Boomsektor: Windenergie in China
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 10. September 2009, 12:00 Uhr
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*** Gerade schaue ich, ob und wenn ja wie sich vom Boom der Windkraft in China profitieren lässt. Wie ich auf dieses Thema komme:
Der befreundete Kollege (edle Kombination!) Daniel Wilhelmi - übrigens auch mein Co-Autor des Buches „Unentdeckte Chancen" - hat mich darauf aufmerksam gemacht.
Er hat einige interessante Fakten recherchiert. Beispiel: Bis 2020 möchte China seine Windkraft-Kapazitäten verachtfachen. Das Geld für die Investitionen hat die chinesische Führung, denn die staatlichen Devisenreserven stehen bei mittlerweile gut 2.000.000.000.000 Dollar (genau, 2 Billionen Dollar). Das nötige Kleingeld ist also durchaus vorhanden.
Ich zitiere Daniel Wilhelmi:
"So gab die chinesische Regierung bekannt, dass man für 4 besonders windreiche Regionen die Einspeisevergütung aus Windkraft um 20% erhöhen wird. Damit sollen Investoren angezogen werden."
Interessante Sache, finde ich! Werde gleich dazu etwas weiter recherchieren.
*** Dass ich lieber auf Solar- oder Windenergie als auf fossile Energieträger setze, wissen Sie. Am liebsten mag ich es, wenn Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen, und wir mit entsprechenden Investments Geld verdienen. Deshalb möchte ich lieber von chinesischen Windenergie-Aktien profitieren als z.B. von einem Rohstoff-Explorer, der in Malawi Uranvorkommen exploriert und dabei skrupellos Bauern von ihrem Land vertreibt (hatte ich selber vor Ort recherchiert).
Das bringt mir natürlich auch Kritik ein. So ging dieser Trader´s Daily-Leser mit mir deswegen hart ins Gericht:
"Sie sind Volkswirtschaftler? Dann müssten wir uns doch einig sein, dass in einer Marktwirtschaft der Markt entscheidet, welche Technologie die volkswirtschaftlich (z.Zt.) sinnvollste ist. Also, warum die Hektik mit dem ´Umsteigen´ auf (erneuerbare) Energiequellen, die im Moment noch absolut unwirtschaftlich arbeiten (darum müssen sie auch subventioniert werden, und zwar kräftig) und in dem Maße, wie wir sie brauchen, gar nicht zur Verfügung stehen (und wahrscheinlich niemals stehen werden)? Also, der Markt wird das schon in die richtigen Wege leiten, wenn die Preise für Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran die neuen Energien wirtschaftlich machen. (...) Also (...) äußern Sie sich nicht nach dem Motto `Welch ein Glück, dass ich nicht weiß wovon ich rede, da lässt es sich viel ungenierter drauf los plappern`."
Meine Antwort:
Es gibt meiner Ansicht nach Bereiche, in denen der Markt nun einmal nicht funktioniert. Gerade als Volkswirt weiß ich das. Stichwort externe Effekte:
Damit wird zum Beispiel die Verschmutzung der Umwelt bezeichnet. Diese Umweltverschmutzung berücksichtigen in einer freien Marktwirtschaft die Unternehmen in ihrer Kosten/Nutzen-Rechnung nicht. Die Kosten zahlt aus Sicht des Unternehmens ein anderer (=wir alle), und deshalb sind es aus dieser Sicht keine Kosten. Es kommt deshalb zu einer Allokation, die gesamtwirtschaftlich NICHT sinnvoll ist. Da muss bzw. sollte der Staat eingreifen. Und zwar in der Form, dass die externen Effekte als Kosten dem verursachenden Unternehmen selbst zugerechnet werden. Ich halte dies nicht für „ungeniertes drauf los plappern".
Deshalb ist im Bereich Umweltschutz/Energieversorgung ein Eingreifen bzw. Weichenstellen des Staates meiner Ansicht nach sinnvoll. Und wenn der Leser einwendet, dass die alternativen Energiequellen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen - sollten wir dann nicht gerade deshalb das vorhandene Potenzial voll ausreizen?
Jeder Barrel Öl, der dadurch nicht mehr importiert werden muss, ist ein Barrel weniger, den wir von Russen oder Saudis kaufen müssen. Nicht, dass ich denen das Geld nicht gönnen würde - aber aus volkswirtschaftlicher Sicht gibt es doch vernünftigere Einsatzmöglichkeiten für dieses Geld. Und wie im Fall von unserer Hilfsaktion für Malawi braucht es manchmal einfach eine Anschubfinanzierung, damit eine Sache zum Selbstläufer wird. Bei der Photovoltaik könnte es ähnlich sein. Nach der Anschubfinanzierung ist die Sache ins Rollen gekommen, und in 3 Jahren könnte die „grid parity" erreicht sein (Solarstrom ohne Subvention so teuer wie anderer Strom).
Soviel für heute!
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Scholastika Dickmann (10.09. 2009 13:51 Uhr):
Hallo! Der Markt funktioniert in vielen Bereichen nicht, weil manches nicht so einfach gehandelt werden kann. Aktuelles Beispiel: "Atommüll-Endlagerung". Der Atomstrom ist "billig", weil die nach unendlich tendierenden Entsorgungskosten nicht von den Händlern getragen werden. Die Atomindustrie findet es selbstverständlich, dass die Allgemeinheit dafür aufkommt. Leider hat der Steuerzahler auch schon ein Großteil der Forschung bezahlt. Wieso soll er jetzt nicht ein Teil der Kosten für ungefährliche und auf Dauer günstigere erneuerbare Energie bezahlen? Gut, dass Sie versuchen, Ihre Leser zu überzeugen! Mit freundlichem Gruß Sch. Dickmann
Antworten - Kommentar von Semmler Erich (10.09. 2009 15:50 Uhr):
mir platzt der Kragen wenn ich diese Kritik an Ihren Berichten und Darstellungen durch einen Trader Dailys Leser lese!
Antworten - Kommentar von Rainer Gerstner (10.09. 2009 19:51 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, ich bin erstaunt, dass es jemand gibt, dessen Ansichten sich mit den meinen decken. Kann mich an keinen Beitrag von Ihnen erinnern, der nicht meine volle Zustimmung hatte. Sonst bin ich leider ziemlich alleine, mit meinen Ansichten. Gruß R.G.
Antworten - Kommentar von Rettich (11.09. 2009 13:25 Uhr):
Bei der Atomenergie stimmt der Preis auch nicht, hier werden weder die gigantischen Anfangssubventionen (die der Steuerzahler aufbrachte) berücksichtigt, noch laufende Subventionen. Ferner muß jeder Betrieb heutzutage eine Versicherung wegen evtl. Umweltschäden abschließen. Die Kernenergie nicht, da die Prämien hierfür die Kernenergie unwirtschafltich machen würden. Im Schadensfall haftet hier also auch wieder der betroffene Bürger. Nicht berücksichtigt sind ferner die Verstrahlung der Abbaugegend im Erzeugerland. Wenn wir andie Zeche Wismut etc. denken, auch hier trägt und und trug im letzten Jahrzehnt allein wieder der Steuerzahler die Folgekosten. Aktuell wird über einen Flüssiggashafen diskutiert. Auch hier soll sich der Steuerzahler wiederum an der Infrastruktur beteiligen. Auch dies würde wiederum eine Subvention, hier von Gas, darstellen. Denken Sie beim Gas bitte auch an die von der BRD bereitgestellten Erdgaslager für Notfälle, die jährlich immense Kosten verursachen. Gleiches gilt für die sogenannte strategische Ölreserve. Aus Zeit- und Platzgründen verzichte ich auf eine weitere Aufzählung von wetbewerbsverzerrenden Subventionen der diversen Energieträger durch die BRD, bzw. von Kosten, die der Steuerzahler übernimmt. mfg bjr
Antworten - Kommentar von Andreas Kammerbauer (15.09. 2009 09:56 Uhr):
Wer die Atomenergie als wirtschaftliches günstiges Ernergierzeugung bezeichnet, disqualifiziert sich als Volkswirtschaftler. Die Argumente wurden bereits erwähnt.
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- Kommentar von Wolfgang Mair (17.09. 2009 17:39 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, gibt es eine Studie, die aufzeigt, wie hoch die staatlichen Subventionen für eine Atomkraftwerk sind, von der Errichtung bis zur Verschrottung, sowie Forschung (z.B. Jülich oder Garchingf) über die Wiederaufbereitung, Polizeieinsätze bis zum Atomendlager, das kein Bundesland haben möchte. Mein Gefühl sagt mir, dass die staatlichen Zuschüsse so hoch sind, dass damit auf jedem Hausdach in D. eine kostenlose Solaranlage errichtet werden könnte. Warum wird also diese Lobby unterstütz? Die Reaktorforschungslabors sollen wohl andere Ziele verfolgen. MfG. Wolfgang mair
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