Bye bye Myspace Deutschland
Cindy Bach in Insider Daily
vom 12. Januar 2011, 14:30 Uhr
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ich bin ein Außenseiter. Ich gehöre nicht zu den 550 Mio. Facebook-Mitgliedern sondern bin bekennendes MySpace-Mitglied (100 Mio. Mitglieder), sowohl privat als auch mit meiner Band.
Diese Plattform hat vor allem meiner Band eine unglaubliche Öffentlichkeitswirksamkeit verschafft. Das Tool ist einfach zu bedienen, man kann individuelle Profile erstellen, Bilder, Songs, Videos und Konzerttermine, Blogs für Fans und und und einstellen. Was mir an MySpace aber schon immer besonders gefällt, ist die Übersichtlichkeit - alles Wichtige findet sich auf einer Seite, von der Bandbio, über aktuelle Songplaylisten bis hin zu Kommentaren von anderen Usern. Klar, als "Nicht-Facebooker" kann ich mir über das Konkurrenz-Netzwerk in Sachen Bedienerfreundlichkeit kein Urteil erlauben. Aber ich kann sagen: Für mich ist es kaum nachvollziehbar, warum MySpace so massiv mit Mitgliederschwund zu kämpfen hat, dass nun ernste geschäftspolitische Konsequenzen gezogen werden mussten.
Ich las es also heute mit doch nicht unerheblicher Wehmut: Während Facebook den Gang an die Börse plant, verschwindet MySpace zunehmend in der Bedeutungslosigkeit. Schwindende Mitgliederzahlen und damit einhergehende einbrechende Werbeeinnahmen und Gewinne machen es für das Unternehmen erforderlich, weitere 500 Mitarbeiter, davon alle 30 deutschen in den Büros in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln, zu entlassen. Weltweit werde MySpace die Mitarbeiter-Zahl nahezu halbieren, kündigte Firmenchef Mike Jones am Dienstag an.
Doch damit nicht genug der schlechten Nachrichten: Dem Vernehmen nach prüft nun auch Medienmogul Rupert Murdoch den Verkauf des einst teuer erworbenen Netzwerks. Medienberichten solle das neuerliche Großreinemachen lediglich eine Basis für einen Verkauf bereiten. Die von Murdoch gelenkte News Corporation hatte 2005 für Aufsehen erregende 580 Mio. Dollar das florierende Netzwerk aufgekauft.
MySpace Deutschland stellt Geschäft ein
Was kommt nun: Im Zuge des Umbaus wird die für MySpace Deutschland (Österreich und Schweiz) zuständige Fox Interactive Media Germany GmbH per Ende Februar geschlossen. Auch das Geschäft in Großbritannien und Australien ist von der Sparaktion betroffen. Jones argumentiert, das neue MySpace müsse sich von Strukturen aus der Vergangenheit trennen, um den Weg zu Wachstum und Gewinn freizumachen. "Ich bedauere die Entscheidung von MySpace sehr, den Geschäftsbetrieb in Deutschland einzustellen", sagte der bisher für MySpace Deutschland zuständige Manager Joel Berger.
Es ist nicht der erste Aderlass für MySpace. Im Sommer 2009 hatte der damalige Chef Owen Van Natta bereits rund ein Drittel der damaligen 1.500 US-Jobs gekappt. Die Einschnitte brachten aber nicht die erhoffte Entlastung. Bleibt abzuwarten, ob die jüngsten Sparmaßnahmen den gewünschten Erfolg bringen. Ein Ausstieg von Murdoch wäre sicher verheerend. Im "Worst Case" müssen wir - also meine Band und ich - und wohl eine andere Plattform suchen, um unsere Songs zu promoten. Aber "thats business".
Ich wünsche Ihnen allen einen erfolgreichen Handelstag.
Ihre
Cindy Bach
P.S.: Apropos Facebook: Aufgrund des grandiosen Erfolges des Social Networks haben sich nun zwei "alte Bekannte" wieder zu Wort gemeldet. Die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss behaupten, Faceook-Gründer Mark Zuckerberg habe ihnen die Idee für das Netzwerk gestohlen. Sie wollen nun den in 2008 mühsam ausgehandelten Vergleich kippen. Sie hatten damals einen Deal im Volumen von 65 Mio. Dollar (20 Mio. Dollar in bar und Facebook-Aktien im Gegenwert von 45 Mio. Dollar) ausgehandelt - was sie jetzt angesichts der aktuellen Bewertung von Facebook mit 50 Mrd. Dollar für zu wenig halten. Eine Entscheidung wird erst in einigen Monaten erwartet.