Brasilien will das Gesetz zur Abholzung des Regenwalds lockern!
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 24. Mai 2011, 17:00 Uhr
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Doch auch an Land sieht es nicht viel besser aus. Immer mehr Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen fallen dem Menschen zum Opfer. So berichtete das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung als Projekt von DIVERITAS Deutschland e.V., die unterstützt vom Bundesforschungsministerium von verschiedenen Universitäten und Forschungszentren durchgeführt werden, jüngst über die Abholzung des Regenwalds in Brasilien. Im Parlament wird derzeit über ein neues Gesetz diskutiert, das deutlich größere Flächen zur Abholzung freigeben würde als bisher. Damit soll die Plantagenwirtschaft gefördert werden, inzwischen ein sehr wichtiger Ertragsfaktor des schnell wachsenden Landes.
Nachdem in den vergangenen Jahren deutliche Erfolge im Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes erreicht werden konnten, wäre dieses Gesetz ein bedrohlicher Rückschlag. Prof. Andreas Huth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung warnt: „Wir können uns keine Erhöhung der Entwaldungsrate mehr leisten, wollen wir ernsthaft die durchschnittliche Klimaerwärmung unter zwei Grad Celsius halten." Gerade der Regenwald fungiert als wertvolle Kohlenstoffsenke, er enthält rund ein Sechstel des natürlich gespeicherten Kohlenstoffs.
Dazu kommt, dass heute noch niemand einschätzen kann, was es für Auswirkungen auf das Klima haben könnte, sollte dieses komplexe Ökosystem zusammenbrechen. Wann der Punkt gekommen ist, dass die zerstückelten Restwaldflächen zu klein werden, um es aufrecht zu erhalten, ist bisher nicht bekannt. Zumindest seine wertvolle Funktion als Wasserspeicher und Schutz vor Erosion hat der Regenwald an vielen Stellen bereits verloren, sodass es in Brasilien immer öfter zu schlimmen Überschwemmungen und Erdrutschen kommt, die viele Menschen das Leben kosten.
Plantagen statt Wald - das schädigt die natürliche Vielfalt
Und wer dringt in den Regenwald vor? Es sind Plantagen mit Zuckerrohr, Mais, Soja, Ölpalmen, Gummi und in speziellen Gebieten auch Kaffee und Kakao. Ist der empfindliche Boden dann erst einmal ausgelaugt, werden Rinder darauf geweidet, die wiederum große Mengen Methan ausstoßen, ein mindestens so gefährliches Klimagas wie Kohlenstoff. Und dazwischen buddeln sich die Bergwerke in den Boden, um die reichen Bodenschätze Brasiliens zu fördern. Ähnlich sieht es in vielen tropischen und subtropischen Ländern aus. Doch es geht auch anders. Selbst an der Börse können Sie Firmen finden, die nachhaltig wirtschaften. Dann ist der Aktienbesitz von entsprechenden Unternehmen sogar eine Förderung der Biodiversität und des Umweltschutzes.
Ich könnte jetzt noch lange weiter schreiben, was alles aus dem Rohstoffbereich schlimme Auswirkungen auf die Umwelt hat. Fangen wir beim einheimischen Rapsanbau in riesigen Monokulturen an, um daraus Biodiesel zu erzeugen. Wie gerade erst bei einem Forschungsprojekt festgestellt wurde, verleiten riesige blühende Felder die Bienen zu einem üppigen und bequemen Mahl. Die seltenen Wildpflanzen in der Umgebung werden dann nicht mehr bestäubt. Die Bienen wiederum werden durch die eingesetzten Pestizide massiv in ihrem Verhalten gestört. Sie bekommen zunehmend Orientierungsprobleme und finden dann ihren Stamm nicht mehr bzw. können nur noch eingeschränkt kommunizieren. Ohne Bienen jedoch bricht unsere einheimische Landwirtschaft zusammen. Sie sind als Bestäuber unersetzbar.
Die Gewinnung von Öl und Gas gefährdet auch ohne Unfälle die Umwelt
Schlimme Auswirkungen erzeugt auch die Gewinnung von Ölsand in Kanada, die ganze Gebiete in Mondlandschaften verwandelt und auf Jahre hinaus vergiftet. Ebenso ist die einheimische Braunkohleförderung nicht gerade ein Gewinn für die Natur. Richtig gefährlich kann es beim Aufbrechen von Gasschiefer werden. Bis jetzt ist die Technik noch nicht gut erforscht, obgleich sie bereits in großem Maßstab angewendet wird. Auch in Deutschland sind erste Projekte in Vorbereitung. Doch es mehren sich die Hinweise, dass nicht nur direkt von den verwendeten giftigen Chemikalien große Gefahren ausgehen, sondern ebenfalls das Grundwasser verunreinigt werden kann. Und wie viel von dem befreiten Gas ungehindert in die Atmosphäre gelangt und wiederum zur Klimaveränderung beiträgt, weiß auch noch niemand. Über Probleme durch die Uranindustrie muss ich hier kein Wort mehr verlieren. Diesen schrecklichen Nachrichten konnte in jüngster Zeit niemand entgehen.
Achten Sie daher bei Ihren Börsenanlagen bitte auch immer darauf, ob mit dem Kapital, das Sie in eine Firma investieren, nachhaltige Projekte unterstützt werden oder ob diese damit die Umwelt schädigt. Solchen Unternehmen sollten Sie Ihr gutes Geld nicht zur Verfügung stellen.
Mit nachdenklichen Grüßen über die Qualität vieler Rohstoffaktien,
Ihre Daniela Knauer
PS: Interessieren Sie sich für das Thema? Soll ich einmal eine Themenreihe über Umweltgefährdung bzw. schonende Techniken im Bergbau schreiben und dabei die Projekte einiger Unternehmen untersuchen? Dann schreiben Sie mir doch bitte kurz mit der Kommentarfunktion unten Ihre Wünsche.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Antonio Wehrli (24.05. 2011 17:21 Uhr):
Sehr geehrte Frau Knauer, Herzlichen Dank für den guten Artikel! Ich würde mich freuen über Berichte von Unternehmen, die in diesem Sinne wirtschaften und wo man mit gutem Gewissen investieren kann. Eine solche Themenreihe kann allen und allem nur nützen. Herzlichen Dank!
Antworten - Kommentar von Bernd Fischer (24.05. 2011 17:47 Uhr):
Hallo, fr. knauer, der bergbau gehört zu den ökologisch schwierugsten themen der Rohstoffgewinnung. eine recherche zu den unternehmen wäre hilfreich. mit grüssen b. fischer
Antworten - Kommentar von Stefan Roppelt (24.05. 2011 19:27 Uhr):
Hallo Frau Knauer, eine wirklich sehr gute Idee, die "guten" von den "schlechten" Rohstoff-Unternehmen zu trennen. Würde mich über eine ausführliche Recherche sehr freuen. Danke schon jetzt!
Antworten - Kommentar von B Leistner (24.05. 2011 19:59 Uhr):
Weiter so, und danke, dass Sie sich des wichtigen Themas annehmen.
Antworten - Kommentar von dollmeier gerhard (24.05. 2011 20:06 Uhr):
schliesse mich dem kommentar von Herrn Wehrli an und bitte um eine Themenreihe die diese Probleme aufzeigt und die Veranwortung des Investors.
Antworten
- Kommentar von Katrin Voss (25.05. 2011 00:51 Uhr):
Hallo Frau Knauer, Ich begrüße Ihren nachdenklichen Bericht sehr. Habe heute selber über das Paradoxum nachgegrübelt, dass auf der Suche nach und der Gewinnung von Seltenerden für unsere sauberen Technologien wo anders auf unserem Planeten die Umwelt zerstört wird, nur damit unser Land sich des Umweltschutzes rühmen kann. Ich würde mich über die Vorstellung von Rohstoffunternehmen freuen, die umweltschonend und nachhaltig produzieren. Was halten Sie von Diamantenförderen, die im nunmehr befriedeten Sierra Leone Diamanten und Gold aus dem Flusskies herausholen? Geschieht dies ohne Chemie und Umweltzerstörung? Liebe Grüße aus HH
Antworten - Kommentar von dr Wiedersich (25.05. 2011 07:55 Uhr):
Hallo Frau Knauer, man kann Sie nur darin bestärken, weitere derartige Artikel zu verfassen. Es wäre sehr erfreulich, wenn Sie über in ökologischer Hinsicht positiv wirtschaftende Firmen berichten würden. Auf die Gefährdung der Natur, von der wir leben und von der wir ein Teil sind, habe ich publizistisch selbst schon öfter hingewiesen. Auf Börsenseiten darüber lesen zu können, halte ich für dringend notwendig und ist sehr erfreulich und dankenswert.
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