Bye Bye United Kingdom: Wird Schottland bald unabhängig?
Cindy Bach in Insider Daily
vom 3. Februar 2012, 14:30 Uhr
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ich kann mich noch ziemlich genau an die wichtigsten Eindrücke meiner zweiwöchigen Schottlandrundreise Anfang des neuen Jahrtausends erinnern: Schroffe Naturgewalt trifft auf ein herzliches Volk. Die Menschen sind echte Patrioten (so überzogen ist die Darstellung des William Wallace im prämierten Hollywood-Film "Bravenheart" also nicht) und viele - zumeist durch alle Generationen hinweg - hassen die Engländer.
Wenn wir abends im Pub saßen und uns mit Einheimischen unterhielten, fiel mehrfach der Begriff "Febs" - damit meinen die Schotten ihre Landeskollegen, Engländer - nun muss aber aufklärend erläutert werden, dass dieses Wort die Abkürzung für "Fucking English Bastards" ist. Ich muss ihnen sicher nicht definieren, was das in der Übersetzung heißt. Hinzu kam immer noch dieser rotzige Ton mit welchem sie das Wort aussprachen - es lag echte Häme darin.
Unwissend wie wir mit Anfang Zwanzig bezüglich der geschichtlichen Hintergründe des alten Schotten-Engländer-Zwistes waren, wollten wir herausfinden, warum sich Menschen innerhalb eines Landes so verachten können. Denn den Schotten muss wohl in England auch nicht besser "nachgeredet" werden.
Im Rahmen eines solchen Kommentars wäre es natürlich kaum möglich, alle Facetten des besonderen Verhältnisses der beiden Nachbarstaaten aufzuzeigen. Doch soviel sei gesagt - der Zwist ist nahezu ein Jahrtausend alter. Und er lässt England wiederholt als den hoheitlichen Agressor und Schottland als das Land der Freiheitskämpfer dastehen, das um jeden Preis für seine Unabhängigkeit von der englischen Krone kämpfte. Und es kämpfte nicht immer vergebens. Da gab es dien schottischen Unabhängigkeitskriege, aus denen Schottland im 13./14. Jahrhundert als eigenständige Nation hervorging, namentlich die Wars of Independence. Und dann kam zwischen 1689 und 1745 die Wiederaufnahme ins englische Königreich, das dann schließlich im United Kingdom aufging. Die Unionsvereinbarung (Act of Union) wurde am 16. Januar 1707 mit einer Mehrheit von nur 43 berechtigten Stimmen, aber gegen den Wunsch von mindestens 75% der Bevölkerung Schottlands vom Schottischen Parlament ratifiziert.
Warum scheiden nicht weh tun muss
Diese Zwangsehe dauert nun also schon etwas mehr als 300 Jahre. Doch so richtig glücklich scheint damit niemand zu sein. In Edinbourgh, Glasgow, Sterling, Inverness und Oban dürfte man angesichts der aktuellen Entwicklungen in freudige Erregung verfallen: Schottland darf offiziell darüber befinden, ob es weiterhin zu Großbritannien gehören will oder nicht. Ich dachte heute Morgen auch, ich hätte mich verlesen, aber Bei "Fuchs-Briefe" schlug mir heute Morgen folgende Headline entgegen: "Schottland - Scheidung nach 300 Jahren?" Ich musste direkt an die Menschen in Schottland von damals und ihre "Febs"-Verachtung denken. Und eben jene dürfen dem Bericht zufolge im Jahr 2014 selbst darüber abstimmen - ein Volksentscheid über die Unabhängigkeit - wenn das William Wallace erleben könnte. Er würde sich das Gesicht blau anmalen und ein großes Fest feiern.
Tatsächlich stellt sich nun aber die Frage: Würde Schottland eine Unabhängigkeit von Great Britain überhaupt schaffen? Kann Schottland ohne England "leben"? Diesem wichtigen Aspekt geht die Redaktion von "Fuchs-Briefe" sehr genau auf den Grund und kommt zu folgendem Ergebnis:
"Anders als in England will in Schottland kaum jemand die EU verlassen. Zwar wäre es mit 5,2 Mio. Einwohnern ein kleines EU-Mitglied - aber es würde die Fraktion der Pro-Europäer stärken. Auch der Euro stand bei den Schotten lange hoch in Kurs. Bis zum Ausbruch der Schuldenkrise propagierte Regierungschef Alexander Salmond den Beitritt zur Währungsunion. Die Begeisterung ist inzwischen abgekühlt. Dennoch denkt kaum jemand an eine eigene Währung.
Allerdings dürfte Schottlands Unabhängigkeit für die Wirtschaft nicht leicht werden. Sie hat in den vergangenen vier Jahren schlechter abgeschnitten als die britische. Der Verlust der Transferzahlungen aus London würde das Land stark belasten. Ohne sie hätte die Regionalregierung im Fiskaljahr 2009/2010 ein Haushaltsdefizit von 17% ausweisen müssen. Der Hauptgrund ist, dass fast 50% der Schotten beim Staat beschäftigt sind. Die Quote ließe sich nur durch Massenentlassungen mit der Folge hoher Arbeitslosigkeit korrigieren. Dennoch könnte Schottland auch als unabhängiger Staat überleben, denn die Wirtschaftsleistung im Süden und Osten liegt weit über EU-Durchschnitt.
Auch die Regierung in London schließt eine Unabhängigkeit Schottlands nicht mehr aus. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der separatistischen Schotten kontinuierlich gewachsen. Nach jüngsten Umfragen befürworten 39% die Eigenständigkeit - und liegen inzwischen mit den Gegnern gleichauf. Das Rennen ist also offen. Unklar ist aber, wer bei einem Referendum abstimmen darf. Denn viele Schotten leben in England und Wales - und viele Engländer in Schottland. Da es in Großbritannien keine Melderegister gibt, ist die Zahl der Abstimmungsberechtigten nur schwer einzuschätzen. Doch eine Trennung würde in Großbritannien nicht zu einem Scheidungstrauma führen. Denn die Engländer sprechen sich in Umfragen mit klarer Mehrheit für Schottlands Unabhängigkeit aus. Viele Briten wären die Schotten gerne los. Doch ihre Unabhängigkeit könnte Nachahmer finden. Inzwischen gibt es im kleinen Wales ebenfalls Überlegungen, die Selbständigkeit zu reklamieren. Das Vorbild der walisischen Politiker: Schottland."
Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Wochenende.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Lützenrath (04.02. 2012 17:53 Uhr):
das ist doch eine gute Idee! Wenn der Separatismus populär wird! Bayern wäre doch als Freistaat unabhängig vom Rest BRD eine hervorragende Sache. Das wesentliche Problem: ungekehrt zum UK wäre Deutschland ( Preußen ) ohne Bayern nicht lebensfähig. -Lü-
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