CAC-40: Weiteres Aufwärtspotential
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 28. August 2009, 08:00 Uhr
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während in Deutschland in diesem Jahr noch immer mit einem Minus von rund 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gerechnet wird, haben die Franzosen ihre Prognose für den Rückgang des BIP Rückgang von 2,7 auf 2,3 Prozent bereits gesenkt. Die Fülle von Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft, unter anderem zwei umfangreiche Konjunkturpakete, scheinen ihre Wirkung unter dem Druck von Präsident Sarkozy schneller zu entfalten als in anderen Industriestaaten.
Anders als die Bundesregierung, die zur Durchsetzung ihrer Politik die Abstimmung dreier Parteien untereinander benötigt, kann der französische Präsident dank seiner besonderen politischen Stellung Gesetzesvorhaben beschleunigen. Im Falle von Monsieur Sarkozy ergänzt sich dieser Vorteil noch mit einer starken parlamentarischen Mehrheit. Der Freiheit des politischen Handelns durch geschaffene demokratische Mehrheiten sind aber dort Grenzen gesetzt, wo die Kassenlage des Staates beginnt kritisch zu werden.
Entlastungseffekt bleibt abzuwarten
Die französische Politik hat es bereits unter Sarkozys Vorgänger Chirac unterlassen, in wirtschaftlichen guten Zeiten mit der Sanierung der Staatsfinanzen zu beginnen. Insbesondere die Aufblähung des öffentlichen Dienstes und die damit verbundenen langfristigen Kosten wie die hohen Pensionsverpflichtungen belasten das französische Budget jedes Jahr stärker. Die Renationalisierung von Banken und Industriebetrieben währen der vergangenen 18 Monate, deutet kaum darauf hin, dass sich die nachfolgende Generation auf geringere Belastungen einstellen darf als ihre Vorgänger.
Die sich langsam abzeichnende wirtschaftliche Erholung wird sich wahrscheinlich nur sehr begrenzt entlastend auf die Staatsfinanzen auswirken. Viele französische Unternehmen kämpfen mit einer hohen Abgabenlast und haben deshalb kaum freie Mittel für zusätzliche Investitionen. Statt die Krise zu einer Entlastung der kleineren Betriebe zu nutzen und somit die Voraussetzungen zu schaffen, in einer Erholungsphase von einem steigenden Steueranteil zu profitieren, hat die französische Regierung noch stärker als Deutschland den Status Quo zementiert.
Internationale Konzerne bleiben auf der Gewinnerseite
In der Regel erzwingen sich aber unterlassene Restrukturierungsmaßnahmen im Verlaufe der Zeit durch die Macht der Fakten selbst. Solange der wirtschaftliche Anpassungsprozess noch lenkbar ist, sind die Auswirkungen allerdings für die Bevölkerung weniger schmerzhaft. In einer zur erwartenden Erholungsphase wird das französische Wachstum zunächst hinter dem anderer großer EU-Staaten zurück bleiben. Erst wenn die französische Regierung eine Art „Agenda 2010" wie in Deutschland in Angriff nimmt, dürfte sich das auch nachhaltig in steigenden Aktienkursen bemerkbar machen.
Bis dahin dürfte sich der CAC-40 mit Ausnahme weniger Titel kaum deutlicher nach oben bewegen. Die staatliche Regulierungspolitik verhindert allerdings auf mittlere Sicht auch höhere Kursverluste. Die französischen Unternehmen haben auf ihre Weise auf die Fakten in Frankreich reagiert und suchen ihr Heil auf den Auslandsmärkten. Sowohl Produktion als auch Absatz und Gewinn steigen vor allem auf den Märkten der Schwellenländer. Ihre starke Stellung macht französische Unternehmen daher für viele Investoren als Anlage auch in Zukunft attraktiv.
4.000 Punkte sind möglich
Im Rahmen der weltweiten Aktienmarkt-Rally konnte auch der französische Standardwerteindex, der CAC-40, ansehnliche Kursgewinne verzeichnen. Seit dem Tiefpunkt bei 2.519 Punkten legte der Index rund 45 Prozent zu. Die gesamte Aufwärtsbewegung verläuft in einem Aufwärtstrendkanal und wurde durch zwei Konsolidierungsphasen im Mai und August idealtypisch begleitet.
Wie viele andere Indizes auch hat der CAC-40 seine leicht fallende 200-Tage- Durchschnittslinie als bisher stärksten Widerstand überwunden und dadurch neue Aufwärtsdynamik freigesetzt. Zuletzt gelang es den Bullen den starken Widerstandsbereich um 3.530 Punkte aus dem Weg zu räumen und weitere Käufer in den Markt zu ziehen. Die aktuelle Aufwärtsbewegung ist aber durch die obere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals bei 3.830 Punkten und einen horizontalen Widerstand bei 4.000 Punkten in ihrem Potential kurzfristig zunächst begrenzt.
Sowohl der MACD als auch die Slow Stochastik zeigen eine leicht überkaufte Tendenz an und müssen zunächst durch eine Konsolidierung „entspannt" werden. Die stark anziehenden 38- und 50- Tage-Durchschnitte dürften sich aber als ausreichende Unterstützungslinien und Umkehrpunkte anbieten. Von dort aus sollte es zumindest im Rahmen der aktuellen Erholungsrally zu einem weiteren Anstieg bis an die langfristige Widerstandslinie bei 4.150 Punkten kommen.
Dort werden die Bären dann Farbe bekennen müssen. Ein Bruch dieses Trends würde Aufwärtspotential bis 4.500Punkte freisetzen. Fällt der CAC unter 3.530 Punkte zurück, wäre der Aufwärtstrend beendet und die Börsenampeln würden auf gelb wechseln.
