Calendar Spreads verwalten: die Vola traden V
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 27. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien Willkommen heißen zu dürfen. Nach wie vor beschäftigen wir uns (nach dem Scalping und dem Rolling) mit der dritten Möglichkeit einen Calendar Spread richtig zu verwalten: mit dem Vola-Trading.
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir damit begonnen, uns mit den Risiken dieses Trades auseinander zu setzen. Das erste Risiko ist das Gamma-Risiko.
Sehen wir uns noch einmal unser Beispiel und die zugehörigen Griechen an:
Verkauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 30 Tagen (September-Call)
(implizite Volatilität bei 40%) zu 5.077,91 Euro
Kauf 20er Charge 60er Call auf Aktie X mit Restlaufzeit 90 Tagen (November-Call)
(impliziter Volatilität bei 35%) zu 7.888,17 Euro
Aktie X notiert bei 59,60 Euro
1 Option repräsentiert 100 Aktien
| Delta | + 0,04 |
| Gamma | - 0, 595 |
| Theta | + 0,456 |
| Vega | + 0,996 |
| Rho | + 0,866 |
Wie sich das Gamma-Risiko auswirkt!
In der letzten Ausgabe hatte ich Ihnen geschrieben, dass ein geringer Kursanstieg zunächst dem Wert der Gesamtposition zugute kommt, aufgrund des positiven Deltas. Steigt der Aktienkurs allerdings weiter, dann schlägt das negative Gamma zu und der Wert der Gesamtposition verringert sich.
Sehen wir uns dies anhand einiger Beispiele in Form einer Tabelle an:
(Zur Vereinfachung gehe ich im folgenden von unveränderter Volatilität und Restlaufzeit der Optionen aus)
| Aktienkurs | Wert des Short-Calls (30 Tage Restlaufzeit; iV 40%) | Wert des Long-Calls (90 Tage Restlaufzeit; iV 35%) | Wert der Gesamt- position | Delta der Gesamtposition |
| 59,60 Euro | 5.077,91 Euro | 7.888,17 Euro | 2.810,26 Euro | + 0,04 |
| 60 Euro | 5.486,91 Euro | 8.309,75 Euro | 2.822,84 Euro | + 0,0115 |
| 62 | 7.804,58 Euro | 10.597,76 Euro | 2.793,18 Euro | - 0,052 |
| 58 Euro | 3.629,24 Euro | 6.325,81 Euro | 2.696,57 Euro | + 0,102 |
Sie sehen, wenn Aktie X auf 60 Euro steigt, dann steigt zunächst der Wert der Gesamtposition ein wenig an. Steigt der Aktienkurs allerdings weiter, auf beispielsweise 62 Euro, dann sinkt der Wert der Gesamtposition wieder, obwohl der Wert beider Einzeloptionen gestiegen ist. Doch der Wert des Short-Calls ist schneller gestiegen, als der Wert des Long-Calls, somit können die Gewinne aus dem Long-Call, die Verluste aus dem Short-Call nicht gänzlich abdecken. Sie sehen auch, bei Aktienkurs 60 Euro ist das Delta zwar immer noch positiv, weist aber einen sehr geringen Wert auf. Bei Aktienkurs 62 Euro hat sich das Delta schließlich in ein negatives Vorzeichen gekehrt. Das bedeutet: bei weiteren Kursanstiegen verliert die Gesamtposition weiter an Wert. Das negative Gamma hat also schlussendlich zugeschlagen.
Wenn der Aktienkurs fällt, wie hier auf 58 Euro, dann sinkt natürlich der Wert der Einzeloptionen und auch der Wert der Gesamtposition.
Das war's zum Gamma-Risiko! In der kommenden Ausgabe am nächsten Mittwoch werden wir dann damit beginnen uns mit dem Vega zu beschäftigen, welches ausschlaggebend für die eigentlichen erhofften Gewinne aus diesem Trade ist, aber ebenfalls einige Risiken birgt.
Damit verabschiede ich mich für heute, liebe Leser und wünsche Ihnen ein schönes und hoffentlich sonniges Wochenende.
Liebe Grüße und bis nächsten Mittwoch
Ihre Miriam Kraus
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