Bundesregierung zitiert US-Botschafter ins Auswärtige Amt
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 06. September 2002 18:00 Uhr
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In diplomatischen Kreisen nennt man das eigentlich "Einbestellung", auch wenn die Bundesregierung ausdrücklich diese Formulierung vermied. US Botschafters Daniel Coats wurde ins Auswärtige Amt zitiert. Es ist ein ungewöhnliches Vorgehen zwischen Verbündeten. Die Spannungen zwischen den Amerikanern und Deutschland haben einen neuen Hochpunkt erreicht. Hintergrund ist ein Interview von Coats am Mittwoch mit der Deutschen Presse Agentur. Darin hatte Coats gesagt, dass die Kritik der Bundesregierung Zweifel an den Beziehungen beider Staaten zulasse. Zudem sei Deutschland mit seiner strikten Haltung innerhalb der europäischen Union isoliert. Schröder hingegen begründete seine Haltung mit der Forderung nach echten Konsultationen, und damit meine er nicht, dass er 2 Stunden vorher angerufen werde, um zu erfahren, dass es los geht.
Der amerikanischen Außenminister Colin Powel deutete zwar an, dass die Äußerungen von Coats nicht mit ihm abgestimmt gewesen sein, er aber keine Einwände dagegen habe, die Äußerungen von Schroeder seien insgesamt "nicht hilfreich".
Bush will derweil Kontakt zu Russland, Kanada, Frankreich, Großbritannien und China aufnehmen, dabei wirbt er für Unterstützung. Insbesondere die Sorgen von Russland und Frankreich, denen der Irak zusammen mehr als 9 Mrd $ schuldet, will er dabei entkräften. Doch gerade auf Frankreich hofft auch Schroeder. Chirac hat ein militärischen Eingreifen zwar nicht abgelehnt, sei aber gegen eine einseitige Aktion Amerikas.
Inwieweit dieser Konflikt Einfluss auf das wirtschaftliche Verhältnis zwischen Amerika und Deutschland haben könnte, ist noch nicht sicher; ich denke mal eher keinen. Zu einer wirklichen Auseinandersetzung werden es beide Seiten nicht kommen lassen. Da ist schon eher die aktuelle Wirtschaftspolitik der USA bedenklich, denken Sie an den Stahlstreit.