Boomphase der deutschen Wirtschaft beendet
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 26. August 2011, 13:00 Uhr
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nachdem ich aufgrund zweier Leserfragen am Mittwoch die Grundregeln der Elliott-Wellen-Theorie erläuterte und diese danach im Bund Future als praktischen Beispiel anwendete, möchte ich heute nun die Fibonacci-Retracements erklären und die Frage beantworten, wie es im DAX weiter geht. Dies dann unter Anwendung beider Methoden.
Zuvor möchte ich aber noch auf die Konjunkturdaten in dieser Woche eingehen, denn diese hatten es in sich.
ZEW-Index - nun wird auch die Lage schlechter beurteilt
Das erste wichtige Ereignis in dieser Woche dürfte wohl die mit Spannung erwartete Veröffentlichung des ZEW-Index am Dienstag gewesen sein. Hier hatten viele Marktteilnehmer sicher schon mit schlechten Zahlen gerechnet. Doch die Schätzungen wurden sogar noch unterboten.
Der ZEW-Konjunkturindex für Deutschland notiert im August bei -37,6. Erwartet wurde der Index mit -26,0. Im Monat zuvor hatte er noch bei -15,1 gelegen.

(Quelle: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung)
Nachdem bislang insbesondere die Erwartungskomponenten der Konjunkturindikatoren negativ auffielen, hat sich nun auch die aktuelle konjunkturelle Lage Deutschlands verschlechtert. Nach Angaben des ZEW hat sich dieser Teilindex von noch 90,6 im Monat zuvor auf nun 53,5 Zähler verringert. Das ist schon ein herber Rückschlag.
Nur eine kleine Marktreaktion
Doch den Markt lies das kalt. Betrachtet man den Tageschart des DAX, dann ist kaum erkennbar, wann der Index genau veröffentlicht wurde, wenn man nicht wüsste, dass dies um 11:00 Uhr der Fall war. Hier würde man den Zeitpunkt sicher eher am Hoch um 10:00 Uhr vermuten (siehe folgender Chart).
(Quelle: CFX-Broker) DAX, Candlestick-Chart, 1-Minuten-Kerzen, Tageschart vom 23. August
Nur eine etwas längere rote Kerze von knapp 60 Punkten entstand(siehe Kasten im Tageschart des DAX vom 23. August), die aber sofort wieder aufgekauft wurde.
Nun lässt sich lediglich darüber spekulieren, ob die weitere Abwärtstendenz hierdurch verursacht wurde, insbesondere da sie bereits eine Stunde vorher begann.
Boomphase der deutschen Wirtschaft ist beendet
Auch der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, der ifo-Geschäftsklimaindex, hat sich im August weiter eingetrübt, wie das Münchener ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut am Mittwoch meldete.
Das ifo-Institut befragt monatlich etwa 7000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten. Der daraus ermittelte ifo-Index notiert im August 2011 bei 108,7 Punkten, nach 112,9 Punkten im Juli.
Das Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel auf 100,1 Punkte von 105,0 Punkten im Vormonat. Hier gehen die Werte schon seit März 2011 zurück und damit nun zum sechsten Mal in Folge.
Der Lage-Index ging von 121,4 auf 118,1 Punkte zurück.

(Quelle: ifo Institut für Wirtschaftsforschung)
Bei der Saldenbetrachtung fielen die Erwartungen erstmals seit Oktober 2010 wieder in den negativen Bereich zurück. Damit ist die Boomphase der deutschen Wirtschaft laut der Konjunkturuhr (siehe nachfolgende Grafik) des ifo-Instituts beendet.

(Quelle: ifo Institut für Wirtschaftsforschung)
Dies lässt für das 2. Halbjahr 2011 eine Abschwächung des Wachstumsmomentums im Vergleich zum Zeitraum von Januar bis Juni befürchten.
Trotz der schlechten Daten konnte der DAX endlich einmal wieder ordentlich zulegen. Dafür verantwortlich war aber nicht der ifo-Index, der bereits um 10:00 Uhr veröffentlicht wurde, obwohl auch er merkwürdigerweise für steigende Kurse sorgte, sondern wohl eindeutig die US-amerikanischen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter, die um 14:30 Uhr kamen. Dies ist in folgendem Chart sehr schön erkennbar. (Was die roten und grünen Linien bedeuten, erkläre ich später).
(Quelle: CFX-Broker) DAX, Candlestick-Chart, 1-Minuten-Kerzen, Tageschart vom 24. August
Die Auftragseingänge sind im Juli um 4,0 % gestiegen. Erwartet wurde hingegen ein Plus im Bereich von 2,0 bis 2,5 %. Im Vormonat waren die Auftragseingänge bei den langlebigen Wirtschaftsgütern noch um 1,3 % zurückgegangen. Damit wurde der Vormonatswert von zuvor veröffentlichten -1,9 % revidiert.
Derart positive Daten aus Amerika überraschten natürlich die Marktteilnehmer, die dies sofort mit Käufen quittierten, wie der Chart eindrucksvoll belegt.
Konsumklima bestätigt Trend
Der Abwärtstrend in den Stimmungsindikatoren wurde am Donnerstag dann auch noch von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bestätigt. Wie die GfK gestern meldete, verschlechterte sich das Konsumklima zuletzt leicht. Die GfK prognostiziert für September einen leichten Rückgang des Indikators auf 5,2 Punkte nach revidiert 5,3 Punkten im August.
Dieser Indikator hat jedoch nach dem ZEW- und dem ifo-Index, die ebenfalls bereits in dieser Woche veröffentlicht wurden, nur noch eine untergeordnete Bedeutung und blieb daher auch von den Märkten weitestgehend ungeachtet.
Buffett rettet Bank of Amerika
Was allerdings gestern sofort für Eilmeldungen sorgte: Der Star-Investor Warren Buffett beteiligt sich laut Medienberichten mit 5 Mrd. Dollar an der Bank of America.
Mich bestätigt dies in meiner Ansicht, dass die Korrektur nicht mehr lange anhält und auch sonst keine Eskalation der Lage erfolgt. Denn die Aktion des Orakel von Omaha, wie Buffet auch genannt wird, zeigt, dass auch er die Lage am Finanzmarkt nicht so schlecht einschätzt, da er gerade jetzt in das aktuell schwächste Glied der Kette in dieser Krise investiert (Banken).
Die Bank of America hatte in diesem Jahr fast die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Offenbar genug, um nun auf eine Trendwende zu setzen.
Apropos Trendwende. Wie man Korrekturkursziele ermittelt, möchte ich Ihnen nun nachfolgend erklären.