Briefmarkensammlungen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Juni 2007 07:30 Uhr
ENL5462
“I`m just sitting here watching the wheels go round and round …" (Ich sitze nur hier und beobachte wie sich die Räder drehen und drehen und drehen...)
Und das Geld der Welt dreht sich auch weiter und weiter.
Zumindest im Westen wird “denen, die haben, gegeben”, Lehman Bros. gab bekannt, dass die Gewinne im letzten Quartal um 27% gestiegen sind. Die gesamte Finanzindustrie kommt momentan in den Genuss von Ruhm. Kein Geschäftszweig ist rentabler. Und kein Geschäftszweig ist mehr in Mode. Mehr als ein Drittel der Absolventen der Harvard Business School von 2007 wollen in Hedgefonds oder Private Equity Fonds einsteigen. Diese Willie Sutton Memorial Wissenschaftler folgen dem Geld, und das Geld steckt nicht in der Erzeugung von Wohlstand, sondern in dessen Umverteilung.
Währenddessen hat Bill Gross, der den größten Anleihenfonds – Pimco – leitet, seine Briefmarkensammlung für 9,1 Millionen Dollar verkauft. Er hat die Marken, - darunter seltene „Penny Blacks“, die ersten Postbriefmarken aus Großbritannien – im Laufe von 10 Jahren gekauft. Bei einer Auktion in dieser Woche wurden die Marken für das zehnfache dessen verkauft, was sie einmal gekostet haben. Gross braucht das Geld nicht, er hat die Einnahmen an Ärzte ohne Grenzen gespendet, einem französischen Wohlfahrtsunternehmen, das freiwillige Ärzte dahin schickt, wo sie gebraucht werden.
Weiter unten auf der sozialwirtschaftlichen Leiter „wird denen, die nichts haben, nichts gegeben.“ Die Leute auf den unteren Stufen haben keine Aktien von Finanzunternehmen, sie besuchen nicht die Harvard Business School und sie haben auch keine Briefmarkensammlung im Wert mehrerer Millionen Dollar. Was sie haben, das sind Schulden – und davon haben sie eine ganze Menge.
Solang die Immobilienpreise gestiegen sind und die Zinssätze gesunken, waren Schulden kein Problem. Die breite Masse konnte zu günstigeren Zinssätzen refinanzieren und stand schließlich mit mehr Geld zum Ausgeben da. Aber heute sinken die Immobilienpreise und die Zinssätze steigen.
In einer jüngeren Studie in einer Zeitung aus San Diego heißt es, dass der Einbruch bei Immobilien noch bis weit in das Jahr 2008 hinein andauern wird. Selbst diese Typen sind meiner Meinung nach übermäßig optimistisch. “Die Kraft der Korrektur wird so groß sein wie die Täuschung, die ihr voranging und ihr entgegengesetzt“, habe ich irgendwann einmal geschrieben. Dem größten Immobilienboom in hundert Jahren wird vermutlich eine Krise von mehr als zwei Jahren Dauer und ein Rückgang um mehr als 2% oder 3% folgen, würde ich sagen.
Und die Zeitungen scheinen mir zuzustimmen. In den jüngsten Nachrichten von Bloomberg heißt es: „Der Anteil der Hypotheken, die gekündigt wurden, ist im Mai um 90% gestiegen.“ Natürlich liegen die Zahlen für Juni, Juli, August, September und all die anderen Monate noch vor uns.
Und gestern sind auch die Anleihen wieder gefallen und haben die Erträge auf die Schatzbriefe über zehn Jahre auf 5,24% gebracht, schlechte Nachrichten für Schuldner, Hausbesitzer und die Immobilienindustrie.
Zwei weitere Artikel weisen darauf hin, dass Boomoisie Americanus den Druck zu spüren bekommt. Zum ersten Mal überhaupt geht man beispielsweise davon aus, dass diese Spezies in diesem Jahr weniger Meilen zurücklegen wird. Und jetzt erfahre ich aus dem Houston Chronicle, dass die „Boomer ihren Ruhestand hinausschieben.“
Ich selbst billige weder Ferien noch Ruhestand. Wenn man nicht mehr bei der Arbeit auftaucht, dann fällt den Angestellten wahrscheinlicher auf, dass man die ganze Zeit sowieso nichts getan hat. Abgesehen davon ist es ein Rückschritt, wenn man aufhört, das zu tun, was man getan hat, ganz egal, was es war. Es ist leichter bei der Arbeit so zu tun, als täte man etwas sinnvolles, als so zu tun, als genieße man es, überhaupt nichts zu tun.
Dennoch bezweifle ich, dass die amerikanischen Boomer ihren Ruhestand hinausschieben, weil sie länger zur Arbeitskraft zählen wollen: Es ist wahrscheinlicher, dass sie länger arbeiten, weil sie müssen, nicht weil sie wollen. Auch fahren sie nicht weniger Auto, weil sie die Umwelt vor CO2 schützen wollen, sondern wahrscheinlich eher, weil sie auf den Preis für Benzin reagieren.
Diese Verzweigung der amerikanischen Bevölkerung – mit Reichen, die reicher werden und Armen, die ärmer werden – beschäftigt viele Leute. Bill Gates sagt, dass er viel Zeit und Geld für eine Lösung des Problems investieren will. Und die New York Times brachte das vorherzusehende Gequatsche über das Thema. Sie schreibt, wir bräuchten mehr „Gleichheit“ in den USA. Warum brauchen wir mehr Gleichheit? Die New York Times scheint nicht davon auszugehen, dass das eine Erklärung benötigt. Doch die Zeitung gibt auch zu, dass sie nicht weiß, wie man zur Gleichheit kommt. Also fällt man auf eine „Lösung“ zurück, von der man sogar weiß, dass sie zur Hälfte Unsinn und zur anderen Hälfte eine beruhigende Lüge ist. Es ist nötig, schreibt die Zeitung, dass sich mehr Amerikaner im College einschreiben und es auch abschließen.
Das ist das Schöne daran, wenn man ein Nachrichtenmann bei der New York Times ist. Man muss nur sehr selten nachdenken. Bill Gates z.B. hat sein College nicht abgeschlossen. Ebenso wenig wie viele andere Leute, die auf neue Erfindungen und neue Geschäftsideen kamen. Dafür ist der Besuch des Colleges oft gleichgültig. Abgesehen davon scheint der New York Times nicht aufzufallen, dass die Lücke zwischen arm und reich erst seit 1970 immer weiter auseinander klafft – und das heißt, nachdem immer mehr Leute zum College gegangen sind.
Und dennoch liegt die Zeitung mit einer Sache richtig. Die Absolventen der Harvard Business School wissen, wo das Geld zu finden ist. Das Geld wird heute von Leuten gemacht, die Anlagewerte haben, die im Preis steigen ... oder von den Geldschiebern, die die Anlagewerte verschachern, d.h. zeitgenössische Künstler, schicke Restaurants, die Maestros der Hedgefonds ... die Geldmischer. Wie die New York Times sind auch sie für die Gleichmachung und für die Umverteilung von Reichtum. Ja, indem sie den reichen Leuten Möglichkeiten geben, ihr überschüssiges Wechselgeld los zu werden, verteilen sie es neu, auf sich selbst.
Irgendwann werden wir alle zur Harvard Business School gehen und lernen, wie man das Geld mischt. Ich kann es gar nicht mehr abwarten.
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