Buy and hold
Tom Firley in Investors Daily
vom 5. November 2010, 18:00 Uhr
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heute, am Freitagnachmittag, muss ich mal etwas Selbstkritik üben. So etwa ein- bis zweimal im Jahr behaupte ich: „Buy and hold" funktioniert nicht wirklich! Das soll bedeuten: „Aktien kaufen und liegen lassen bringt nicht den wahren Börsenerfolg. Um Ihr Geld wirklich wachsen zu lassen, müssen Sie etwas tun." Zum Beispiel habe ich im letzten Jahr den Beitrag Buy-and-Hold contra simple Technische Analyse an Sie verschickt.
Meist wenn ich solch einen Artikel verfasse, garniere ich ihn mit anschaulichen Charts und bringe Ihnen beispielsweise den 256-Tage-GD nahe. Dann klopfe ich mir sinngemäß auf die Schulter und denke: „Wenn nur ein paar Leser meinen Rat beherzigen, dann werden zumindest auch ein paar Leser glücklicher mit ihrer Geldanlage werden." Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden (auch wenn dies etwas selbstgefällig klingt). JEDOCH:
Ein langjähriger Anleger könnte sich die Frage stellen: „Wann hat Buy-and-Hold überhaupt funktioniert?"
Wie komme ich auf solch eine Frage? Schauen wir uns den sehr langfristigen Chart des Dow Jones Industrial an:
Dow Jones Industrial seit 1950
Schauen wir zunächst nach rechts oben, auf das schwarz gestrichelte Rechteck, Zeitraum: 1997 bis heute. Natürlich können sich zwei Anleger jetzt streiten, ob es sich hier um eine Seitwärtsphase handelt. Wie Sie sehen, habe ich die auffällige „Übertreibung" nach oben und einen Teil des Finanzkrisen-Kurssturz (als Übertreibung nach unten) ausgeblendet. Aber verglichen mit dem Aufwärtstrend vor diesem Zeitraum, sieht es so aus, als käme der Dow Jones nicht mehr vom Fleck.
Hier hat Buy and Hold funktioniert
Damit sind wir auch schon bei der Zeitspanne vor dieser so bezeichneten Seitwärtsphase. Diese Spanne reicht von 1982 bis ins Jahr 2000. Diese Phase sehen Sie im Chart mit der grünen Aufwärtslinie markiert. Keine Frage, hier hat Buy-and-Hold sicherlich eine sehr lange Zeit hervorragend funktioniert... und es war fast egal, welche Aktien Sie in dieser Phase gekauft haben (und Ende der 90er war es auch egal, welche Aktie Sie „gezeichnet" haben, aber das ist ein anderes Thema).
24 Jahre seitwärts
Kommen wir zum nächsten schwarzen Rechteck. Diese Phase reicht von 1958 bis Ende 1982. natürlich wäre auch hier Geld mit Aktien zu verdienen gewesen. Nur mit Buy-and-Hold hätte der Anleger wirklich einen sehr langen Atem haben müssen, um die Aufwärtsphase ab 1982 mitzuerleben. Also auch in diesem langen Zeitraum funktionierte Buy-and-Hold nicht wirklich!
Kapital fast verffünfacht in 16 Jahren
Sie sehen es im Chart ganz links: Von 1950 bis 1966 (grüne Linie) hätte eine Buy-and-Hold-Strategie sicherlich recht passabel abgeschnitten. Immerhin stieg der Dow Jones in diesem Zeitraum von etwa 200 auf knapp 1.000 Punkte.
Fazit: Sicherlich werden Ihre Ergebnisse - so oder so - besser ausfallen, je intensiver Sie sich mit der Börse und entsprechenden Analysen beschäftigen. Es ist eben alles eine Zeitfrage... Daneben gibt es aber auch sicherlich auch Strategien, die dem Buy-and-Hold sehr ähneln und dennoch überdurchschnittliche Ergebnisse liefern. Und warum sollte die Börse nicht auch wieder einmal einen Aufwärts-Weg einschlagen wie in den 80er und 90er Jahren. Sag niemals nie... mehr hierzu nächste Woche.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Bitte beachten Sie den exklusiven Gastbeitrag von Tim Rödel, Chefredakteur „Wahrer Wohlstand".
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gunter Fenske (08.11. 2010 09:33 Uhr):
S.g.Herr Firley! Erlauben Sie mir eine Kritik an Ihrer Selbstkritik. Der Langfristchart des Dow J. in Dollar seit 1961 ist im Prinzip schon interessant, aber nicht so "nominal", wie Sie ihn darstellen: 1. Die Inflationsrate ist unberücksichtigt 2. Als Europäer muss ich erst in Dollar tauschen (prinzipiell) und dann bin ich dem "Währungsrisiko" €/$ ausgesetzt. Das kann beim Verkauf (mit Rücktausch) eine böse Überraschung geben. Wenn Sie den Chart so korrigieren, sieht er ganz anders aus und erlaubt auch andere Schlüsse. Einfacher und viel realistischer wäre es, den DAX inflationsbereinigt darzustellen. Und das ist ein Kritikpunkt an (fast) allen Börsenbriefschreibern, dass sie ihre US-Chats, auch Gold und Rohstoffe in Dollar darstellen und dann fatal falsche Schlüsse ziehen (je nach Zeitraum). Gold ist z.B. letzter Zeit in Euro nicht gestiegen. Aber kaum jemand macht sich die Mühe umzurechnen. Die weltweiten Notierungen der Rohstoffe in Dollar sind dafür keine Rechtfertigung. Was der Dollar seit längerer Zeit macht und wohin die Reise geht, das wissen wir doch. Jeder, der wissen will, wie die Kurse sich bewegen, muss in seiner eigenen Währung rechnen. Die Faltung mit der Fremdwährung kann niemand im Kopf vornehmen! Noch ein positives Wort für Sie: Es freut mich, dass Sie ihre Charts logarithmisch darstellen. Ich erinnere mich an eine lustige Diskussion, die Sie entfachten vor längerer Zeit "linear oder logarithmisch"? Damals hatte ich mich nicht geäussert. Hier kurz zur Erläuterung: An der Börse ist "fast" alles logarithmisch darzustellen. Warum? Weil "im Prinzip" immer exponentielles Wachstum herrscht. Der Wachstumsbegriff kommt aus der Biologie und dort ist es wie beim Wachstum einer Firma. Es wird am nächsten Tag (Jahr) auf die Substanz aufgebaut, die am Vortag (Vorjahr) vorhanden war. Genau das führt zur Exponentialfunktion. Um das Wachstum aber besser beurteilen zu können, "linearisieren" wir die Darstellung durch Anwendung der Umkehrfunktion. Und nun sehen wir in den geraden Teilen des Charts: hier hat in der Tat exponentielles Wachstum stattgefunden, während in den sog. Seitwärtsphasen massive "Störungen" stattgefunden haben, warum auch immer: Wirtschafts- und Finanzkrisen ... . Die Erklärungen, die damals in Ihrer Diskussion kamen, waren nicht befriedigend. Jochen Steffens hat es leiden auch nicht verstanden. Seine fleissigen und manchmal durchaus geistreichen Einlassungen werden dadurch massiv miniert. Seine ganze Target-Methode-Charts sähen völlig anders aus - ein einziger aufwendiger Quatsch! Aber das wissen Sie sicherlich auch. Mit freundlichem Gruss Gunter Fenske.
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