Calendar Spreads verwalten: die Vola traden VI
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 1. September 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit der dritten Möglichkeit (nach Scalping und Rolling) einen Calendar Spread zu verwalten: wir traden die Vola.
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Freitag hatte ich Ihnen eines der Risiken solcher Trades aufgezeigt: das Gamma-Risiko. Doch das Gamma ist natürlich nicht der einzige Grieche der bedeutsamen Einfluss auf diese Position nimmt. Kommen wir heute also zu dem Griechen, um den der ganze Trade eigentlich aufgebaut ist: zum Vega!
Das Vega
Sehen wir uns zunächst noch einmal unsere Beispielposition an:
Verkauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 30 Tagen (September-Call)
(implizite Volatilität bei 40%) zu 5.077,91 Euro
Kauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 90 Tagen (November-Call)
(impliziter Volatilität bei 35%) zu 7.888,17 Euro
Aktie X notiert bei 59,60 Euro
1 Option repräsentiert 100 Aktien
| Delta | + 0,04 |
| Gamma | - 0, 595 |
| Theta | + 0,456 |
| Vega | + 0,996 |
| Rho | + 0,866 |
Wir sehen, das Vega der Gesamtposition ist positiv, in unserem Beispiel + 0,996.
Was bedeutet das nun eigentlich?
Nun, wenn die Volatilität beider Optionen gleichzeitig um einen Prozentpunkt steigt, dann gewinnt unsere Gesamtposition rund 99,60 Euro pro Prozentpunkt Anstieg der Volatilität.
Die Erwartungshaltung
Ist es also schon so einfach? Liegt darin die Erwartungshaltung unseres Traders begründet? Erwartet unser Trader für beide Optionen einen Anstieg der impliziten Volatilität. Nun, auch wenn dieses Szenario tatsächlich einen Gewinn für die Gesamtposition bedeutet, ist dies jedoch nicht genau das, was unser Trader erwartet.
Wenn ein Trader solch eine Position eingeht, dann hat er zuvor die Volatilitäten und die Wahrscheinlichkeit für deutliche Kursbewegungen untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass die höhere Volatilität der kurzen Option in etwa auf das tiefere Vola-Level der langen Option fallen sollte. Unser Trader geht also davon aus, dass keine starken Kursbewegungen bevor stehen und die höhere Vola der kurzen Option auf diesem Level nicht gerechtfertigt ist.
Mit anderen Worten: worauf unser Trader wirklich setzt, ist ein Rückgang der Volatilität der kurzen Option, bei gleichzeitig unveränderter Volatilität der langen Option. (auch ein Anstieg der Volatilität der langen Option wäre willkommen, allerdings ist dann davon auszugehen, dass möglicherweise auch die Volatilität der kurzen Option steigt). Unser Trader setzt also im Grunde auf eine ruhige Börsenphase, ohne bedeutsame News, die den Aktienkurs stark schwanken lassen könnten.
Von dieser Erwartungshaltung ausgehend, ist es also wesentlich bedeutsamer für diesen Trade, sich die einzelnen Vegas der beiden Optionen anzusehen, als lediglich einen Blick auf das Vega der Gesamtposition zu werfen. Dies werden wir in der kommenden Ausgabe am nächsten Freitag tun.
Damit verabschiede ich mich für heute liebe Leser und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße und bis Freitag
Ihre Miriam Kraus
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