Calendar Spreads verwalten: Rolling IX
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 11. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich wirklich sehr, Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Bis anhin haben wir uns zuletzt mit dem Rollen eines Calendar Spreads beschäftigt, nachdem wir zunächst das Scalping als Verwaltungsmöglichkeit eines solchen Spreads behandelt hatten.
Ziel des Rollvorgangs ist es im Grunde, von Monat zu Monat am positiven Theta zu verdienen. Dies gelingt aber nur dann wirklich hervorragend, wenn der Aktienkurs sich über Monate hinweg relativ stabil hält. Denn der - ich nenne es einmal so - Gegenspieler in diesem Trade ist das Gamma. Wenn der Aktienkurs fällt, verlieren die Optionen deutlich an Wert. (Wenn der Aktienkurs steigt, ist es dagegen sinnvoll, den Long Call zu halten, denn dieser steigt im Wert. Die Short Call-Position sollte dagegen aufgelöst werden, denn diese steigt natürlich auch im Wert, was dann schnell ins Geld geht. In der Beispiel-Tabelle, welche ich Ihnen am letzten Freitag vorgestellt hatte kostete der Short Call mit 1 Tag Restlaufzeit [der zurück gekauft werden musste] bei einem Aktienkurs von 62 Euro bereits 4.000,16 Euro, also fast doppelt so viel, wie zu dem Preis zu dem er 30 Tage zuvor verkauft wurde.)
Ich stelle Ihnen die Beispiel-Tabelle noch einmal vor:
|
| Ursprüng-liche Position (August-Call wird verkauft) | Nach 29 Tagen (der August-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der September-Call [31 Tage Restlaufzeit]wird verkauft ) | Nach 59 Tagen (der September-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der Oktober-Call [31 Tage Restlaufzeit]wird verkauft) | Nach 89 Tagen (der Oktober-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der November-Call [31 Tage Restlaufzeit]wird verkauft) | Nach 119 Tagen (der November-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der Dezember-Call [31 Tage Laufzeit]wird verkauft) | Nach 149 Tagen (der Dezember-Call mit 1 Tag Restlaufzeit; der Januar-Call [31 Tage Restlaufzeit] würde verkauft) |
| Aktienkurs | 60 Euro | 60 Euro | 58 Euro | 60 Euro | 62 Euro | 60 Euro |
| Wert des jeweiligen Short Calls der neu verkauft wird (31 Tage Restlaufzeit) | 2.607,38 Euro | 2.650,48 Euro | 1.079,91 Euro | 2.650,48 Euro | 5.153,61 Euro | 2.650,48 Euro |
| Wert des jeweiligen Short-Calls der zurückgekauftwerden muss (1 Tag Restlaufzeit) | 476,10 Euro | 0,10 Euro | 476,10 Euro | 4.000,16 Euro | 476,10 Euro | |
| Wert des Long Calls (Januar) | 6.382,82 Euro (noch 180 Tage Restlaufzeit) | 5.846,78 Euro (noch 151 Tage Restlaufzeit) | 3.392 Euro (noch 121 Tage Restlaufzeit) | 4.540,01 Euro (noch 91 Tage Restlaufzeit) | 6.111,14 Euro (noch 61 Tage Restlaufzeit) | 2.650,48 Euro (noch 31 Tage Restlaufzeit) |
(1 Option repräsentiert 100 Aktien; es handelt sich um eine 20er Charge)
In diesem (allerdings stark optimierten) Beispiel ist am Ende, trotz der Aktienkurs-Schwankungen zwar noch einmal alles gut gegangen - unser Trader konnte noch einen Gewinn von 4.958,96 Euro verbuchen. Allerdings habe ich, wie gesagt, die übrigen Parameter unberücksichtigt gelassen, die aber in der Realität durchaus stärkere Auswirkungen auf die Optionspreise und das Gesamtergebnis gehabt hätten.
Und noch etwas:
In der Realität könnte unser Trader natürlich nicht in die Zukunft blicken. Wenn nach 2 Monaten der Aktienkurs auf 58 Euro fällt, kann unser Trader nicht wissen, ob der Aktienkurs wieder steigt. Viel eher würde unser Trader also an einen irgendeinem Punkt damit beginnen, seine Position abzusichern, sich also gegen einen weiteren Aktienkursrückgang abzusichern.
In der Regel greift unser Trader dann zum Scalping! Je nachdem, wie geschickt sich unser Trader anstellt und je nachdem, wie stark die Aktienkurs-Schwankungen während der gesamten Laufzeit ausfallen, kann unser Trader hier, wie wir wissen, entweder einige gute Gewinne machen, oder auch Verluste hinnehmen müssen.
Da ich hier ein vollständiges Scalping mit Tagesschwankungen im Aktienkurs nicht darstellen kann, da dies den Rahmen sprengen würde, begnügen wir uns zunächst einmal mit den Daten, welche wir hier vorliegen haben.
Aktienkurs 58 Euro
Nehmen wir also an, unser Trader will seine Position bei Aktienkurs 58 Euro absichern (gehen wir
mal davon aus, er hat den Short Call bereits verkauft [31 Tage Restlaufzeit] und hält den Long Call [121 Tage Restlaufzeit]).
Er wird die Gesamtposition nun Delta-neutral stellen wollen. Die Optionsposition weist unter diesen Bedingungen nun ein Delta von + 2,4 auf. Das bedeutet, dass unser Trader hier nun 240 Aktien zu 58 Euro verkauft, um seine Position Delta-neutral zu stellen. Wenn nun der Aktienkurs, wie in unserem Beispiel, aber wieder steigt, dann ergibt sich hieraus natürlich ein zusätzlicher Verlust.
Fazit
Sie sehen, so simpel und doch überaus interessant, diese Strategie doch ist, so risikoreich ist sie auch. Ziel ist es, mit dem Verkauf der Optionen mit kürzerer Restlaufzeit zumindest so viel zu verdienen, dass der Gewinn den Verlust aus der Wertminderung des Long Calls übersteigt. Doch dies will mit starken Nerven und natürlich einer gehörigen Portion Trader-Glück und natürlich auch -Können bezahlt sein.
Damit verabschiede ich mich für heute, liebe Leser. In der nächsten Ausgabe am kommenden Freitag wollen wir dann damit beginnen uns mit der dritten Möglichkeit zu beschäftigen, um einen Calendar Spread zu verwalten. Hierbei geht es dann um die Volatilität!
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen, sonnigen Tag, liebe Grüße und bis nächsten Freitag,
Ihre Miriam Kraus
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