Bovespa-Index: Konsolidierung nimmt Fahrt auf
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 20. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
wenn in früheren Weltrezessionszyklen von Krise die Rede war, führte der Blick der Ökonomen nicht selten nach Südamerika. Viele Staaten des Kontinents verfügen ebenso wie jene in Afrika über unzählige wertvolle Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse, doch die ständig instabilen politischen Verhältnisse ließen von dem vermeintlichen Reichtum nur wenig bei den Menschen ankommen. Mit dem Aufstieg China zu einer festen Größe im Welthandel haben sich die Voraussetzungen grundlegend geändert. Während der weltwirtschaftlichen Boom-Phase von 2004 bis 2007 baute China seine Handelsbeziehungen zum dem Kontinent wegen seines hohen Rohstoffbedarfs kontinuierlich aus. Mit Ausnahme von Venezuela und Argentinien, deren Politik wieder auf Dirigismus und hohen Staatseinfluss ausgelegt ist, profitierten fast alle Länder des Kontinents vom Wirtschaftsaufschwung. Vor allem Brasilien verzeichnete neue Absatzrekorde beim Aushandel. Erstmals seit Jahrzehnten konnte das Land seine Auslandsschulden komplett zurückführen und den Wert seiner Währung, des Real, deutlich steigern. Der brasilianische Standardwerte-Index Bovespa schaffte es im Zuge der Rohstoffhausse des ersten Halbjahre 2008 sogar noch knapp bis über 70.000 Punkte, während die Indizes der großen Industrieländer schon wegzubrechen begannen. Doch ohne die Nachfrage aus etablierten Ökonomien war eine Fortsetzung dieser Sonderentwicklung nicht denkbar.
Nachfrageeinbruch bei Rohstoffen beendet Aufwärtstrend
Die drastischen Einbrüche bei den Rohstoffindizes, ausgelöst durch den Verfall des Ölpreises, brachten aber auch den Bovespa-Index ins Wanken. Innerhalb von nur sechs Monaten verlor das Marktbarometer knapp 57 Prozent an Wert. Der so plötzlich ausgelöste Rohstoffboom, bei dem die halbe Welt künftig Rapsöl statt raffiniertes Erdöl zum Auto fahren benutze sollte, war schneller in sich zusammengebrochen als die meisten Optimisten wahr haben wollten. Wirklich dramatisch hat sich dies aber in der Realwirtschaft noch nicht bemerkbar gemacht, denn der beabsichtigte Kapazitätsaufbau zu rascheren Verarbeitung vieler Rohstoffe ist dem nach wie vor als bürokratisch geltendem Land nicht wirklich voran gekommen. So baut zum Beispiel der deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp schon mehrere Jahre an einem hochmodernen Werk zur Stahlherstellung und Weiterverarbeitung, musste dafür aber schon wesentlich mehr investieren als geplant. Andererseits hat die Wirtschaft wegen der strukturellen Wachstumsprobleme nicht so viele Überkapazitäten aufbauen können wie zum Beispiel China und kämpft deshalb auch nicht mit einer hohen Zahl an Insolvenzen. Ganz verschont wurde Brasilien von der Krise aber natürlich nicht. Die Arbeitslosigkeit ist bereits wieder leicht gestiegen, die Konsumlaune ging deshalb leicht zurück.
Konjunkturpaket soll helfen
Präsident Lula da Silva stützt, wie seine amerikanischen und europäischen Kollegen, die Wirtschaft des Landes mit einem Konjunkturpaket. Im Hinblick auf die erfolgreiche Haushaltskonsolidierung der vergangenen Jahre kann es sich die Regierung leisten, zu den ohnehin notwendigen Infrastrukturmaßnahmen noch weitere in Auftrag zu geben. Zudem wird das Land so gut wie sicher die Fussball- Weltmeisterschaft 2014 zugesprochen bekommen, ist man doch einziger Bewerber für das Turnier. Im Vorgriff auf die Länge der zu erwartenden Baumaßnahmen dürfte sich daraus ein weiterer, vorgezogener Wachstumimpuls ergeben. Das alles wird aber nicht den gewünschten Erfolg bringen, wenn nicht der Hauptinvestor und -handelspartner, die USA, sich von seiner Wirtschaftkrise rasch erholt. So stark der Wachstumbeitrag der Chinesen für die brasilianische Wirtschaft auch ist, einen Ersatz für die US-Nachfrage stellen sie noch nicht dar.
Fortsetzung der Erholung vor dem Start
Die Erholung des Bovespa-Index innerhalb der bestehenden Baisse verlief seit dem Tiefpunkt bei knapp 30.000 Punkten von Ende Oktober 2008 in moderaten Bahnen. Zwar gewann der Index seither rund 30 Prozent an Wert, die erste schwere Hürde auf dem Weh zu einer nachhaltigen Bodenbildung bei 40.000 Punkten wurde aber bisher zweimal erfolglos getestet. Immerhin gelang es den Bullen aber einen flachen Aufwärtstrend zu etablieren, der sich durch steigende Hochpunkte auszeichnet. Aufwärtstrend und langfristiger Abwärtstrend bilden eine Dreiecksformation, in dessen Spitze der Kurs sich langsam hinein bewegt. In der Regel erfolgt nach abnehmender Volatilität häufig ein Ausbruch mit einer starken Bewegung nach oben oder unten. Dafür spricht auch der Zusammenlauf der drei kurz- bis mittelfristigen Durchschnittslinien 20-, 38- und 50-Tage. Im vorliegenden Fall stehen die Chancen für eine Aufwärtsbewegung noch besser als für einen Ausbruch nach unten. Hierzu müsste aber zunächst der Widerstandsbereich um 40.000 Punkte deutlich überwunden werden. MACD und Coppock-Indikator bilden hierzu ein positives Gesamtbild, denn beide bewegen sich auf ihre 0-Achse zu. Wird diese vom Indikator von unten nach oben durchschnitten entsteht ein neues Kaufsignal. Durchbricht der Bovespa die Marke von 40.000 Punkten besteht weiteres Potential bis 45.000 Punkte. Wird der Aufwärtstrend hingegen nach unten durchbrochen, muss mit einem Rückfall bis 32.000 Punkte gerechnet werden.
