Buchtipp: Die Spendenmafia
Tom Firley in Investors Daily
vom 26. Oktober 2011, 18:00 Uhr
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Die Weihnachtszeit naht mit schnellen Schritten. Und dann geht sicherlich auch wieder der ein oder andere Spenden-Marathon los.
Auch ich spende schon seit vielen Jahren. Allerdings, das muss ich zugeben, habe ich mir nie wirklich großartige Gedanken gemacht, ob und wie viel von meinem gespendeten Geld überhaupt beim angedachten Empfänger ankommt.
Natürlich war mir klar, dass eben nicht 100% meiner Spende bei den Hilfe Bedürftigen ankommt, aber ein hoher Prozentsatz sollte es schon sein... so dachte ich.
Allerdings war mir nicht klar, welch Schindluder im Spenden-„Geschäft" (so muss man es wohl leider nennen) betrieben wird.
Bis jetzt. Denn gerade lese ich das Buch Die Spendenmafia: Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid von Stefan Loipfinger.
Sehr empfehlenswert, wenn Sie einmal hinter die Kulissen der Spenden-Maschinerie blicken wollen. Klar ist: Das Buch soll Sie sicherlich nicht vom Spenden abhalten, aber dazu animieren, die ein oder andere Aktion zu hinterfragen.
Sie werden erstaunt sein, das verspreche ich Ihnen. Und zu einem sehr erschwinglichen Preis von 8,99 Euro können Sie nicht viel falsch machen.
Buchtipp über die mitleidigen Machenschaften der Spendenindustrie
Rund fünf Milliarden Euro werden jährlich gespendet.
Ein erheblicher Teil kommt allerdings nicht bei bedürftigen Menschen, Tieren oder den sonstigen gemeinnützigen Zwecken an. Das behauptet Stefan Loipfinger, der gerade das Buch „Die Spendenmafia - Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid" veröffentlichte.
Nur 10 - 20 Prozent kommen an
Darin schildert er an echten Fallbeispielen, wie skrupellos ahnungslose und gutmütige Menschen abkassiert werden. Viele bekannte Namen finden sich in dem Buch. Die beschriebene Dreistigkeit ist erschütternd. Ob die Sammeldose auf der Straße oder der Spendenaufruf im Briefkasten - je emotionaler die Geldsammler auftreten, desto vorsichtiger sollte man sein. Nicht selten fließen nur beschämende zehn oder 20 Prozent in die gute Tat. Echte Unterstützungsleistungen verkommen zu reinen Alibizahlungen. Diese werden dafür unglaublich aufgebläht, weil meistens die Finanzen nicht näher hinterfragt werden. Was heißt es, wenn ein Verein von der Hilfe für kranke Kinder schreibt? Wurde ein Trösterteddy gespendet oder wirklich die Behandlung bezahlt? Wie viel wurde insgesamt eingenommen und wofür das Geld verwendet?
Unglaubliche Zustände
Geradezu unglaubliche Zustände werden in dem Buch beschrieben. Und die Politik tut nichts dagegen. Im Gegenteil: Bisherige Sammlungsgesetze wurden ersatzlos gestrichen und damit die betrügerisch operierenden Sammelkönige geradezu zum Missbrauch animiert. Sogar beim in Deutschland so hoch gelobten Datenschutz gibt es für gemeinnützige Organisationen eine Ausnahmeregelung. Persönliche Daten können frei gehandelt werden. Da darf man sich nicht mal wundern, wenn ein unbekannter Verein einfach Geld von einem Konto abbucht. Loipfinger berichtet von einem Fall, bei dem CDs mit 250.000 Adressen, Kontonummern, Unterschriften und mehr angeboten wurden. Auch wenn wenigstens das nicht legal war, so hat der zuständige Datenschutzbeauftragte den Fall trotzdem nicht wirklich ernsthaft verfolgt.
Nur an seriöse Organisationen spenden
Trotz all der bis ins Detail und anhand von reellen Fällen geschilderten Missbräuche, so betont das Buch doch die Notwendigkeit der Hilfe. Entscheidend ist allerdings, dass an seriöse und unterstützenswerte Organisationen gespendet wird. Bisher fehlt in der breiten Bevölkerung eine Sensibilität für das Thema. Nur weil ein angeblicher Gutmensch von tollen Taten berichtet, wird meist der gesunde kritische Blick hinter die Hochglanzfassade vergessen. Doch wer die Spendenmafia gelesen hat, der wird zukünftig auf die fiesen Tricks der Abkassierer nicht mehr herein fallen.
Empfehlenswert
Deshalb ist das Buch besonders wertvoll. Es ist locker und spannend geschrieben, was in Verbindung mit den vielen Informationen und reellen Fallbeispielen so einige Aha-Effekte hinterlässt. Und zu guter Letzt kommt der Kauf sogar einer indirekten Spende gleich - schließlich profitieren vor allem die Hilfsbedürftigen davon, wenn die jährlichen Spendenmilliarden dort ankommen, wo auch wirklich der Großteil des Geldes in die guten Taten fließt.
Die Spendenmafia kostet 8,99 Euro und ist als Taschenbuch im Knaur-Verlag erschienen. Mit der ISBN (ISBN: 978-3-426-78498-3) ist es im Buchhandel erwerbbar oder einfach mit folgendem Link online bestellbar: Die Spendenmafia: Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (26.10. 2011 18:27 Uhr):
Mit den Euro-"Solidaritäts"-"Rettungen" ist es doch geanuso: Das Geld kassieren doch erstmal die leichtfertigen und gierigen Geldgeber, also Banken, Versicherungen usw.
Antworten- Antwort von Albert Karl (26.10. 2011 23:15 Uhr):
...........die dann - wie wir ja alle wissen -, ordentliche Gewinne abstauben und wenn sie durch Spekulationen in Schieflage kommen, sich nicht schämen, nach dem Staat und damit dem Steuerzahler und Bürger rufen! Solche Schulden sollen dann durch Leichtsinn, Gier, Unverantworlichkeit noch sozialisiert werden. Unglaublich was sich hier abspielt. Dieser geldgier getriebene Kapitalismus hat mit der sozialen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard absolut nichts mehr am Hut!
- Antwort von Albert Karl (26.10. 2011 23:15 Uhr):