Brot und Hypotheken
Mike Shedlock in Investors Daily
vom 30. Mai 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Was würden Sie von einer Regierung halten, die beschließt, dass der Preis für Brot viel zu hoch ist und die deshalb hingeht und eine Bäckerkette eröffnet, die das Brot zum "richtigen" Preis verkauft? Was wäre, wenn die Regierung beschlösse, dass der Preis für Orangensaft aus Florida zu hoch ist und deshalb anfinge, den Orangensaft fässerweise zu verkaufen? Wenn so etwas passierte, würden Sie dann nicht auf die Spitze eines Berges steigen und brüllen, weil das alles so verrückt ist? Sehen Sie, genau wie ich!
Wieso aber schreit dann niemand? Die Washington Post berichtet, dass der Minister für Housing and Urban Development (Ministerium für Wohnungswesen und Stadtentwicklung), Alphonso Jackson, eine Nachricht für die höchsten Kreditgeber hat: "Wir müssen versuchen, auch die Afro-Amerikaner, die Hispanoamerikaner und andere Erstkäufer mit einem speziellen Kreditkonzept, flexibleren Richtlinien und schnellerem Service zu erreichen", sagte Jackson in einem Interview. "Ich bin sehr nachdrücklich darum bemüht, unseren Anteil am Markt zurück zu gewinnen, den wir an die weniger großen Kreditgeber verloren haben."
Entschuldigung? Seit wann ist es die Aufgabe einer Bundesregierung, Marktanteile am Kreditmarkt für Immobilien "zurück zu gewinnen"? Worin unterscheidet sich das noch von Regierungen, die Bäckereien aufmachen, um gegen die zu hohen Preise der privaten Bäckereien anzukämpfen?
Jackson hat seine Gründe, wenn er will, dass die Erstkäufer ihre Kredite von seinem Ministerium bekommen. Diese Hypotheken machten noch 1995 elf Prozent des Binnenmarktes aus, lagen aber 2003 bei nur noch 4,3 Prozent und 2004 bei 3,3 Prozent.
Nun, das ist hübsch, aber was mich anbelangt, ich möchte nicht, dass die Regierung Risiken des Marktes übernimmt, ganz besonders nicht nach diesem Anlauf bei Wohnungen. Plötzlich, nachdem manche Gegenden in nur einem Jahr in den Genuss von 100 Prozent kamen, denkt die FHA (Federal Housing Adminstration), dass die kleineren Anbieter in diesem Bereich betrügen. Eine Möglichkeit, dieses Problem anzugehen, bestünde darin, die Zinssätze zu beschneiden. Aber das kommt wohl nicht in Frage.
Stattdessen erleben wir, wie der Kongress das Gesetz der garantierten Deflation 2005 erlässt, auch bekannt als Gesetz zur Vermeidung des Missbrauchs von Konkursen und für den Verbraucherschutz 2005. Dieses angebliche Gesetz zum "Verbraucherschutz" beschneidet die Zinssätze nicht, es beschneidet auch die Gebühren nicht und es macht keine Zugeständnisse für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, hohe medizinische Ausgaben haben oder Ähnliches. Es ist tatsächlich das am stärksten gegen den Verbraucher gerichtete Gesetz in der Geschichte Amerikas. Wann immer dieser Kongress ein Gesetz erlässt, dass behauptet, es wolle irgendetwas "schützen", gehen Sie davon aus, dass das Gegenteil der Fall sein wird, und Sie liegen in 98 Prozent der Fälle richtig. Wenn es wirklich eine Sache gibt, die einer Reform bedarf, dann ist sie im Bereich Wuchergesetze durchzuführen, um den wahnsinnigen Anstieg von Krediten aufzuhalten. Stattdessen hat sich die FHA jetzt entschlossen, mit den privaten Geschäften am aufgedunsenen Wohnungsmarkt in den Wettbewerb zu treten.
Und als ob das noch nicht genug wäre, drängt Bush jetzt auch noch zu Steuervergünstigungen für Hausbauer. "Um die Hausverkäufe noch weiter anzukurbeln, muss der Kongress meinem Gesetz für Steuerermäßigungen für Besitzer von Einfamilienhäusern zustimmen", sagte Bush vor einem Treffen der nationalen Vereinigung der IMMOBILIENMAKLER. Er sagte, dass die Vergünstigungen das Angebot an bezahlbaren Einfamilienhäusern allein im nächsten Jahr um 50.000 steigern würde, mit dem Ziel, in den nächsten zehn Jahren bei sieben Millionen bezahlbaren Häusern zu sein.
Präsident Bush sagte, dass der rapide Anstieg am Immobilienmarkt noch weiter gefördert werden könnte, wenn der Kongress Steuervergünstigungen erließe, die die Bauunternehmen dazu brächten, auch die Mittelschicht zu erfassen. Die Vergünstigungen lägen bei 2,5 Milliarden Dollar in mehr als fünf Jahren. In der Rede sagte Bush, dass die Zahl der Hausbesitzer im Jahr 2004 einen Rekord erreicht hätte. 69 Prozent der amerikanischen Familien besaßen 2004 ein eigenes Haus. "Heute gibt es in Amerika 74 Millionen Hausbesitzer. Und das sind mehr als je zuvor in unserer Nation." sagte er.
Und gerade dann, wenn man denkt, dass die Dinge jetzt nicht mehr dümmer werden können, dann werden sie dümmer, viel dümmer. Laut der zuletzt veröffentlichten Zahlen aus dem Handelsministerium sind die Verkaufszahlen für Neubauten im März um 12 Prozent angestiegen; auf einen Rekord von 1431 Millionen zu den saisonbereinigten Sätzen. Die Zahl schlug den bisherigen Rekord von 1.304 Millionen Häusern, der im Oktober erreicht wurde. Es war der stärkste prozentuelle Anstieg der letzten zwölf Jahre. Ist das wirklich ein Geschäftszweig, der Steuerbegünstigungen braucht?
Die Verkäufe von Neubauten erreichen den höchsten Wert aller Zeiten. 69 Prozent aller amerikanischen Familien besitzen ein eigenes Haus, die Preise sind verzerrt, aber ... die FHA
möchte mit den kleineren Kreditgebern in den Wettbewerb treten und der Präsident will einem Industriezweig zu Steuerersparnissen verhelfen, der in den letzten Jahren Rekordgewinne eingefahren hat. Ist das nicht absolut dumm?
Seien Sie versichert, dass Wohnungen wesentlich günstiger wären, wenn wir keine Politik der "ownership society" betrieben, die Fannie Mae und Freddy Mac ermuntert, jedem, der atmet, 125 Prozent Hypotheken zuzusagen. Verbinden sie das mit lockeren Kreditbedingungen die allein auf dem Vertrauen basieren, dass Fannie und Freddie viel zu groß sind, als dass sie versagen könnten und es verwundert niemanden mehr, dass die Wohnungspreise jeden Rahmen sprengen. Die Kreditvergabestandards sind nichts mehr wert, aber die Gesellschaft sagt, ganz egal, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist oder nicht, wir geben ihnen den Kredit, damit sie kaufen können. Die kleineren Kreditgeber wirken ein wenig besorgt (wenn auch, meiner Ansicht nach nicht besorgt genug), also haben sie die Gebühren angehoben.
Und dann kommt die Regierung daher und will mit den öffentlichen Firmen in den Wettbewerb treten. Ist das ein schlechter Traum oder haben wir wirklich einen republikanischen Präsidenten und einen republikanischen Kongress, die solche Dinge tun?
Was auch immer davon zu halten ist, ich glaube, die Regierung hat nicht die geringste Ahnung, wie man die Firmen dazu bringen kann, amerikanische Arbeiter einzustellen. Und deshalb schmieren sie das letzte (Immobilien), was diesen Watteball noch zusammen hält. In der Zwischenzeit wird es immer teurer, irgendetwas zu besitzen.
Im Jahr 2001 waren noch nur 2 Prozent der Hypotheken solche, bei denen man nur die Zinsen zahlte. 2004 lagen sie schon bei 49 Prozent, die einzige Möglichkeit ,sich Wohnraum leisten zu können, hängt bei den Neueinsteigern an der Frage: "Wie hohe monatliche Zahlungen kann ich mir leisten?" Wären da nicht die Bereitschaft der GSE (government sponsored enterprises), jedem Geld zu leihen, die Politik der Regierung, die auf Eigentum orientiert ist und die absurd niedrigen Zinssätze, die die Immobilienblase finanziert haben, dann wären wir wohl nie in dieses Chaos rein geraten. Jetzt wollen Bush und die FHA diesen Wahnsinn im Gang halten, indem sie Brot (und Kredite) für den "richtigen" Preis verkaufen.
Da man sich unmöglich vorstellen kann, dass diese Sache gut ausgeht, denke ich, es ist eine bombensichere Vermutung, dass sie nicht gut ausgehen wird.