Calendar Spreads verwalten: Rolling V
Miriam Kraus, Devisen-Monitor vom 28.07.2010 12:00
ENL5292
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit dem Rolling eines Calendar Spreads.
Sehen wir uns noch einmal unsere Ausgangsdaten an:
Verkauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X (August ~ Restlaufzeit 30 Tage)
Kauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X (Januar ~ Restlaufzeit 180 Tage)
Jede Option repräsentiert 100 Aktien; der Aktienkurs notiert atm bei 60 Euro; die implizite Volatilität liegt bei 19%;
Die Short-Call-Position bringt unter diesen Bedingungen 2.607,38 Euro!
Die Long-Call-Position kostet unter diesen Bedingungen 6.382,82 Euro!
Unser Trader setzt also 3.775,44 Euro ein für seine Gesamtposition.
Der Rollvorgang
Heute wollen wir uns nun ganz explizit mit dem Rollvorgang beschäftigen. Zu diesem Zweck habe ich zur Vereinfachung angenommen, dass sich während der gesamten Zeit unsere Beispielparameter nicht ändern. Also der Aktienkurs verharrt über 6 Monate bei 60 Euro. In der Realität wäre das natürlich eher außergewöhnlich. Zudem gehe ich von einer unveränderten impliziten Volatilität bei 19% aus. In der Realität wäre auch dies nicht der Fall, denn sollte Aktie X tatsächlich über 6 Monate hinweg eine solche Seitwärtsbewegung vollziehen, würde tatsächlich die Volatilität deutlich sinken. Dies nur zur Information!
Doch jetzt zum Rolling:
Im Grunde geht es hierbei schlichtweg darum, die nächste Option mit 30 Tagen Restlaufzeit zu verkaufen, sobald der Short-Call verfallen ist. Also, wenn nach 30 Tagen Aktie X nach wie vor bei 60 Euro (oder darunter) notiert, verfällt der verkaufte August-Call wertlos. Anstatt die Position nun aufzulösen, verkauft unser Trader nun einfach den nächsten, in dem Falle den September-Call (wieder 30 Tage Restlaufzeit). Nach weiteren 30 Tagen (Aktie X notiert noch immer bei 60 Euro) verfällt auch der September-Call wertlos. Nun verkauft unser Trader den nächsten, in dem Falle den Oktober-Call. Usw
Ziel ist es hierbei Monat für Monat, die Prämie aus dem Verkauf des Short-Calls zu verdienen.
Sehen wir uns das anhand einer Tabelle genauer an:
|
| Ursprüng-liche Position (August-Call wird verkauft) | Nach 30 Tagen (der August-Call ist verfallen; der September-Call wird verkauft) | Nach 60 Tagen (der September-Call ist verfallen; der Oktober-Call wird verkauft) | Nach 90 Tagen (der Oktober-Call ist verfallen; der November-Call wird verkauft) | Nach 120 Tagen (der November-Call ist verfallen; der Dezember-Call wird verkauft) | Nach 150 Tagen (der Dezember-Call ist verfallen; der Januar-Call würde verkauft) |
| Wert des jeweiligen Short Calls | 2.607,38 Euro | 2.607,38 Euro | 2.607,38 Euro | 2.607,38 Euro | 2.607,38 Euro | 2.607,38 Euro |
| Wert des Long Calls (Januar) | 6.382,82 Euro (noch 180 Tage Restlaufzeit) | 5.827,41 Euro (noch 150 Tage Restlaufzeit) | 5.212,84 Euro (noch 120 Tage Restlaufzeit) | 4.515,01 Euro (noch 90 Tage Restlaufzeit) | 3.686,95 Euro (noch 60 Tage Restlaufzeit) | 2.607,39 Euro (noch 30 Tage Restlaufzeit) |
Sie sehen, da die Restlaufzeit der jeweiligen Short-Calls (unter der Annahme unveränderlicher übriger Parameter) immer die gleiche ist, [30 Tage] ist die Prämie immer gleich hoch. Unser Trader könnte also in diesem Beispiel jeden Monat 2.607,38 Euro durch den Verkauf der jeweiligen Option mit 30 Tagen Restlaufzeit verdienen. In der Zwischenzeit sinkt natürlich der Wert des Long-Calls (Januar), bis er am Ende den gleichen Wert aufweist wie der Short-Call mit 30 Tagen Restlaufzeit.
Gehen wir einmal davon aus, unser Trader vollzieht dieses Rolling bis zum Verfall des Dezember-Short-Calls. In dem Fall, hätte unser Trader (5 x 2.607,38 Euro) 13.036,90 Euro verdient. Zudem ist der Long-Call noch 2.607,39 Euro wert. Davon abzuziehen sind allerdings noch die 6.382,82 Euro an eingesetzter Prämie für den Kauf des Long-Calls. Macht summa summarum: 9.261,46 Euro. Eine stolze Summe, allerdings ist das hier nur ein Beispiel unter angepassten und optimalsten Bedingungen.
Dennoch, in Monat 4, nachdem der Oktober-Call verfallen ist, hätte unser Trader schon mehr als die für den Long-Call eingesetzte Prämie verdient. Ab diesem Zeitpunkt kann unser Trader mit dieser Position nur noch gewinnen und nicht mehr verlieren.
Das klingt jetzt natürlich sehr einfach. In der Realität allerdings sind die Bedingungen natürlich erstens nicht so optimal und zweitens erfordert es eine ungeheure Risikofreude diese Position über so viele Monate hinweg aufrecht zu erhalten. Denn steigt Aktie X über 60 Euro, dann muss unser Trader den Short-Call bedienen, was natürlich zu einem Verlust führt.
Im Grunde ist dieser Trade eine Schlaflose-Nächte-Zitterpartie bis zu dem Tag, an dem die Gewinne aus dem Verkauf der Short-Calls, die für den Long-Call eingesetzte Prämie übersteigen. Danach gibt es mehrere Möglichkeiten weiter zu verfahren. Dies sehen wir uns in den kommenden Ausgaben noch an, ebenso wie es sich verhält, wenn die Short-Call Position jeweils vor dem Verfall aufgelöst wird.
Damit verabschiede ich mich für heute, wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und freue mich, wenn wir uns am kommenden Freitag wiederlesen...
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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