Buffetts Slapstick Parade
Dr. Markus Schoor in Investoren Wissen
vom 10. Mai 2007 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
am Samstag war es wieder soweit: 27.000 Menschen, darunter ca. 600 aus dem Ausland, trafen in Omaha, Nebraska, ein, um bei der jährlichen Hauptversammlung des wohl besten Investors aller Zeiten dabei zu sein.
Der Mann mit dem Namen Warren Buffett hätte Sie zweifellos "im Schlaf" reich machen können. Hätten Sie ihm 1965 "nur" 1000 Dollar gegeben, wären daraus bis heute 7 Millionen Dollar geworden.
Wenn Sie gerne bei Ebay eine Stunde mit dem Mann persönlich buchen wollen, dann wird Sie das ca. 600.000 Dollar kosten.
Wen wundert es dann, wenn viele Menschen die Gelegenheit wahrnehmen wollen, seinen Ausführungen zu folgen oder ihm sogar eine Frage zu stellen.
Diesbezüglich war auch ich diesmal dabei:
Schon vor 9 Uhr ging es los - mit einem Firmenvideo - mit dem klaren Ziel: Warren Buffett als fitten, witzigen, liebevollen und stets gut aufgelegten Firmeninhaber zu zeigen.
Um die Fitness zu belegen fechtet er sogar mit Lebron James (einer Basketballlegende) ein kleines Duell auf dem Basketballfeld aus (obwohl er Lebron nicht einmal bis zum Brustkorb reicht). Dennoch gewinnt Warren, weil der Schiedsrichter von Lebron die Aufschrift "Gut bezahlt" auf dem Rücken trägt, während Warrens Schiedsrichter ein Schild mit der Aufschrift "Besser bezahlt" trägt.
Aber es ist einfach klasse zu sehen, wenn Warren auch mal trifft und sich dann wie ein kleiner Junge (tatsächliches Alter: 76) freut.
Als er mit Lebron telefoniert, verstellt er seine Stimme, bis dieser zustimmt, die Kosten für das Telefonat zu tragen und gibt sich dann erst zu erkennen. Eine wirklich witzige Variante der berühmten niederrheinischen Tugend: "Dat Habbe kommt vom Halde".
Am Ende des Firmenvideos ist jedenfalls die ganze Familie zufrieden und selbst mir präsentiert sich ein agiler, selbstironischer Mann, der gerne über sich lacht.......
Und dann sitzt er plötzlich da: an dem kleinen Tisch in der riesigen Arena und an seiner Seite hat er Theo Lingen geholt, der nach Amerika ausgewandert ist und sich jetzt Charlie Munger nennt.
Und kaum sitzen die beiden, beginnt der Slapstick aus dem Film sich fortzusetzen. Warren wird über Charlie sagen, dieser sei jetzt "auf Drogen" und deshalb gut vorbereitet und wirklich verzieht Charlie Munger fast 20 Minuten keine Miene, um dann ganz plötzlich zu seiner ersten Frage Stellung zu beziehen.
Das läuft ab wie bei "Genial daneben". Warren redet sich den Mund fusselig und Charlie sagt dann: einen gezielten, alles beendenden Satz wie: "Ich würde keine hohen Erwartungen an einen Global Managed Futures Fonds haben - ich würde noch nicht einmal erwarten, den Einsatz zurück zu erhalten."
Daraufhin schnaubt Warren vor Begeisterung und sagt: "Ich stimme zu."
Was gab es auch vorher groß zu sagen: die Frage lautete: "Was würden Sie von einem Global Managed Futures Fund in den nächsten Jahren erwarten?" (Anmerkung von mir: eine Variante eines Hedgefonds)
Und so geht es fort: Ein Zuschauer stellt eine Frage, Warren redet den Nagel in die aufrechte Postion und Charlie schlägt ihn ein - gelegentlich von der Ironie seiner eigenen Direktheit selbst überrascht, kommt dann jenes kurze trockene schluckartige Lachen, welches Theo Lingen so berühmt machte. Warren schiebt ihm dann ermunternd die Plastikschale mit den Plätzchen rüber.
Eine Zuschauerfrage thematisiert die kommende Nachfolgeregelung und wie man denn den richtigen Mann finden wolle. Warren erläutert dann, dass man bereits einen erfolgreichen Mann suche. Er sei sich ja schon immer bewußt gewesen, daß er von einem Höhlenmenschen ersetzt werden könne, aber dass man glaube, ein vierjähriges Mädchen könne ihn ersetze, erstaune ihn doch sehr (etwa 700 Bewerbungen sind eingegangen, darunter hat auch ein Vater seine vierjährige Tochter vorgeschlagen).
Warren führt aus, dass er jemanden suche, bei dem man sich sicher sei, daß er keine groben Fehler mache.
Dann gibt er die Frage an Charlie weiter, der sagt: "Wir sind mit dieser Sache ein wenig in eine Situation hineingeraten, die mich an eine Geschichte über Mozart erinnert: Mozart wurde als er schon älter war, von einem 25jährigen gefragt, ob er ihm helfen könne, Symphonien zu schreiben. Worauf Mozart sagt: "Sie sind viel zu jung dafür!" Daraufhin erinnert er Mozart daran, daß er bereits als 10jähriger Symphonien geschrieben habe, woraufhin dieser erwidert: "Ja, aber ich habe dabei nicht nach Rat gesucht."
"Wie wird man reich?" kommt die nächste Frage.
Warren antwortet:
"Erstens: Lesen Sie alles, was Sie finden können. Irgendwann werden Sie erkennen, was zu Ihnen passt. 2. Dann springen Sie ins Wasser....."
Charlie: "3. Überleben Sie das Wasser und lernen daraus. Sonst fällt mir nichts ein."
Was Warren Buffett Ihnen und mir für direkte Tipps gegeben hat - das lesen Sie in der kommenden Ausgabe.
Viel Erfolg
Ihr Doc
(Dr. Markus Schoor)


