Bolivien und sein Einfluss auf die Zinnpreise
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. Februar 2007 20:45 Uhr
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Er hat es schliesslich doch getan… am 9. Februar diesen Jahres verstaatlichte Evo Morales das Vinto Werk.
Vinto, ehemals im Besitz der Schweizer Glencore AG – welche nun versucht eine Entschädigung vor einem internationalen Schiedsgericht zu erstreiten – ist die einzige bolivianische Schmelzanlage für Zinn. Und das ist der Knackpunkt: Bolivien ist der weltweit drittgrösste Zinnproduzent der Welt, liess aber bis zum Bau der Vinto Anlage die Raffinerieerlöse ausschliesslich anderen zukommen.
Vinto wurde in den 1970er Jahren gebaut. Seitdem ging das Werk durch einige Hände, aber ausschliesslich durch nicht – bolivianische.
Soll ich ganz ehrlich zu Ihnen sein?! Irgendwie kann ich Morales Ansinnen nachvollziehen. Gebt dem Volke, was des Volkes ist. Und die einzige Schmelzanlage im Lande des drittgrössten Zinnproduzenten gehört einem ausländischen Unternehmen ?! Darf das sein?!
Andererseits sichert sich Morales damit nicht gerade das Vertrauen der ausländischen Investoren. Die er aber im Moment noch mit ihrem Know How und ihren Investitionsgeldern dringend benötigt.
Dennoch, es handelt sich lediglich um EINE (eben die einzige) Schmelzanlage für Zinn. Ob sich daraus gleich eine Verstaatlichungswelle ergibt darf man abwarten. Ich hoffe ich unterschätze Herrn Morales nicht, aber ich habe das Gefühl, dass zumindest seine Ratgeber einiges marktwirtschaftliches Verständnis aufweisen. Nun gut wir werden sehen…
Die Zinnpreise zumindest können sich nicht beklagen. Seit Anfang Januar stieg der Preis um 33,5 %. Gegenwärtig notiert Zinn bei 13 350 US Dollar pro Tonne an der LME.
Warum steigende Zinnpreise?
Morales und seine Schmelzanlage sind nur ein Grund für die steigenden Zinnpreise.
Da sind nämlich auch noch die Indonesier, die dem illegalen Minengewerbe den Garaus machen wollen und dementsprechend die Exportraten beschränken wollen. Indonesien ist übrigens die zweitgrösste Fördernation.
Und da sind auch noch die Chinesen, deren eigener Zinnverbrauch derartig gestiegen ist, dass sie in diesem Jahr ihre Exporte um 10 % verringern wollen. Dies kommt natürlich gerade Recht, in einer Situation in der die Lagerbestände sowieso schon fast leer sind.
China ist übrigens der weltweit grösste Zinnproduzent.
Kein Wunder also, dass Zinn , bei ständig steigender Nachfrage (im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage um 9 % an) ein 17 Jahres Hoch erreichte.
Zinn – ein wertvolles Metall
Die chinesischen Zinnexporte werden hauptsächlich als Lötmaterial genutzt.
Tatsächlich wird etwa 35 % der globalen Zinnproduktion in der Halbleiter – und Elektronikindustrie zur Verwendung als Lötdraht genutzt.
Etwa 30 % der weltweiten Produktion wird für die Herstellung von Weissblech, sprich für Konservendosen genutzt.
Weitere 30 % werden zur Herstellung von Chemikalien und Pigmenten in der chemischen und Pharmaindustrie verwendet, zum Beispiel auch bei Fungiziden und Desinfektionsmitteln.
Zinn wird aber auch dem Kunststoff PVC als Stabilisator beigemischt und ist als Oxid -Verbindung elektrischer Leiter in Anzeigegeräten wie LC Displays. Und nun stellen Sie sich eine Welt ohne Konservendosen, LCD Panels, jegliche Elektronik und Desinfektionsmittel vor.
Können Sie nicht ?! Nun ich muss Ihnen sagen, dass so wie die Dinge gegenwärtig stehen die vorhandenen Lagerstätten nur noch etwa für 35 Jahre ausreichen werde.
Dann erschliessen wir einfach neue Lagerstätten, denken Sie?! Ich muss Ihnen leider sagen, dass auch dies nicht ganz so einfach ist, denn gegenwärtig werden nur etwa 20 % der weltweiten Produktion durch Minenaktivität gewonnen. Mehr als 80 % der globalen Zinnvorkommen sind so genannte Schwemmlandablagerungen an Flüssen und auf dem Meeresgrund. Diese Sekundärlagerstätten sind ähnlich wie das zu siebende Seifengold entstanden.
Das Material in den Sekundärlagerstätten weist allerdings nur einen Zinnmetallgehalt von 5 % auf.
Verstehen Sie jetzt?!
So long , liebe Leser….vergessen Sie nicht sich eine Dosensammlung zuzulegen….man kann schliesslich nie wissen, wie viel Wert kommende Generationen einem unserer Basismetalle einmal beimessen werden ……denn schliesslich beinhaltet sogar die Legierung der goldfarbigen Euromünzen eine Portion Zinn, somit bin ich dann auch nicht mehr ganz so negativ was die Euroeinführung betrifft :-) …
Ihre Miriam Kraus