Bush auf Kuschelkurs
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 07. Juni 2006 18:00 Uhr
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So, wir können nun davon ausgehen, dass der Wahlkampf in den USA begonnen hat.
Bush leitete den Wahlkampf ein, in dem er nun (wieder) ein verfassungsrechtliches Verbot der Homo-Ehe durch den Kongress und den Senat bringen will. Es war ein Wahlkampfthema, ein Versprechen an die konservativ-christlichen Wählergruppen, an das sich Bush nun im Vorfeld der Kongresswahlen zurückerinnert (Zwischenzeitlich hatte er es wohl etwas aus den Augen verloren). Eigentlich ist bekannt, dass dieser Vorschlag wenig Aussicht auf Erfolg hat, da dazu eine Zweidrittelmehrheit in den Kammern notwendig wäre und sogar viele konservative Kongressabgeordnete der Meinung sind, es sei Sache der Bundesstaaten darüber zu entscheiden. Es ist nicht schwer zu erraten, dass Bush mit diesem erneuten Versuch auf Kuschelkurs mit den christlichen Wählergruppen gehen will, die schließlich auch die letzte Wahl entschieden haben.
Weichgespülte Kommentare zum Iran
Dazu wird nun der Kuschelkurs mit dem Iran fortgesetzt. Nachdem ein neues Vermittlungsangebot dem Iran unterbreitet wurde, und der Iran mitteilte, dass er das neue Angebot genau prüfen werde, reagierte Bush prompt, indem er bereits diese Reaktion als positiven Hinweis lobte!
Nichts mehr von Drohgebärden und Kriegspolemik: Wahlkampf! Bush braucht sinkende Ölpreise, denn wie gesagt: Die Benzinpreise in den USA sind ein wichtiges Kriterium für den aktuellen Unmut der Bevölkerung. Man könnte sogar sagen, die um 30 % gestiegenen Benzinpreise sind für die US-Amerikaner sozusagen die Sichtbarmachung der „gescheiterten Politik“ Bushs.
Sinkender Ölpreis?
Wenn wir nun davon ausgehen, dass Bush diesen Kuschel-Kurs weiterführt, müssen wir davon ausgehen, dass die US-Regierung und die Republikaner alles daran setzen werden, den Ölpreis zu senken.
Ein sinkender Ölpreis würde aber sofort die Inflation dämpfen. Weiß Ben Bernanke nichts von der Strategie der Regierung? (sofern diese überhaupt existiert; wie gesagt, das ist nur eine These von mir)
Doch es gibt möglicherweise noch einen ganz anderen Grund für die doch eindeutigen Worte Ben Bernankes am Montag. Der Dollar stand kurz davor über die 1,30er Marke auszubrechen. Ein wichtiges und starkes Kaufsignal. Die Äußerung Bernankes verhinderte hier Schlimmeres gerade rechtzeitig vor der EZB Ratssitzung, die morgen stattfindet. Ein Zinsschritt von 25 Basispunkte gilt hier als sicher. Auch das hätte den Euro gestärkt. Nach der Rede von Ben Bernanke ist der Euro hingegen wieder deutlich zurückgekommen, der Dollar notiert bei nur noch 1,278 Euro.
Zu hohe Erwartungen
Es wird allerdings noch ein zweiter Grund für die aktuelle Schwäche des Euros angegeben: Einige Analysten hätten mit einem Zinsschritt der EZB von 50 Basispunkten gerechnet. Die Devisentrader, die darauf getradet hatten, könnten enttäuscht reagieren, wenn es doch nur zu einem 25 Basispunkte Schritt käme, so die Theorie. Aus dieser Sorge wird schon heute im Vorfeld verkauft.
Wesentlich einleuchtender ist, dass der heutige Einbruch des Euros auch eine Reaktion auf Nachrichten ist, nach denen die EZB sich ein wenig um die aktuelle Entwicklung des Euros sorgt. Wie ich hier schon einmal geschrieben hatte, der steigende Euro ist an sich schon eine Art Zinserhöhung, er wirkt sich sowohl dämpfend auf die inflationären Tendenzen, wie auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Es ist also nicht davon auszugehen, dass die EZB die Zinskeule herausholt und einen großen Schritt wagen wird. Zu groß ist die Gefahr, dass das zarte Pflänzchen Konjunkturerholung zertrampelt würde. Die letzten Äußerungen aus EZB Kreisen bestätigen diesen Eindruck.
Wir beobachten das Euro/Dollar Verhältnis weiter. Sollte der Dollar doch weiter fallen, dann muss das als Hinweis gewertet werden, dass der Devisenmarkt mit einem baldigen Ende des Zinserhöhungszyklus rechnet.