Bürokratie und Wirtschaft
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 29. September 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
es gibt Dinge, die glaubt man im ersten Moment nicht, kurz darauf jedoch schon. Dann gibt es Dinge, die doch so unwahrscheinlich scheinen, dass man sie ohne Beweis nicht glaubt. Und dann wiederum gibt es Dinge, von denen hofft man einfach, dass sie nicht wahr sein können, da man sonst den Glauben an die Menschheit endgültig verliert...
Aktueller Fall: Die Vereinten Nationen.
Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich im "Daily Telegraph" las, dass die UN nun bald über einen hochoffiziellen Alien-Botschafter verfügen. Sie lesen richtig. Die UN hat einen Bürokraten aus dem Hut gezaubert, der, falls einmal die kleinen grünen Männchen auf unserem Planeten landen, deren Anlaufstelle sein soll. Wenn das nicht eine geniale Verwendung von Steuermitteln in Krisenzeiten ist?
Jeder noch halbwegs normale Mensch dürfte sich beim Lesen solch einer Meldung sicherlich fragen, was man wohl im UN-Gebäude den Leuten in der Kantine ins Essen mischt (einmal davon abgesehen, welche fortgeschrittene Spezies würde sich wohl friedlich an die UN-Bürokratie wenden, um sich auf der Erde "anzumelden"? Würde eine solche Ankunft nicht erst einmal eine Massenpanik auslösen? Das nur als zwei von zahlreichen weiteren Fragen, die ein solches "Amt" bereits ad absurdum führen dürften).
Doch wenn man dem dekadenten Irrsinn einmal einen zweiten Gedanken schenkt, wird schnell klar, was das wirkliche Problem ist.
Bürokratie und Regulierungswut ist wie ein Krebs
Bürokratie ist wie ein Krebs (Vielleicht nicht ganz, da ein Mindestmaß an Bürokratie für gewisse Vorgänge und Abläufe in einem Staat wichtig ist, aber die Ähnlichkeiten überwiegen dennoch weitgehend). Gebietet man ihr keinen Einhalt, verbreitet sie sich so lange im Wirtskörper (hier eine Volkswirtschaft) bis sie diesen im Extremfall an den Rand des Todes bringt.
Die Geschichte mit dem "Alien-Minister" lässt sich hier wunderbar als Beleg heranführen, denn bei der Sache geht es viel weniger darum, irgendeinen aktenwälzenden Grüß-August zur Hand zu haben, der dem kleinen grünen Männchen für die Kamera in der Kaffeepause auf dem Weg zur Toilette einmal schnell die Hand schüttelt, sondern viel mehr darum, Bürokratiestellen um der Bürokratie willen (bzw. der finanziellen Versorgung von Bekannten, Freunden und Mitgliedern der eigenen Seilschaften) zu schaffen.
Doch was hat das mit der aktuellen Krise und der Börse zu tun?
Ein staatlicher Bürokratenwasserkopf verhindert maßgeblich die Entfaltung wirtschaftlicher Aktivität
Ich hatte es bei Investoren Wissen bereits öfters davon.
Der Staat kann keinen Wohlstand erzeugen, er kann diesen nur umverteilen und muss dabei stets einen Teil der umverteilten Masse einbehalten, um den Umverteilungsmechanismus zu finanzieren.
Lässt man die Bürokratie und den Staat immer weiter wachsen, stranguliert der Umverteilungsmechanismus irgendwann die eigene Wirtschaft (sehen wir in der BRD durch viel zu hohe Lohnnebenkosten und Abgaben z.B.).
Gleichzeitig wird jedoch der "bürokratische Komplex" immer mächtiger, kann sich immer besser verteidigen und immer mehr überflüssige neue Stellen und wirtschaftlich völlig unproduktive Positionen erfinden (siehe "Alien-Botschafter") und sich neue Gängelungen einfallen lassen, um seine eigene "Unabkömmlichkeit" bzw. die der eigenen Stelle wirksam zu demonstrieren. Wenn nur Geld zum Fenster hinausgeworfen wird wie beim UNO-"Alien-Begrüßer", ist die Sache nur halb so schlimm.
Eine besondere Schwere erhält der Bürokratiekrebs dort, wo er wirtschaftliche Aktivität durch Überregulierung und ständiges Beinstellen verhindert. Hierdurch entsteht eine Spirale. Unternehmen werden vertrieben und ins Ausland gejagt, wogegen auf der anderen Seite immer neue Transferleistungen erfunden werden, die man doch nun den gefeuerten Arbeitern geben müsse.
Am Ende erstickt die Volkswirtschaft völlig und erliegt den Belastungen.
Der Crash ist die Folge und ein radikaler Abbau des Staatsapparates erfolgt zwangsweise. Damit ist der erste Schritt auf dem Weg zur Genesung getan.
Von einem derartigen Abbau sind wir aber (man sehe etwa nach Griechenland) noch weit entfernt.
Insgesamt befinden wir uns aus dieser Perspektive erst auf dem langsamen Weg ins tiefe Tal der Krise. Von einem Krisenende kann aus dieser Sicht daher nicht einmal im Ansatz die Rede sein, denn der Hauptteil dieses langen Stücks hat noch nicht einmal begonnen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Erich Bauer (29.09. 2010 16:24 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, von den rd 300 000 Beschäftigten des Freistaates Bayern sind rund 2/3 im Bereich Schule, Universitäten und Polizei tätig. Alle tragen zum Wohlstand bei, denn ohne Lehre und Sicherheit könnte niemand im Lande arbeiten und produzieren. Bleiben die restlichen 100 000. Diese werden vornehmlich von den Bürgern (vertreten durch die verschiedensten Lobbys und NGOs) und den Politikern für unverzichtbar gehalten -und ich denke, dass auch der Grünemännchen-Empfangsbeamte) auf diesem Mist gewachsen ist. Selbstverständlich haben wir zuviele Bananerepubliken, in denen dasWachstum einer "Bürokratie" nur Korruption ist. Bitte also auf die Bürger und die Politiker losgehen! Wer bleibt aber dann noch als Unschuldiger übrig? Mit Beamtengrüßen Ihr Erich Bauer
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (29.09. 2010 22:33 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bauer, keineswegs war die Absicht meines Artikels, generell auf Staats- bzw. Landesangestellte und -beamten loszugehen. Ich schrieb ja selbst, dass ein gewisser Grad an Verwaltung und Staatsdienst einfach nötig ist, das sonst nichts läuft. Ich denke, es lässt sich aber kaum abstreiten, dass es ein gewaltiges Einspar- und Straffungspotential in der BRD in diesem Bereich gibt. Würde man von der völligen Überregulierung in vielen Bereichen herunterkommen, wären auch viele der aktuell "unentbehrlichen" Pöstchen ganz schnell entbehrlich und gleichzeitig hätte die Geschäftstätigkeit und somit das Entstehen neuer Arbeitsplätze guten Rückenwind. Aber da muss natürlich auch die Bevölkerung mitspielen, schon richtig. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (29.09. 2010 22:33 Uhr):
- Kommentar von Hirschvogel (29.09. 2010 18:59 Uhr):
Mein Sohn benötigte für ein Auslandspraktikum eine beglaubigte Geburturkunde. Hier seine Odyssee. 1. Geburtsukunde erhalten im Geburtsort. (Gräfelfing) 2. Danach mit Geburtsurkunde zum Landratsamt München Mariahilfplatz um Beglaubigung der Unterschrift Beamter Gräfelfing. 3. Danch zur Regierung von Oberbayern um Beglaubigung von Beglaubigung. Geamtkosten 40€, Zeit 3h Unglaublich aber wahr
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