Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom
Ich komme immer mehr an den Punkt, an dem ich mir ernsthaft die Frage stelle, ob wir nicht schlichtweg endlich unsere Form der Demokratie verstärkt auf den Souverän, also das Volk ausrichten sollten. Ich bin zwar,so vermute ich, nicht unbedingt der gleichen Meinung wie die Mehrheit der Deutschen, aber das macht nichts. Denn in einer echten plebiszitären Demokratie geht es nicht darum, mit allen Mitteln seine Meinung durchzusetzen, sondern es geht darum die Entscheidung der Gesamtheit mündiger und damit zwingend informierter Bürger mit zu tragen. Ganz egal, wie diese Entscheidung ausfällt, ganz egal, wie schwierig die Konsequenzen sind - eine Entscheidung die ein Volk gemeinsam trifft, wird ein Volk auch gemeinsam tragen müssen. Abgesehen davon, ist mittlerweile doch alles besser als das nicht-vorhandene Krisenmanagement der offenbar zu Unrecht von uns bezahlten Häuptlinge.
Pro oder Contra Zone - alles hat Konsequenzen
In meinem gestrigen Beitrag hatte ich davon gewarnt, die Konsequenzen eines Auseinanderbrechens der Eurozone zu sehr auf die lockere Schulter zu nehmen. Ich hatte davor gewarnt, sich einer falschen Illusion hin zu geben - denn zu glauben, dass wir einfach einen Schritt zurück tun und die Eurozone ungeschehen machen könnten ist illusorisch. Heute sind wir über unser gemeinsames Geld, aber vor allem über die gemeinsame Zentralbank und den gemeinsamen Wirtschaftsraum so eng in der Eurozone verflochten, dass wir bei einem unkontrollierten Auseinanderbrechen Hunderte Milliarden Euro und mit den sehr wahrscheinlich folgenden weiteren negativen Auswirkungen noch weit mehr an Schaden verkraften müssten. (siehe meinen gestrigen Beitrag).
Also spreche ich mich heute, genauso wie ich zur Jahrtausendwende gegen einen Euro-Beitritt war (gut, das können Sie nicht nachprüfen, war aber so und ich musste als junger Mensch einige sehr hitzige Diskussionen führen), ebenso gegen einen Euro-Austritt aus. Allerdings unter der Bedingung, dass die Zone nicht so weiter geführt wird, wie bisher. Oder anders gesagt: wenn die Zone überleben soll, dann muss sie in eine fiskalische und politische Union führen. Ich sage das, weil ich zugegeben in Geldfragen, schon immer sehr konservative Ansichten vertreten habe. Unkontrollierte Emotionen liegen mir nicht, ich bin eher der Typ, der dafür eintritt, aus bestehenden Verhältnissen, stabile Verhältnisse zu machen und diese zu wahren.
Aber das ist meine Meinung! Viele von Ihnen, liebe Leser, sind anderer Meinung - und das ist Ihr gutes Recht.
Denn gerade in der Frage "Pro oder Contra Zone" gibt es keine allumfassende Einsicht, keine einzig wahre und richtige Antwort. Aus dem einfachen Grund: weil beide Wege schwer, steinig und gefährlich sind. Eine Antwort nach dem Motto: machen wir das und alles wird sofort super, die gibt es nicht.
Für mich ist eigentlich nur wichtig, dass Sie und am besten jeder mündige Bürger dieses Kontinents, also wir alle, so umfassend, wie möglich, informiert sind. Wichtig ist, sich die möglichen Konsequenzen jeder Entscheidung bewusst zu machen und erst dann eine Entscheidung zu treffen.
Deshalb plädiere ich ernsthaft für die plebiszitäre Demokratie!
Liebe Eurozonen-Mitbürger, es ist nicht so, dass der durchschnittliche Schweizer ganz grundsätzlich ein anderer Mensch ist, als der durchschnittliche Bewohner eines anderen Landes. Der Grund dafür, dass die Schweizer Mehrheitsentscheide die Schweiz zu einem der stabilsten Länder der Welt gemacht haben, liegt meiner Meinung nach darin, dass eine Entscheidung die von einer Mehrheit getroffen wird, auch von einer Mehrheit getragen wird. Und, was sehr wichtig ist, in der Schweiz erfolgt keine Entscheidung, ohne dass jeder Wahlberechtigte vorher in Form einer verständlich aufgearbeiteten Broschüre (in der alle begründeten Meinungen zur Thematik aufgeführt sind) umfassend über die Thematik informiert wird.
Soll heißen, egal wie schwierig die Sachfrage ist, egal ob es sich um Steuergesetze, Kulturfragen oder den Euro-Beitritt handelt, der Schweizer erhält alle Informationen zu Pro und Contra, den jeweiligen Befürchtungen und Konsequenzen - und dann entscheidet er.
Das liebe Eurozonen-Mitbürger können wir auch - davon bin ich überzeugt. Vielleicht ändert der eine oder andere seine Meinung dann noch. Vielleicht würden in so einem Fall aber auch tatsächlich 79% der Deutschen für einen Euro-Austritt plädieren. Nun ja...dann soll es so sein...wichtig ist nur, dass der Souverän endlich eigenverantwortlich handeln kann und der offenbar völlig überforderten, unsicheren und verzweifelten Polit-Elite endlich die schwere Bürde abnimmt.
Nun ja...so viel einmal dazu....
Aber damit ist das Thema "Pro oder Contra Zone" natürlich nicht abgeschlossen. Zumal ich davon ausgehe, dass hier generell großer Informations- und auch Diskussions-Bedarf besteht. So habe ich zu meinem gestrigen Beitrag sehr viele Kommentare und auch Anfragen erhalten. Diese möchte ich Ihnen im 2.Teil vorstellen und damit den Weg für eine freie Auseinandersetzung mit dem Thema eröffnen. Also, bitte liebe Leser, sprechen Sie gerne mit über Kommentarfunktion oder per E-mail, wie Sie wollen.
Am kommenden Freitag werde ich noch einmal auf einige Fragen und Passagen aus den verschiedenen Kommentaren eingehen und dabei noch einige Zusammenhänge erklären.
So long liebe Leser...und damit verabschiede ich mich für heute und bis Freitag, hoffe Sie gehören auch zu den Glücklichen, die morgen einen Feiertag genießen dürfen und überlasse nun das Wort Ihnen im 2.Teil....liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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- Kommentar von richter
Sie haben absolut Recht mit Ihrer Aussage und argumentieren Folgerichtig, was immer man auch hinzufügen könnte würde nichts an den Gegebenheiten verändern und das was jetzt geschieht, sollte von jedem Einzelnen mitentschieden und getragen werden, Generationen werden davon betroffen sein!
Antworten- Kommentar von CRL
Bin auch dafür, aber traurig ist, daß die Bürgerbeteiligung in CH tendenziell abnimmt; m.E. wichtig ist, daß plebiszitaire Demokratie für Lebens-verändernde Entscheidungen qualifizierte Mehrheiten vorsehen sollte, nicht weniger als 2/3 - was die Schweiz auch nicht hat - dauert länger, aber durch damit starken Konsens friedlicher - ähnlich Nemawashi Entscheidungsfindung in Japan
Antworten- Kommentar von Wilhelm Meier
schön, dass Sie sich für Mehrheitsbeschlüsse aussprechen, doch in dieser unserer Republik entstand seit einigen Jahren eine Strömung, die immer mehr auf die Umsetzung von Minderheitsinteressen basiert. Und Beschlüsse, die jeden einzelnen Bürger betreffen, werden unter Ausschluss aller getroffen. Bestes Beispiel, die ganzen sog.Euro-Rettungspakete, die waren meines Wissens in keinem der Parteiprogramme vor der Bundestagswahl 2009 genannt worden.
Antworten- Kommentar von Meinrad Lacher
Eine Volksdemokratie ist die Beste aller schlechten Staatsformen! Leider geht es heute in die Richtung einer starken Zentralisierung.Und das Problem ist, dass sich die Politiker abgehoben haben. Sie leben in einer eigenen Welt. Ein Grund ist, dass es praktisch nur noch Juristen und Lehrer sind, die noch nie schmutzige Hände von der Arbeit hatten. Dadurch fühlen sie sich "dem Volk" überlegen und glauben, diesem sagen zu müssen, wie`s geht. Mein einfaches Gegenargument: wenn sie so intelligent wären, wie sie sich geben, warum haben wir denn heute diesen Schlamassel? Da könnten sie sich doch ein Beispiel der Haushalte (Hausfrauen) nehmen: ich denke so 90% kommen mit dem Geld aus, das sie einnehmen!!! Auch in der Schweiz will uns die Politik immer wieder weis machen, dass die Themen zu komplex seien für das Volk, aber immer nur dann, wenn ihnen ein Abstimmungsresultat nicht passt! Das Volk ist nur gut, zu bezahlen.Es gibt bis heute keine einzige Volksentscheidung, die dumm , blödsinnig oder kriminell war. Es gab höchstens solche, die einigen Damen/Herren/Parteien nicht passten. Ja, das Volk hat schon mehr als einmal Steuererhöhungen zugestimmt, wenn es das Gefühl hatte, dass das Geld nötig war.Wo gibt es das sonst? Das Volksempfinden ist gut und manchmal sogar viel besser als dasjenige der Politiker, die eigentlich in den meisten Fällen nur Schreibtischtäter sind. Ein Beispiel? 25 EU-Regierungen haben dem Fiskalpakt mit dem ESM zugestimmt.Weiss das Volk, dass sie mit dem ESM die Hoheit über ihren eigenen Haushalt nach Brüssel abgeben? Dass Europa nachher ein reiner Sozialisten_/Zentralstaat ist wie es Russland zu "seinen besten"Zeiten war? Dass sie von ein paar nicht vom Volk gewählten Brüsseler-Technokraten regiert werden. Ist es das, was das Volk will.Ich prophezeie: wenn dies kommt und die Auswirkungen sichtbar werden, gibts Krieg. Armes Europa! Zum Schluss noch ein Vorschlag: Die Bezüge der Politiker soweit kürzen, das jeder mindestens einen Halbtags-Job annehmen muss, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.Ergebnis wäre: sie müssten mit diesen zum Teil von ihnen erlassenen idiotischen Gesetze und Vorschriften arbeiten, was wiederum bedeuten würde, dass es in Zukunft viel weniger Gesetze gäbe, der Staat viel Geld sparen würde und das Leben wieder einfacher und lebenswerter würde.
Antworten- Kommentar von Klose
Liebe Frau Kraus ! Ihre Forderung nach einem Plebiszit kann ich voll und ganz unterstützen. Am besten nach dem Schweizer Vorbild. Aber dazu wäre eine Änderung des Grundgesetzes nötig. Das ist zwar möglich (es ist ja schon einige Male gemacht worden), aber dagegen werden sich unsere Politiker vehement wehren denn für sie sind wir nur der Plebs, der Pöbel. Demokratie ? Für uns Bürger endet die Demokratie stets bei Abgabe der Stimmzettel an der Wahlurne. Danach entscheidet die Regierung in diktatorischer Form. Besonders Frau Merkel. Der Volksentscheid ist daher unverzichtbar und das nicht nur bei Fragen zu EU und Euro sondern auch bei Themen wie Einsatz der Bundeswehr in Kriegsgebieten oder Wahl des Bundespräsidenten. Mehr Demokratie ist dringend notwendig. Mfg. B.Klose
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- Kommentar von Dr Wolf Kalz
Ich fürchte, liebe Miriam Kraus, daß ich vorhin voreilig auf den Sendeknopf gedrückt hatte, und so ging mein "Kommentar", in welchem ich Sie als keck, beherzt und - subjektiv gepriesen hatte, namenlos an Sie ab. Und da war ja auch die Sache mit Ihrem Plädoyer für das Plebiszit. - Ich sagte:, das wäre schon gut, wenn wir in Deutschland noch ein VOLK hätten. Aber so - - -?! Ihnen einen herzlichen Gruß!
Antworten- Kommentar von Adelsberger
Es ist schwierig für eine Regierung, wenn sie die Basis nicht kennt. Sie wird von der Wirtschaft gesponsert, deren Interessen sie auch vertreten soll. Das heißt jedoch nicht, dass das gleichzeitig auch gut fürs Volk ist. Sie wollten Griechenland helfen und habens nicht geschafft, weil sie Griechenland nicht verstehen. Sie versuchens mit Druck und so gehts halt gar nicht. Es stimmen einfach interne Dinge nicht. Es gab ja auch innerhalb Deutschlands genug Fehlentscheidungen, Verzögerungen. Diese Pro und Contra Geschichte und dann das Volk entscheiden lassen, hat mir schon bei Stuttgart 21 nicht gefallen.Es war falsch formuliert. Es gibt immer noch zu Viele, die nie schlechte Zeiten erlebt haben oder keine Ahnung von Natur oder eigene Kinder haben und schlechte Jobsituation oder sonstige Kernthemen direkt betreffend erlebt haben. Wie also können solche eine tragbare Entscheidung treffen, wenn sie nie in einer solchen Situation waren? Der Euro war ein Fehler, ganz klar und jetzt heißt es das Beste daraus machen und zusammenarbeiten! Gesamteuropäisches Konzept! Es kann nicht sein, dass hier "Alles" made in Taiwan oder China, aber gleichzeitig Eurostaaten kaputt gehen! Das macht keinen Sinn und d a ist auch Deutschland mit Schuld, wenn sie Menschenrechte verstößt und in Billigländer investiert, trotz das dort die Standarts nicht eingehalten werden. Siehe Adidas.
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