BRIC bröckelt
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 14. Februar 2007 19:00 Uhr
ENL5454
Das war schon eine geniale Idee von der US-Investmentbank Goldman Sachs – die 4 wichtigsten wachstumsstärksten Emerging Markets in einer Formel zusammen zu fassen: B für Brasilien, R für Russland, I für Indien und C, natürlich, steht für China.
Doch die BRIC-Formel fängt an zu bröckeln. Der Grund dafür ist das B. Denn Brasilien ist dabei, den Anschluss zu verlieren. Der brasilianische Leitindex Bovespa ist historisch schon immer niedrig bewertet. Derzeit wird der Bovespa mit einem KGV von 10,6 bewertet. Der Durchschnitt liegt bei 11,9. Die entspricht einem Aufholpotenzial von rund 12% gegenüber dem Durchschnitt der lateinamerikanischen Börsen. Nur zum Vergleich: Die chilenische Börse ist mit einem KGV von über 16,2 schon deutlich teurer als Brasilien, gefolgt von Mexiko mit 13,3 und Argentinien mit 10,1.
Doch dieser Blick sagt noch wenig über den Zustand einer Volkswirtschaft. Die prognostizierten BIP-Wachstumsraten für Brasilien von 3,6% und 3,5% für 2007 und 2008 liegen deutlich unter dem Lateinamerika-Durchschnitt von 4,5% und 4,1%. Damit gehört Brasilien also nicht zu den am schnellsten wachsenden Ländern Lateinamerikas. Hier wird nach den Prognosen Argentinien mit über 7,3% in diesem Jahr den Vogel abschießen.
Doch was nutzt einem ein tolles BIP-Wachstum, wenn es von der Inflation wieder aufgefressen wird. Denn Argentinien greift in den nächsten 2 Jahren mit einer Inflationsrate von 11% richtig tief ins Portmonee der Leute. Anders in Brasilien. Hier zeigt sich, dass Brasilien unter dem sozialistischen Präsidenten Lula offensichtlich doch seine Hausaufgaben gemacht hat. Denn die Inflationsrate wird nur bei 3,8% – deutlich unter dem Lateinamerika-Durchschnitt.