Daniel Wilhelmi ist als langjähriger Börsenjournalist aus Printmedien, zahlreichen Vorträgen und dem TV, z.B. „3sat-Börse“ oder „heute-journal“, bekannt.
Daniel Wilhelmi in Profit Radar zum Thema Global Anlegen
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Im letzten Profit Radar bin ich bereits auf das rasante Wirtschaftswachstum Brasiliens eingegangen, das an den Börsen, vor allem in Europa, weitgehend verkannt wird. Einer der Gründe: Wie so oft bei der Wahrnehmung der Emerging Markets können sich die Börsianer nicht von längst vergangenen Eindrücken lösen und die Länder so sehen, wie sie heute sind.
Bei Brasilien hat sich bei vielen Börsianern immer noch das Bild des instabilien, wachstumsarmen Landes eingebrannt, das vor 5-10 Jahren noch der Bremsklotz der BRIC-Staaten war. Und das war damals auch so. Doch das hat nichts mehr mit dem Brasilien von heute zu tun.
So ist Brasilien neben China einer der Hauptgewinner der Krise 2008/09. Das Land besitzt stabile Staatsfinanzen und ein intaktes Bankensystem. Tatsächlich gab es in Brasilien in 2008/09 keine einzige Bankenpleite. Davon können die westlichen Länder nur träumen.
Auch die Staatsverschuldung sieht ganz anders aus als noch von 10 Jahren. Inzwischen ist Brasilien an den weltweiten Kreditmärkten ein Netto-Gläubiger. Und selbst wenn es zu einem Double-Dip der Weltwirtschaft kommen sollte, so hat Brasilien mit Leitzinsen um 10% viel, viel Spielraum nach unten, um seine Wirtschaft zu stimmulieren.
Das ist eine ganz andere Ausgangsbasis als wir es in den USA oder Westeuropa sehen. Zwar finden in Brasilien im Oktober diesen Jahres Wahlen statt (und da wird in Brasilien traditionell mit richtig harten Bandagen gekämpft), aber alle Experten gehen davon aus, dass wir danach eine Kontinuität der bisherigen, so erfolgreichen Wirtschaftspolitik sehen werden. Die Wahlen dürften also maximal einen kurzfristigen negativen Effekt (aufgedeckte Skandale etc.) haben.