Bush zog für nichts in den Krieg
Investors Daily
vom 11. Oktober 2004 18:00 Uhr
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*** Letzte Woche stellte die "MoneyWeek" eine kritische Frage: Was sagen uns die US-Staatsanleihen? Statt im Kurs zu fallen – wie sie das normalerweise tun sollten, und was auch fast jeder erwartet – steigen sie. Die US-Anleihenkurse sind mehr oder weniger seit dem 6. Oktober 1979 gestiegen. An diesem Tag teilte Paul Volcker, Vorgänger von Alan Greenspan, der Welt mit, dass die Zeiten der hohen Inflationsraten vorüber seien.
Die institutionellen Anleger am US-Anleihenmarkt behielten die Inflationsentwicklung im Auge – und sie verkauften ihre Bestände sofort, wenn sie einen Anstieg sahen. Das führte dazu, dass die Renditen am Anleihenmarkt stiegen, was die Inflationsrate wieder fallen ließ.
Als 1984 ein Anstieg der Inflationsrate antizipiert wurde, da stieg die Rendite der US-Staatsanleihen im Frühjahr 1984 auf 14 %. Aber die Institutionellen hatten damals falsch reagiert: Denn die Renditen fielen schnell wieder zurück ... und fielen während der nächsten 19 Jahre. Aber dann, am 9. Juni 2003, schien der lange Boom bei US-Staatsanleihen zu Ende zu sein. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen stand da bei weniger als 3,5 %.
An diesem Tag wachten die Investoren am US-Anleihenmarkt auf. Alarmiert durch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit und die steigenden Öl- und Rohstoffpreise ... verkauften sie US-Staatsanleihen. Die Rendite stieg in den nächsten 12 Monaten um 1 %. Aber dann plötzlich stiegen die Kurse der US-Staatsanleihen wieder. Haben die Institutionellen wieder einen Fehler gemacht?
Die Ökonomen wissen es nicht. Ich auch nicht. Abe rich bin mir in einer Sache sicher: Irgendjemand hat einen Fehler gemacht.
*** Ooh la la ...
"Wie können wir es schaffen, dass dieser Chart attraktiv aussieht?" fragte mich ein Freund in London.
"Dreht ihn einfach um", so meine Antwort.
Also nahmen wir den Chart, der das US-Leistungsbilanzdefizit im Verlauf (Quartalsweise) anzeigte, und drehten ihn um. Was wir zuerst entdeckten war, dass die Zeitachse von der Gegenwart in die Vergangenheit lief. Das machte keinen Sinn, also drehten wir den Chart wieder um. Was wir dann sehen konnten: Von 1960-1983 waren die USA weder ein Gläubiger noch ein Schuldner, was den Rest der Welt betraf.
Aber dann, 1997, gab es ein explodierendes Defizit! Das erinnerte mich an den Chart der Nasdaq, ohne Crash. Aber statt in den Jahren 2000-2001 zu fallen, da stiegen die Defizite weiter. Alleine im letzten Quartal lag das Defizit bei 166 Milliarden Dollar.
Ich erwähne das nur, weil der Chart das zeigt, was die Logik suggeriert: Das kann nicht auf ewig so weitergehen.
*** "Bush zog für nichts in den Krieg", ist die Schlagzeile der Pariser Zeitung "Liberation" vom letzten Freitag.
Die europäische Presse hat derzeit den Tenor "wir haben es doch gesagt". Der letzte Bericht des CIA wirft der Chirac-Regierung vor, korrupte Geschäfte mit Saddam gemacht zu haben. Das besorgt die Franzosen nicht besonders; sie könnten sich kaum vorstellen, dass es anders gewesen wäre. Aber der gleiche Bericht offenbart der Welt auch etwas viel Wichtigeres: Wenn die Bush-Administration sich aufgrund von "Massenvernichtungswaffen" des Irak zum Töten von Irakern und zum Sturz von Saddam entschlossen hat, dann hat sie einen großen Fehler gemacht.
In den USA scheint das die Leute nicht zu kümmern. Soweit ich das mitbekomme gibt es selbst nach dem Tod von Tausenden unschuldiger Menschen ... und dem Verschwenden von Hunderten von Milliarden Dollar ... keinen wütenden Aufschrei unter den Amerikanern.
Mit meinen Ansichten bin ich so ziemlich jedem auf den Schlips getreten. Ich bin nicht gegen das Töten von Menschen; ich möchte nur einen guten Grund dafür haben. Wenn einen jemand angreift, dann ist man froh, wenn man diesem Angreifer einen guten Schlag versetzen kann. Aber normalerweise braucht man jemanden, der einen zuerst angreift – sonst hat man eine recht schwache Begründung, und die Götter des Kriegs gehen zur anderen Seite.
Es hat sich herausgestellt, dass die Bush-Administration überhaupt keinen Grund hatte, den Irak anzugreifen. Und dennoch scheint der durchschnittliche Amerikaner zu glauben, dass sich die Lage im Irak irgendwie lösen lassen wird – wie das US-Leistungsbilanzdefizit. Alles wird für Amerika gut ausgehen, das war immer so.
Die Amerikaner sind bemerkenswert sorglos, so mein Fazit. Sie machen sich weder um ihren Reichtum noch um ihre Seelen Sorgen.
*** Eine Nachricht von einem Verwandten in den Niederlanden:
"Es gibt ein Pilger-Museum in Leiden, das scheinbar von einem ausgebürgerten Amerikaner betrieben wird. Die Holländer verstehen nicht, warum jemand ein Museum über die Pilger haben möchte; sie hatten es schon schwer genug, 1620 die religiösen Fanatiker los zu werden, was sie nur schafften, indem sie sie ins 'Gelobte Land' Neuholland (heute New England) schickten. Warum sind wir Amerikaner so optimistisch, naiv und gutgläubig? Diese Eigenschaften haben tiefe historische Wurzeln."