10 Euro | 476,10 Euro | 476,10 Euro | 476,10 Euro | 476,10 Euro |
| Wert des Long Calls (Januar) | 6.382,82 Euro (noch 180 Tage Restlaufzeit) | 5.846,78 Euro (noch 151 Tage Restlaufzeit) | 5.234,49 Euro (noch 121 Tage Restlaufzeit) | 4.540,01 Euro (noch 91 Tage Restlaufzeit) | 3.717,53 Euro (noch 61 Tage Restlaufzeit) | 2.650,48 Euro (noch 31 Tage Restlaufzeit) |
Wir sehen, hierbei schmälert sich der Gewinn unseres Traders schon deutlich. Nehmen wir an, unser Trader verfolgt diese Position bis er den Dezember-Call schließlich mit 1 Tag Restlaufzeit zurückkauft.
Unser Trader verdient 5 mal die Prämien aus dem Verkauf der Short-Calls (1 x 2.607,38 Euro + 4 x 2.650,48 Euro), zuzüglich 2.650,48 Euro (Wert des Long-Calls bei 31 Tagen Restlaufzeit). Abzuziehen sind dagegen 5 mal 476,10 Euro, die der Trader bezahlen muss um den jeweiligen Short-Call 1 Tag vor Laufzeitende wieder zurück zu kaufen, sowie die ursprünglich für den Long-Call eingesetzte Prämie in Höhe von 6.382,82 Euro. Das ergibt: +7.096,46 Euro!
Alles in allem immer noch eine stolze Summe, dank unserer unveränderlichen Phantasie-Parameter. Allerdings ist die Summe natürlich geringer als wenn unser Trader jeweils bis zum Verfall der Short-Calls gewartet hätte.
Trotzdem hätte unser Trader auch hier, nachdem der Oktober-Call zurückgekauft wurde, bereits mehr als die für den Long-Call eingesetzte Prämie verdient. Welche Möglichkeiten es überdies danach gäbe um weiter zu verfahren, sehen wir uns ebenso in den kommenden Ausgaben noch an.
Damit verabschiede ich mich für diese Woche und wünsche Ihnen (und uns allen) ein hoffentlich sommerliches Wochenende...
Liebe Grüße und bis nächsten Mittwoch
Ihre Miriam Kraus
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