Brasilien, die Katastrophe scheint abgewendet.
Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 03. September 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Nach neusten Einschätzungen, insbesondere nach den am Montag gemeldeten Rekordüberschüssen in der Handelsbilanz, scheint das Schlimmste erst einmal abgewendet. Wäre nun auch noch Brasilien in den Bankrott geraten, hätte das nicht nur katastrophale Auswirkungen für den gesamten südamerikanischen Kontinent gehabt, sondern es hätte auch direkt auf die amerikanische Wirtschaft durchgeschlagen. Es stecken viele Kredite amerikanischer Banken und unzählige Investitionen anderer Firmen in Brasilien. Ein Bankrott hätte der gerade sowieso belasteten und auf schwachen Beinen stehenden amerikanische Wirtschaft eventuell den Todesstoß versetzen können. Das befürchteten zumindest einige Experten. Angefangen hatte alles im Frühsommer. Zu der Zeit befürchteten Investoren, der Linkskandidat Inácio Lula da Silva könne die brasilianische Präsidentschaftswahl im Oktober gewinnen und dann die Zinszahlungen des Landes einstellen. Daraufhin waren die Landeswährung und die Anleihen unter Druck geraten. Wie gefährlich die Lage war, erkennt man daran, dass der IWF relativ schnell und ohne viel Aufhebens reagierte, indem er Brasilien einen Kredit über 30 Mrd $ bewilligte. Der Linkskandidat Inácio Lula da Silva bekannte sich dann auch zu den IWF Bedingungen. Nun scheint das schlimmste abgewendet. Sogar die Risikoprämien auf brasilianische Staatsanleihen sinken. Es deutet alles darauf hin, dass sich die Lage beruhigt hat. Wirklich überwunden sind damit die Probleme Brasiliens und die der anderen süd- und mittelamerikanischen Länder nicht. Eine tickende Zeitbombe?